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Dienstag, 12. Dezember 2017

Singapur

Ehrgeizige Stadt der Löwen

Von Barbara Odrich | 27. April 2017 | Ausgabe 17

Die südostasiatische Metropole sieht sich als Zukunftslabor für fahrerlose Autos.

Singapur findet Bilder für die künftige Welt des autonomen Fahrens: „Stellen Sie sich vor, Sie könnten überall hingehen, wo Sie wollten, ohne den Stress des Fahrens. Ihre Nachbarschaft wäre grün, die Straßen sicher“, heißt es da. Auf der Suche nach weiterem Wachstum ist die asiatische Metropole stets technischen Neuerungen gegenüber aufgeschlossen. Wenn es nach den Planern geht, wird die „Stadt der Löwen“ die erste Stadt in der Welt sein, in der das fahrerlose Fahren wirklich Realität wird.

„Singapur geht strategisch vor. Das Verkehrsministerium und die Agency for Science, Technology and Research haben einen Fünfjahresplan erarbeitet und testen bereits autonome Fahrzeuge“, erklärt Professor Dim-Lee Kwong, Dozent für Elektro- und Computertechnik an der National University of Singapore. Die Regierung ist sich darüber im Klaren, dass Hand in Hand mit der Verfügbarkeit der Technik vor allem die notwendigen Rechtsvorschriften stehen müssen. Singapur arbeitet daher eng sowohl mit lokalen Universitäten und Forschungsinstituten als auch mit Unternehmen zusammen, um das Recht im Gleichklang mit der Technik voranzubringen.

Neben der Gründung des Committee on Autonomous Road Transport for Singapore (Carts), das die strategische Richtung für neue Mobilitätskonzepte vorgeben soll, eröffnete die Verkehrsbehörde Singapurs jüngst das Centre of Excellence for Testing and Research of Autonomous Vehicles NTU (Cetran). Dabei handelt es sich um ein Testzentrum für autonome Fahrzeuge in einem Gewerbegebiet gleich neben der Nanyang Technological University. Auf der 1,8 ha großen Teststrecke mit Kreiseln, Anhöhen und teils simulierten Regenfällen soll ein möglichst realistisches Verkehrsumfeld geschaffen werden, auf dem selbstfahrende Autos vor ihrem Einsatz im normalen Straßenverkehr getestet werden. Insgesamt 30 Forscher arbeiten hier an der Programmierung und virtuellen Simulation autonomer Fahrzeuge. Sie befassen sich u. a. auch mit Cybersecurity, um sicherzustellen, dass die Systeme der Fahrzeuge nicht gehackt werden können. „Auch wenn viele Länder und Städte autonome Fahrzeuge testen, fehlen bisher internationale Standards und Bestimmungen, die für einen großtechnischen Einsatz autonomer Fahrzeuge notwendig sind“, weiß Josephine Teo von der Verkehrsbehörde.

Der Stadtstaat mit nur 700 m2 Landfläche und knapp 5,6 Mio. Einwohnern – eines der dicht besiedeltsten Länder der Welt – hat guten Grund aktiv zu handeln. Straßen nehmen fast so viel Platz ein wie Wohnraum und es fehlt an Platz für neue Straßen. Gleichzeitig sieht sich der südostasiatische Kleinstaat wegen seines meist guten Wetters, seiner exzellenten Infrastruktur und auch der Disziplin der Bevölkerung bei der Einhaltung von Verkehrsregeln prädestiniert, zum Vorreiter des autonomen Fahrens zu werden. „Die potenziellen Vorteile sind groß: Jedes autonome Fahrzeug könnte zwölf konventionelle Fahrzeuge ersetzen, Verkehrsstaus könnten drastisch verringert werden, Menschen sparen Zeit“, erläutert Kwong.

Nutonomy, das Taxiunternehmen, das auf der Tropeninsel mit sechs Fahrzeugen im Universitätsviertel One-North jüngst den ersten Feldversuch mit autonom fahrenden Taxis weltweit startete, prognostiziert auf Dauer eine Verringerung des Betriebs in Singapur von rund 900 000 auf nur noch 300 000 Automobile.

Einblick in die Zukunftsvisionen Singapurs gibt das Strategiepapier des Committee on the Future Economy mit kühnen Denkansätzen. In der nahezu autofreien Stadt oder auch „Car-lite City“ sollen der motorisierte Individualverkehr und der Ausbau des Straßennetzes begrenzt werden. Über ober- und unterirdische Korridore könnten dann sowohl der Personen- als auch der Güterverkehr fließen.  rb

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