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Dienstag, 12. Dezember 2017

Auslandsstudium

Lehrreiche Muttersprache

Von Philipp Busse | 23. März 2017 | Ausgabe 12

Weltweit gibt es beinahe 100 deutschsprachige Studiengänge in den Mint-Fächern. Im Interview erklärt Experte Björn Akstinat die Vorteile.

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Foto: IMH-Verlag

Glückliche Studentin: Wer im Auslandsstudium keine Sprachbarriere überwinden muss, kommt im Unterricht besser mit und schließt schneller Freundschaften.

VDI nachrichten: Studierende gehen ins Ausland, um eine Fremdsprache zu lernen. Zumindest dachten wir das bisher. Wieso gibt es ein deutschsprachiges Studienangebot im Ausland?

Akstinat: Von den mehr als 130 000 deutschen Studenten, die im Ausland studieren, tun dies über ein Drittel in deutschsprachigen Studiengängen. Ein Auslandsstudium auf Deutsch hat viele Vorteile: Der Einstieg ins Studium geht schneller und fällt leichter, man kommt im Unterricht besser mit, man schreibt in Klausuren bessere Noten, man kann an Forschungsprojekten sprachlich gleichberechtigt teilnehmen und man schließt schneller Freundschaften. Für Engländer und Franzosen sind Auslandsstudiengänge in der eigenen Muttersprache eine Selbstverständlichkeit. Deutsche erkennen die Vorteile muttersprachlicher Studienmöglichkeiten weltweit erst langsam.

Björn Akstinat

In welchen Ländern werden die meisten deutschsprachigen Kurse angeboten?

Besonders viele Angebote gibt es zum Beispiel in Italien, den Niederlanden, Rumänien oder Ungarn. Allein an der rumänischen Universität Klausenburg/Cluj-Napoca, die 1776 unter Maria Theresia als deutschsprachige Hochschule gegründet wurde, werden 15 Bachelor- und Master-Studiengänge auf Deutsch unterrichtet.

Welche ingenieurwissenschaftlichen Studiengänge gibt es weltweit in deutscher Sprache und wer geht hin?

Im Ausland gibt es fast 100 deutschsprachige oder zweisprachige Studiengänge in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik – also in den Mint-Fächern. Hierzu gehören Wirtschaftsingenieurwesen an der neuen Türkisch-Deutschen Universität in Istanbul, Maschinenbau in den Niederlanden oder Industrie- und Maschineningenieurwesen im norditalienischen Bozen. In den Vorlesungssälen finden sich Einheimische und Ausländer. Deutsche Schulen und Hochschulen in aller Welt erleben großen Zulauf. Unsere Sprache ist international sehr verbreitet. Deutsch gehört zu den vier meistgelernten und zu den zehn meistgesprochenen Sprachen weltweit.

Wie kommt ein deutschsprachiger Kurs in Südamerika, Afrika oder Asien zustande?

Das ist sehr unterschiedlich. Häufig starten Hochschulen, Unternehmer, Regierungen oder deutsche Minderheiten im Ausland die Studienangebote. Manchmal geht die Initiative aber auch von Universitäten in Deutschland oder der Bundesregierung bzw. dem DAAD aus. Der zweisprachige Studiengang „Industrieller und kommunaler Umweltschutz“ in Brasilien, die deutsche Universität in Kairo oder die Deutsch-Chinesische Hochschule an der Tongji-Universität in Schanghai haben beispielsweise ganz verschiedenartige Entstehungsgeschichten. So wurde die Tongji-Universität 1907 von einem deutschen Arzt gegründet. Bis 1952 war dort Deutsch die alleinige Unterrichtssprache aller Studiengänge. Heute kann man dort unter anderem noch Fächer wie „Fahrzeugtechnik“ oder „Gebäudetechnik“ zweisprachig studieren.

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