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Donnerstag, 14. Dezember 2017

Kryptografie

Gefragte Spezialisten

Von Johannes Wendland | 16. März 2017 | Ausgabe 11

Verschlüsseln von Nachrichten ist keine Domäne der Geheimdienste mehr. Universitäten treiben die Technik voran.

Bildartikel zu EnigmaMachine.jpg
Foto: Karsten Sperling [Public Domain] via Wikimedia Commons

Enigma: Die bekannte Chiffriermaschine wurde bereits in den 1920er-Jahren entwickelt.

Schloss Kransberg bei Usingen im Taunus thront unübersehbar über dem Ort. Dort versammelten die siegreichen US-Besatzer hochrangige Fachleute des NS-Staats, um sie auszuhorchen. Neben den Raketenpionieren Wernher von Braun und Hermann Oberth waren das auch führende Mitarbeiter der Chiffrierabteilung des Oberkommandos der Wehrmacht. Die Amerikaner meinten offensichtlich, beim Ver- und Entschlüsseln von Botschaften im Krieg noch einiges von den Besiegten lernen zu können.

Die Kryptografie, die Wissenschaft von der Verschlüsselung von Informationen, war in dieser Zeit eine echte Geheimwissenschaft. Die verschiedenen Parteien des Kriegs und später auch des Kalten Kriegs befanden sich in einem ständigen Wettlauf. Neue Technologien und Codes wurden genauso schnell entwickelt wie geknackt. Doch oftmals war den Akteuren selbst nicht bekannt, wie weit die jeweils andere Seite war. Das markanteste Beispiel war die legendäre Verschlüsselungsmaschine Enigma, die bereits in den 1920er-Jahren von dem Berliner Ingenieur Arthur Scherbius entwickelt und im Zweiten Weltkrieg in Tausenden von Exemplaren von der Wehrmacht eingesetzt wurde. Dass es den Engländern gelang, mit einem hohen Personalaufwand die chiffrierten Enigma-Nachrichten zu entschlüsseln, wurde erst 1974 bekannt – sehr zum Entsetzen der damals noch lebenden ehemaligen Mitarbeiter der deutschen Chiffrierabteilung.

Mit dem Aufkommen und der massenweisen Verbreitung des Computers in den 1970er-Jahren, der Kommunikation der Computer in Netzen seit den 1980er-Jahren und dem Ende des Kalten Kriegs 1989 wandelte sich das ehemalige Spezialgebiet der Geheimdienste nach und nach zu einer öffentlich zugänglichen und verhandelten Wissenschaft. Inzwischen wird die Kryptografie an zahlreichen Hochschulen als eigener Studiengang angeboten.

Dabei geht es aber längst nicht mehr um mechanische Apparaturen zum Verschlüsseln von Geheimbotschaften, sondern in erster Linie um IT-Sicherheit. Und hier scheint bis heute deutsches Know-how weltweit gefragt zu sein, wie Rainer Baumgart meint, der Vorstandsvorsitzende des IT-Unternehmens Secunet, das sich auf Lösungen für Bereiche wie die digitale Signatur, sicheres Übermitteln von Daten in potenziell unsicheren Netzen oder Auslesen von elektronischen Ausweispapieren spezialisiert hat.

„Wir können technologisch weltweit gut mithalten“, meint Baumgart. „Die Qualität der in Deutschland entwickelten Systeme ist unstrittig, und der Schwerpunkt liegt dabei beim Einsatz der Kryptografie in IT-Systemen.“

Dass die deutsche Kryptografie eine führende Stellung behaupten kann, ist laut Baumgart weniger durch die Vorgeschichte – von Enigma bis zu den Chiffrier- und Dechiffrierabteilungen im Kalten Krieg – zu erklären als durch die gute Ausbildung der Techniker und Ingenieure an den Hochschulen und die sorgfältige Entwicklungsarbeit in den Unternehmen. „Deutsche Unternehmen betreiben keine übereilten Markteinführungen“, sagt Baumgart. „Deutsche Ingenieure prüfen lieber einmal zu oft, ob ein System funktioniert, bevor sie es auf den Markt bringen.“

Ein weiterer wichtiger Akteur im Bereich der Kryptografie ist das 1991 gegründete Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Damit war Deutschland Vorreiter, andere Länder orientierten sich später am deutschen Beispiel.

Für die Zukunft sieht Baumgart immer neue Anwendungsgebiete für die Kryptografie – vom Schutz von autonomen Fahrzeugen gegen Hackerangriffe über die Absicherung des Internets der Dinge gegen missbräuchliche Nutzung bis hin zum Gesundheitswesen, wo immer höchst sensible personenbezogene Daten im Spiel sind. Der Branchenverband Teletrust hat derzeit rund 300 Mitgliedsunternehmen, Tendenz steigend, und die Arbeitslosenquote bei den Absolventen der Studiengänge zu Cybersicherheit, IT-Sicherheit und Kryptografie „liegt bei null Prozent“, wie Baumgart sagt. „Alle kommen unter.“jdb

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