Passwort vergessen?  | 
 |  Passwort vergessen?  | 
Suche
  • Login
  • Login

Montag, 11. Dezember 2017

Familienunternehmen

Energieverbrauch in die Zange genommen

Von Matilda Jordanova-Duda | 12. Januar 2017 | Ausgabe 01

BeiKnipex, Weltmarktführer bei Profizangen, verlassen täglich 45 000 Werkzeuge die Wuppertaler Fabrik. Das Traditionsunternehmen geht mit der Zeit und setzt auf ambitionierte Nachhaltigkeitsziele.

Unternehmen Knipex BU
Foto: Jochen Tack

Energieeffizienz wird bei Knipex in Wuppertal-Cronenberg groß geschrieben: Hier optimiert Betriebsingenieur Andreas Merker die Druckluftversorgung.

Seitenschneider, Kabelscheren, Crimpzangen: Es gibt Knipex-Artikel für praktisch jede Anwendung. Und manchmal auch für mehrere auf einmal, wie die neue Elektro-Installationszange, die Schneiden, Verpressen, Abisolieren und Greifen mit einem einzigen Instrument ermöglicht. Im Programm sind rund 1000 Artikel. Über 60 % gehen in den Export, in mehr als 100 Länder. Der größte Markt ist Europa, Wachstum erzeugen vor allem Südamerika und Asien. Jedes Jahr bringen die Wuppertaler mehrere Modelle auf den Markt. Allein zur Kölner Eisenwarenmesse gab es 2016 sechs Neuentwicklungen.

Knipex

Das Geschäft boomt: In den vergangenen Jahren wurden 130 Beschäftigte eingestellt, zurzeit baut Knipex eine weitere Produktionshalle. Eine Besonderheit: Die Herstellung findet ausschließlich in Wuppertal statt, mit einer Fertigungstiefe von nahezu 100 %. Aus dickem Stahldraht wird nach Schmieden, Bohren, Fräsen, Härten, Vernieten, Polieren und einigen Schritten mehr ein Profiwerkzeug. Zum Energieverbrauch macht das Unternehmen keine Angaben. Auf jeden Fall ist er sehr hoch. So muss während der Produktion das Metall mehrmals aufgewärmt werden.

Foto: Jochen Tack

Ingenieurin Barbara Meimeth ist als Nachhaltigkeitsbeauftragte eine der zentralen Personen im Wuppertaler Unternehmen.

2015 hatte sich das Unternehmen ehrgeizige Umwelt-Ziele gesetzt. Bis 2020 soll der Energieverbrauch pro Zange um ein Fünftel gesenkt werden. Auch das Abfallaufkommen soll bis dahin um 15 % – wiederum pro Zange – reduziert werden. „Wir werden uns ganz schön strecken müssen“, sagt Ingenieurin Barbara Meimeth, die für Nachhaltigkeit zuständig ist. „Aber wir sind auf einem guten Weg.“ Das habe auch die neuerliche unabhängige Zertifizierung gezeigt. Ein „Energiekreis“ aus Vertretern verschiedener Abteilungen trifft sich regelmäßig und macht sich Gedanken über Einsparpotenziale. Viele Ideen wurden bereits umgesetzt. Allein die Modernisierung der Heizungsanlage mit intelligenter Steuerung und Brennwerttechnik hat den Energieverbrauch um 1,2 Mio. kWh gedrückt. Dafür gab es 2015 einen Preis von der Energieagentur Dena.

Industriemechaniker Deniz Önler wacht über Heizung, Lüftung, Strom und Wasser, über alles, was indirekt mit der Fertigung zu tun hat. Farbige Balken laufen über seinen Bildschirm und zeigen den Strom- und Gasverbrauch auf dem ganzen Firmengelände an. Die Gebäudetechnik erkennt dank Sensoren, ob in einer Halle jemand arbeitet. Entsprechend steuert sie Heizung und Lüftung. „Sobald ein Wert aus dem Ruder läuft, bekommen wir eine Meldung von dem System. So haben wir schon mehrere Leckagen zeitnah entdeckt und konnten sie direkt beheben“, sagt Önler.

In der Ausbildungswerkstatt leuchten neuerdings LEDs. Eine selbstlernende Steuerung fährt die Druckluft-Kompressoren streng nach Bedarf herauf und runter. „Dadurch haben wir kaum Leerlauf und sparen 40 % der Stromkosten für Druckluft“, so Betriebsingenieur Andreas Merker. Mehr noch: „Die Abwärme, die die Kompressoren produzieren, speisen wir ins Heizungsnetz ein. Im Winter haben wir auf diese Weise geringere Heizkosten, im Sommer erwärmen wir so das Wasser für die Duschen in den Waschräumen. Mit dieser zurückgewonnenen Energie könnte man 70 Einfamilienhäuser heizen.“ Demnächst soll auch die Abwärme aus Härterei und Glüherei genutzt werden. In barer Münze auszahlen werden sich die Investitionen erst in mehreren Jahren, zumal Energie zurzeit noch billig ist. Doch als Familienunternehmen denkt man bei Knipex langfristig.

Die neue Produktionshalle lässt sich energiesparend bauen. Der Rest des Betriebs ist in über 100 Jahren historisch gewachsen. Da kann und will man nicht alles Bewährte herausrupfen, um es durch neue Technik zu ersetzen. Auch alte Schätzchen lassen sich mit neuen, geregelten Antrieben effizient fahren. „Es lohnt sich, aufs kleinste Detail zu schauen“, weiß Jens Kallmerten, der für den hauseigenen Maschinen- und Anlagenbau verantwortlich ist. „Durch die Computersimulation des Erwärmungsprozesses in der Schmiede konnten wir einen optimierten Betriebspunkt finden und die Leistung des Wechselstromkreises entsprechend anpassen.“

Jeder Mitarbeiter soll seinen Beitrag leisten. „Wir sind zu jedem gegangen und haben gefragt: Was kannst du tun, um Abfall und Energie einzusparen?“, erzählt die Nachhaltigkeitsbeauftragte Barbara Meimeth. „Die Leute kommen so miteinander ins Gespräch. Wir merken immer häufiger, dass sie umkehren, um das Licht auszumachen oder um sich eine Strickjacke anzuziehen statt die Heizung aufzudrehen. Das sind zwar nur kleine Dinge, aber das Bewusstsein für die Ressource Energie wird geschärft. Ein Schlüssel zum Erfolg ist: Unsere Mitarbeiter fühlen sich dem Unternehmen verbunden.“

Beim Abfallvermeiden geht es nicht nur um Kunststoffreste, die man wieder für die Zangengriffe verwenden kann. Es geht auch um Verpackung, gedrucktes Papier im Büro, Arbeitshandschuhe oder Lebensmittel aus der Kantine. Barbara Meimeth kann eine lange Liste an Einsparposten präsentieren. So wird das Firmengelände im Sommer seltener gemäht. Darüber freuen sich die hauseigenen Bienenvölker, die die Kantine mit Honig beliefern.

Die Azubis liegen der Ingenieurin besonders am Herzen. „Das sind unsere Multiplikatoren“, sagt sie, „denn sie gehen in jede Abteilung und haben einen unvoreingenommenen Blick auf die Abläufe.“ Ressourcen nicht zu verschwenden, ist gleich zu Beginn der Ausbildung ein Thema. David Tischer, angehender Industriemechaniker: „Wir lernen schon in der ersten Woche, dass Druckluft teuer ist und wir den Handfeger zu nehmen haben, statt ein paar Späne wegzupusten.“ws

stellenangebote

mehr