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Donnerstag, 22. Juni 2017, Ausgabe Nr. 25

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Wirtschaft

Ingenieure müssen umdenken

Von Annika Lander | 15. Juni 2017 | Ausgabe 24

Wie ist Deutschland auf die digitale Transformation vorbereitet? Darüber gingen die Meinungen auf der VDI-Politikveranstaltung in Berlin deutlich auseinander.

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Foto: VDI/Jens Schicke

Kein Grund zum Schwarzmalen: Staatssekretär Matthias Machnig sieht Deutschland bei Industrie 4.0 weit vor den USA liegen.

Die digitale Transformation wird das Berufsbild des Ingenieurs massiv verändern.“ Mit dieser Aussage eröffnete VDI-Direktor Ralph Appel die Politikveranstaltung „Smart Germany – Digitale Geschäftsmodelle für die Industrie“ am 1. Juni in Berlin. „Was wir in der Digitalisierung erleben, sind nicht nur Effizienz steigernde Technologien und innovative Fertigungsverfahren, sondern auch vollkommen neue, digital basierte Geschäftsmodelle“, so Appel. „Ist unsere Industrie ausreichend auf diesen Wandel vorbereitet? Wie gut sind deutsche Ingenieure in der digitalen Geschäftsmodellentwicklung?“, fragte der VDI-Direktor.

Wenn es nach Christoph Keese, Autor der Bücher „Silicon Valley“ und „Silicon Germany“, geht, zu wenig. Nicht nur dass sich Deutschland aufgrund seiner maroden Netzinfrastruktur auf dem Weg zu einem digitalen Entwicklungsland befinde, digitale Plattformen wie Google, Airbnb, Uber und Co. stellten zudem das bislang erfolgreiche Geschäftsmodell der deutschen Industrie grundlegend infrage, so Keese. Die Herausforderung dabei: Deutsche Ingenieure denken fast ausschließlich produktzentriert. Der Kunde allerdings lege immer weniger Wert auf das Produkt an sich, sondern vielmehr auf die ihm angeschlossene internetbasierte Dienstleistung. Das verlange ein Umdenken im Ingenieurland Deutschland.

Matthias Machnig, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, warnte in seiner Keynote eindringlich vor Schwarzmalerei. Die deutsche Wirtschaft sei in Sachen Industrie 4.0 und Produktions-Know-how den Amerikanern inzwischen weit voraus. Die Stärke seiner industriellen Basis werde Deutschland auch im digitalen Zeitalter Wettbewerbsvorteile verschaffen, zumal Plattformen wie Facebook und Google das Beschäftigungsproblem der Amerikaner auch nicht lösten, so Machnig.

Dass Deutschland beim Ausbau der digitalen Infrastruktur erheblichen Nachholbedarf hat, darüber waren sich die Teilnehmer der Podiumsdiskussion einig. Außer VDI-Direktor Appel nahmen daran Joachim Bühler von Bitkom, dem Branchenverband der Digitalwirtschaft, Start-up-Gründer Silvan C. Rath und Kurt Bettenhausen von Siemens teil. „Ingenieure müssen stärker in digitalen Geschäftsmodellen denken“, betonte Appel. Dazu fehle ihnen hier und da noch das nötige Handwerkszeug. Der VDI fordere deshalb von den Hochschulen, Methodenkenntnisse zur Geschäftsmodellentwicklung fest in den Curricula zu verankern – darunter fallen etwa Business- und Marketing-Know-how, Kreativitätstechniken und Kenntnisse im Innovationsmanagement.

Bettenhausen hingegen verwies auf die fehlende „Kultur des Ausprobierens“. Was bei den Amerikanern mit der Methode „trial and error“ funktioniere, werde hierzulande viel zu häufig als Scheitern betrachtet.  pst

http://www.vdi.de/arbeit40

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