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Mittwoch, 13. Dezember 2017

Abfallverwertung

Rohstoffe aus der Kloake gewinnen

Von Christoph Sager | 1. Juni 2017 | Ausgabe 22

Klärschlamm unbehandelt als Dünger einzusetzen, bedeutet zwar die Nutzung wertvoller Rohstoffe, ist aber ökologisch äußerst bedenklich.

BU Klärschlamm
Foto: Christoph Sager VDI/Mit freundlicher Genehmigung Klärwerk Werdhölzli, ERZ Entsorgung + Recycling Zürich

Braune Brühe: Auch wenn man es nicht unbedingt vermutet, landen in Kläranlagen wertvolle Rohstoffe.

Seine Herkunft ist eher anrüchig, und er sieht nicht so aus, als müsste man sich unbedingt mit ihm beschäftigen. Aber Klärschlamm hat es derart in sich, dass er sowohl als Energielieferant wie als stofflich nutzbarer Rohstoff dienen kann. Das ist vereinfacht zusammengefasst das Ergebnis der ersten internationalen Konferenz Sewage Sludge Treatment, die Mitte Mai in Kopenhagen stattfand.

Einigkeit herrschte bei den Vortragenden und beim Auditorium, dass die gängige Praxis, Klärschlämme als Dünger zu verwenden, umweltpolitisch nicht tragbar ist.

Unter diesem Gesichtspunkt ist die in diesem Jahr in Kraft tretende Novellierung der Klärschlammverordnung zu bewerten. Sie sieht Rückgewinnungsquoten von Phosphor aus dem Klärschlamm oder dessen Asche bei einer Ausbaugröße der Kläranlage von mindestens 50 000 Einwohnerwerten vor.

Sofern kleineren Kläranlagen eine Verbrennung nachgeschaltet ist, müssen diese ab einem bestimmten Phosphorgehalt in der Asche diesen ebenfalls zurückgewinnen. Zwar haben die Anlagenbetreiber je nach Anlagengröße zwölf bis 15 Jahre nach Beschlussdatum Zeit, die Vorgaben umzusetzen, aber bis 2023 müssen sie entsprechende Konzepte vorlegen. Die zu behandelnden Mengen sind enorm: Im Jahr 2014 verzeichnete Deutschland rund 1,8 Mio. t Trockensubstanz aus kommunalen Klärschlämmen.

Peter Quicker, Leiter des Lehr- und Forschungsgebiets Technologie der Energierohstoffe an der RWTH Aachen und Chair der Konferenz, befürwortet die Monoverbrennung. Er betrachtet die Praxis, Klärschlämme auf Äckern auszubringen, nicht nur als unter ökologischen Gesichtspunkten nicht vertretbar, sondern auch als verantwortungslos. Grund seien weniger die im Klärschlamm enthaltenen Schwermetalle, sondern die in ihrer Wirkung weitgehend unbekannten organischen Inhaltsstoffe. Die bereits bekannten endokrinen Disruptoren, die hormonell wirksam sind, kämen noch dazu.

Daniel Frank, Geschäftsführer der 2015 gegründeten Deutschen Phosphor-Plattform, sieht auch für Verfahren, die Phosphor aus der wässrigen Phase gewinnen, gute Chancen, sich auf dem Markt zu etablieren. Seinen Worten zufolge sind die Kosten bei thermischen Verfahren für kleinere Kläranlagen zu hoch. Aber auch bei der Anwendung von nichtthermischen Verfahren hält er es für geboten, dass kleinere Anlagen sich zu Netzwerken zusammenschließen, um die möglichst effiziente und ökonomische Phosphorrückgewinnung umzusetzen. 

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