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Mittwoch, 13. Dezember 2017

Emissionen

Ein ungelöstes Problem

Von Christoph Sager | 27. April 2017 | Ausgabe 17

Feinstaub ist ein Dauerthema in den Medien. Doch die besonders kleinen Partikel und ihre Gesundheitsrisiken werden dabei häufig übersehen.

Aufmacher Feinstaub BU
Foto: Christoph Sager

Schwarze Finger holt sich der Fahrer am Benziner wie am Diesel-Pkw. Letztere sind bei ultrakleinen Partikeln im Vorteil.

Obwohl der Begriff „Feinstaub“ im Immissionsschutzrecht nicht definiert ist und seine Kategorisierung sehr häufig falsch wiedergegeben wird, begegnet er uns regelmäßig in den Schlagzeilen (z. B. VDI nachrichten 9/2017). Auch werden die Kategorien in den Medien häufig vereinfachend, aber falsch wiedergegeben, indem für die Partikelgrößenklassen PM10 und PM2,5 die Trennkorndurchmesser jeweils als Obergrenzen angegeben werden. Auch für ultrafeine Partikel (UFP) gibt es keine offizielle Definition, gemeinhin werden aber Partikel mit Abmessungen kleiner als 100 nm als UFP bezeichnet.

Umweltpolitisch scheint das Thema Feinstaub in Deutschland weitgehend abgehandelt. In den vergangenen 25 Jahren wurde eine drastische Reduzierung der Feinstaubimmissionen erreicht. Das hatte zur Folge, dass in Deutschland im Jahr 2015 die Grenz- und Zielwerte für PM10 und PM2,5, bezogen auf das Jahresmittel, vollständig eingehalten wurden. Beim Tagesmittel für PM10 erreichte man an 99 % der Messstationen eine Einhaltung der entsprechenden Grenzwerte bzw. eine erlaubte Anzahl von Überschreitungen. Also fast alles in Ordnung, sofern man die geltenden EU-Grenzwerte als Maßstab nimmt.

Man sollte sich allerdings vor Augen halten, dass die Grenzwertfindung auf EU-Ebene eine Vereinbarung ist, die nicht allein unter medizinischen Gesichtspunkten getroffen wurde. Werden nämlich die deutlich strengeren Richtwerte der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zugrunde gelegt, so hat Deutschland nach wie vor ein massives Feinstaubproblem. Danach wurden die Jahresmittelwerte für PM10 und PM2,5 an 35 % bzw. 90 % der Messstationen und die Tagesmittelwerte für PM2,5 an allen Messstationen überschritten.

Grenzwerte für UFP, die bis in den Blutkreislauf gelangen können, existieren bislang ebenso wenig wie WHO-Richtwerte. Dass in absehbarer Zeit europaweit Grenzwerte für UFP eingeführt werden, wird von Marion Wichmann-Fiebig, Abteilungsleiterin der Abteilung Luft im Fachbereich „Gesundheitlicher Umweltschutz“ beim Umweltbundesamt, nicht erwartet. Die Meteorologin hat bereits in der Vergangenheit die deutsche Sichtweise in Brüssel vertreten. „Es existieren für UFP noch nicht einmal Standards, um Messergebnisse vergleichbar zu machen“, betont Wichmann-Fiebig. Was die durch Verbrennungsmotoren erzeugten UFP anbelangt, so sind die Dieselmotoren aufgrund ihrer Partikelfilter gegenüber Ottomotoren im Vorteil. Laut Stefan Pischinger, Institutsleiter des Lehrstuhls für Verbrennungskraftmaschinen an der RWTH Aachen, seien Partikel in Emissionen von Ottomotoren aufgrund des Entstehungsmechanismus in der Regel kleiner als solche aus Dieselmotoren. Pischinger führt aber aus, dass UFP durch Partikelfilter, die dem Stand der Technik entsprächen, nahezu vollständig abgeschieden würden. So kann zumindest bei den primär gebildeten UFP der Verbrennungsmotor nicht als der Quelle allen Übels betrachtet werden. pst

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