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Dienstag, 12. Dezember 2017

Integration

Die Vielfalt stärken

Von Cathrin Becker | 6. April 2017 | Ausgabe 14

Das Projekt „VDI EnablING“ will Kinder, Jugendliche und Studierende mit Migrationshintergrund für die Mitarbeit beim VDI-Nachwuchs gewinnen.

BU
Foto: VDI/Fabian Stürtz

Mit Zug nach vorn: Levent Süre gelang der Aufstieg von der Sonderschule zum Ingenieur bei der DB.

Reicht es aus, Leidenschaft und Neugier mitzubringen, um Ingenieur zu werden? Wie wichtig ist der familiäre Hintergrund? Welche Rolle spielen Vorbilder? Der VDI fördert den Ingenieurnachwuchs mit Angeboten für Kinder und Jugendliche sowie für Ingenieurstudierende und Berufseinsteiger. Das Projekt „VDI EnablING“ überprüft diese Angebote mit Unterstützung der Stiftung Mercator in den kommenden drei Jahren auf Chancengerechtigkeit. Ziel ist es, Zugangshürden abzubauen.

Zahlreiche dieser Hürden hat Levent Süre bewältigt: Für ihn war der Astronaut Thomas Reiter eine große Inspiration auf dem Weg zum Ingenieurstudium. Reiters Werdegang zeigte ihm, wohin man mit Neugier und Spaß an Mathematik und Physik gelangen kann. In Süres Fall nicht in das Weltall, aber als Fahrzeugtechniker in das Hamburger ICE-Werk der Deutschen Bahn.

Dass Levent Süre einmal Maschinenbau studieren sollte, war nicht unbedingt abzusehen. Zielstrebig ließ er die Sonderschule hinter sich, um Fachabitur zu machen, anschließend schaffte er den Sprung an die Hochschule. Seine leidenschaftliche Neugier half ihm nach eigener Einschätzung dabei, aber auch die Unterstützung seiner Lehrer und seines privaten Umfelds. Süre wuchs mit sechs Geschwistern auf und fand mit seiner Familie nach dem Wegzug aus der Türkei in Norddeutschland ein neues Zuhause.

Wie Levent Süre hat aktuell ein Drittel der Kinder und Jugendlichen einen Migrationshintergrund – Tendenz steigend. Doch wie gut wird der Nachwuchs mit ausländischen Wurzeln oder aus bildungsfernen Schichten in die VDI-Talentförderung einbezogen? Eine Onlinebefragung Tausender Eltern der VDIni-Club-Kinder, jugendlicher Mitglieder der VDI-Zukunftspiloten sowie Mitglieder, die studieren oder Berufseinsteiger sind, zeigt: Ein Viertel der Teilnehmer hat einen Migrationshintergrund. Die Eltern stammen vor allem aus Osteuropa, der Türkei sowie Mitteleuropa. „Der Großteil weist eine hohe Bildungsmotivation auf und stammt aus Familien mit einer hohen Bildungsaspiration“, so Tina Schaafs, Projektleiterin von VDI EnablING. „Mehrheitlich verfügen die Eltern über eine gute Schulbildung, Abitur und Studium.“

Die Befragung zeigt auch: Es sind meist die Eltern, die zur Teilnahme an den VDI-Nachwuchsformaten anregen. Bei Eltern mit Migrationshintergrund, aus bildungsferneren Schichten oder ohne Studienabschluss sind jedoch die Höhe der Kostenbeiträge und eine fehlende Auseinandersetzung mit Förderangeboten die größten Bremsen für die Teilnahme.

Wenn der Nachwuchs aber einmal in eines der Projekte gefunden hat, läuft es: „Besonders erfreulich ist, dass das Interesse an Technik und Naturwissenschaften der Kinder und Jugendlichen durch die Teilnahme an den VDI-Angeboten mehrheitlich gleich geblieben oder gestiegen ist. Unter den Teilnehmer mit Zuwanderungsgeschichte ist dieses sogar noch stärker gestiegen. Rund 90 % der jugendlichen Zukunftspiloten planen, ein Studium oder einen Beruf mit technischem bzw. naturwissenschaftlichem Bezug aufzunehmen“, so Schaafs.

Familiäre Unterstützung, Vorbilder, Mentoren und eigene Willensstärke – ohne diese Rahmenbedingungen hätte Levent Süre die Bildungskarriere wahrscheinlich nicht geschafft. Sein Lebenslauf ist ein gutes Beispiel dafür, was Kinder und Jugendliche mit der richtigen Unterstützung schaffen können: „Wir arbeiten daran, Zugangshürden abzubauen, um eine noch vielfältigere Gruppe von Kindern, Jugendlichen und Studierenden anzusprechen. Wichtig ist, dass wir über die Relevanz von Förderangeboten und über Kooperationen mit Kitas oder Schulen informieren, Kontakt zu Vorbildern ermöglichen und unserer Angebote weiterentwickeln.“     pst

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