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Mittwoch, 13. Dezember 2017

Start-up

Digitale Bildung zum Anfassen

Von Stefan Asche | 26. Januar 2017 | Ausgabe 04

Die Braunschweiger Fabmaker GmbH will Schüler und Studenten fit machen für die additive Fertigung. Dazu hat sie einen speziellen Drucker nebst didaktischem Konzept entwickelt.

BU fabmaker Schüler
Foto: Fabmaker

Im Lehr-/Lernprogramm von Fabmaker sind Schüler u. a. aufgerufen, mithilfe vorgegebener Teile ein aerodynamisches Solarmobil zu konstruieren und herzustellen.

Der 3-D-Druck erlaubt völlig neue Konstruktionen und Produktfunktionen. In der Praxis aber bleibt das Potenzial der jungen Technologie oft ungenutzt. Denn es fehlt an Experten, die gelernt haben, additiv zu denken. Und einschlägige Ausbildungsangebote sind rar. Die 2013 gegründete Fabmaker GmbH will das ändern.

Fabmaker GmbH

Das Braunschweiger Start-up hat den „Bildungsdrucker“ entwickelt. Dahinter verbirgt sich weit mehr als nur Hardware. Bestandteil des Angebots ist auch ein modulares Lehr-/Lernkonzept: Lehrkräfte aus Schulen und Universitäten können sich am Unternehmenssitz fortbilden, Onlinetutorials nutzen, sich via Web beraten lassen und im Nutzerforum austauschen. Fabmaker versorgt sie mit Software, Arbeitsmaterialien sowie Schritt-für-Schritt-Anleitungen. Erhältlich sind außerdem verschiedene Bauteilsets. Ein Beispiel ist das „Solarmobile 3D“. Es besteht aus Photovoltaikpanel, Motor und Reifen. Nutzer sind aufgerufen, daraus ein aerodynamisch optimiertes Fahrzeug zu fertigen. Fehlende Teile müssen selbstständig konstruiert und anschließend ausgedruckt werden.

Foto: Fabmaker

Gründer Dean Ciric hat noch viele Ideen: Nach 3-D-Druckern will er u. a. Augmented-Reality-Technologien in die Schulen bringen.

Maßgeblich beteiligt an der Entwicklung des didaktischen Konzepts war die promovierte Ingenieurin Gabriele Graube. Vor ihrer Ernennung zur Professorin am Institut für Erziehungswissenschaften der TU Braunschweig war sie viele Jahre Vorsitzende des VDI-Fachbeirats „Technische Bildung“.

Der Drucker selbst unterscheidet sich in vielen Details von einschlägigen Produkten aus dem Consumer-Fachmarkt. „Er verfügt beispielsweise über ein Lüftungssystem mit innovativem Emissionsfilter“, erklärt Gründer Dean Ciric. Dadurch könne das Gerät dauerhaft in geschlossenen Unterrichtsräumen genutzt werden. „Außerdem lässt er sich ohne separaten Computer nutzen.“ Um ihn mit Produktionsdaten zu füttern, genüge eine normale SD-Karte. Optional sei er auch über ein Netzwerk zu betreiben. Das Gehäuse ist abschließbar, die Front besteht aus Hochsicherheitsglas. Der Bauraum ist mit einem Volumen von 27 l auffallend groß. Zwei austauschbare Druckkopfeinheiten ermöglichen das gleichzeitige Drucken mit mehreren Farben oder Materialien. Zur Bedienung genügt ein einziger schaltbarer Drehknopf.

Technologisch basiert der Drucker auf dem Schmelzschichtverfahren. Drei Filamentsorten bietet Fabmaker aktuell an: Neben dem Stützmaterial PVA (Polyvinylalkohol) sind dies das umweltfreundliche PLA (Polymilchsäure) und das relativ feste und temperaturbeständige PETG (Polyethylenterephtalat Glycol). „Diese thermoplastischen Kunststoffe sind von uns qualifiziert, also perfekt auf unsere Hardware abgestimmt. Die Drucker sind aber offen für Rohmaterialien anderer Hersteller“, so der studierte Volkswirt Ciric. Die minimale Schichtstärke betrage 20 µm.

Die Hardware hat Fabmaker selbst entwickelt. Unterstützt wurde das Team dabei vom elektrotechnischen Institut (EMG) der TU Braunschweig. „Maßgeblich geholfen hat außerdem unserer Business Angel, der Ingenieur und Erfinder Peter Pini“, so Ciric. In Serie hergestellt wird der Drucker bei einem süddeutschen Fertigungsbetrieb.

Softwareseitig setzt Fabmaker auf verschiedene Produkte. Je nach Kenntnisstand des Kunden empfiehlt das Unternehmen SketchUp, SolidWorks oder Onshape. Einige Programme haben die Braunschweiger so modifiziert, dass sich auf Wunsch verschiedene Parameter voreinstellen lassen. „Beispielsweise kann per Knopfdruck gewählt werden, ob besonders kostengünstig, besonders schnell oder besonders detailgenau gedruckt werden soll“, erklärt Ciric. „Der Drucker lässt sich aber natürlich auch ohne solche Vereinfachungen ansteuern“, so Ciric. „Selbst gänzlich andere Softwarelösungen sind nutzbar.“

Zu den Kosten des „Rundum-sorglos-Pakets“ verrät Ciric wenig. „Wir schnüren jedem Kunden individuelle Angebote.“ Notorisch klammen Schulen empfiehlt der Ökonom ein Mietmodell. Für 199 € monatlich gebe es neben dem Drucker einen Klassensatz Lehrmaterial, Software und Support.

„Das Thema Service wird bei uns groß geschrieben“, unterstreicht der 30-Jährige. „In Problemfällen sind wir stets erreichbar. Aktuell beraten wir am Telefon oder vor Ort. Demnächst bieten wir zusätzlich Video-Tutorials und Video-Calls an.“ Sollte ein Gerät tatsächlich mal defekt sein, so werde es umgehend ausgetauscht. „Für solche Fälle halten wir Ersatzdrucker bereit und verschicken sie sofort.“

Aktuell sind laut Ciric bereits über 100 Drucker bei Kunden installiert. Dabei sei das Gerät erst seit rund sechs Monaten verfügbar. Damit der Absatz auch künftig in großen Schritten voran geht, pflegt das Unternehmen eine Vermarktungs- und Vertriebskooperation mit der Westermann-Gruppe, einem großen Anbieter von Bildungsmedien.

Finanziert hat sich Fabmaker anfangs aus Mitteln des Exist-Gründerstipendiums vom Bundeswirtschaftsministerium. Später investierten informelle Wagniskapitalgeber: Neben Peter Pini konnten die Gründer Sven Streiff gewinnen, Geschäftsführer des Braunschweiger Verpackungsunternehmens Streiff&Helmold.

„Für die Zukunft könnten wir uns vorstellen, den Kreis der Finanzierer zu erweitern“, so Ciric. „Wir wollen expandieren. Nicht nur regional, sondern auch inhaltlich. Denkbar sind beispielsweise hardwaregestützte Lehr-Lernkonzepte im Bereich Augmented Reality oder Autonomes Fahren.“

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