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Dienstag, 12. Dezember 2017

Internet of Things

Im Netz der Dinge

Von Regine Bönsch, Jens D. Billerbeck | 12. Januar 2017 | Ausgabe 01

Das Internet der Dinge erreicht die Konsumenten. Die vernetzte Welt verspricht Komfort, Effizienz und Sicherheit.

22-BU Kreis
Foto: panthermedia.net/rudall30

Nur ganz kurze Zeit ging er verloren, der rote Porsche Cayenne. Diebe hatten ihn von Rom aus gen Süden entführt. Ein kleines Mobilfunkmodul, das Vodafone im norditalienischen Varese herstellt, half, den schicken SUV ganz schnell in Neapel aufzuspüren. „Damit finden wir 95 % aller Porsche wieder, in die unser Telematikmodul eingebaut ist“, erklärt : Gion Baker, Chef des Telematik-Bereichs bei Vodafone.


Das kleine graue Bauteil macht den Luxuswagen zum Teil des Internet of Things (IoT). Eine winzige SIM-Karte ist integriert und sorgt nicht nur für die Verfolgbarkeit des Porsches, sondern auch für Sicherheit. Bei einem Unfall laufen alle Informationen im Security Operations Center in Busto, wenige Kilometer von Varese entfernt, zusammen. Wo und mit welcher Wucht ist das Fahrzeug getroffen worden? Dank des grauen Kästchens wissen die Vodafone-Mitarbeiter Bescheid und können für Hilfe sorgen.

Mehr Sicherheit, mehr Effizienz, höhere Lebensqualität und Komfort – all das sind Triebfedern für das Internet der Dinge im privaten Bereich. Da macht sich die Waschmaschine auf dem Tablet bemerkbar, sobald das Waschpulver zur Neige geht, oder bestellt es sogar selbsttätig im Netz. Assistenz- und Notrufsysteme erlauben älteren und kranken Menschen ein selbstbestimmteres Leben in ihrer gewohnten Umgebung.

Der Chiphersteller Qualcomm teilt das smarte Leben in drei Bereiche ein: Smart Body – vernetzte Systeme, die unmittelbar am Körper getragen werden, Smart Home – das vernetzte Zuhause – und Smart City – also intelligente Verkehrsleitsysteme oder vernetzte Mülltransporte.

Der Fantasie der Ingenieure und Vermarkter scheinen keine Grenzen gesetzt, das zeigen aktuelle Entwicklungsprojekte: Künftig funkt bei Vodafone der Bikini, sobald seine Besitzerin zu lange in der Sonne liegt. Sensoren im smarten Home können bei IBM und Panasonic dann nicht nur erkennen, wenn jemand unberechtigt ums Haus schleicht, sie entscheiden auch, ob es sich um einen Dieb handelt oder um die Nachbarskindern, die lediglich ihren Fußball suchen.

Solche Ideen sind nicht neu. Aber warum verlassen sie gerade jetzt das Reich der Science-Fiction und werden massiv wirtschaftliche Realität? Die Zeit ist einfach reif, die Techniken zur Realisierung der Fantasien verfügbar: „Millionen von Sensoren arbeiten sozusagen als Augen und Ohren in modernen Haushaltsgeräten“, weiß Harriet Green, bei IBM für das IoT-Geschäft auf der Computerplattform Watson zuständig. „Sie erlauben es ihnen, sowohl miteinander als auch mit ihrer Umwelt in Kontakt zu treten.“ Und auf den riesigen Datenmengen dieser Sensoren basieren die Lösungen für ein „smarteres“ Leben (s. Beitrag rechts oben).

Doch die Daten müssen zunächst von den Sensoren zu den weiterverarbeitenden Systemen übertragen werden. Dazu existieren Funktechniken aller Couleur. Da spielt Kurzstreckenfunk wie Bluetooth oder RFID (Radio Frequency Identifikation) mit seinem Ableger NFC (Near Field Communication) ebenso eine Rolle wie WLAN und Mobilfunk. Je nach Anwendung sammelt beispielsweise das Smartphone die Daten des Fitness-Trackers über Bluetooth und versendet sie dann mobil.

Da wollen auch die großen Telekommunikationsanbieter nicht außen vor bleiben. „Auf dem Weg zum Mobilfunkstandard der fünften Generation gilt unsere besondere Aufmerksamkeit 2017 sicherlich auch der Kommunikation mit und unter Sensoren“, richtet der CTO der Deutschen Telekom, Bruno Jacobfeuerborn, seinen Blick nach vorn. „Die Kommerzialisierung des Internets der Dinge via Schmalbandkommunikation wird einer der großen Branchentrends im kommenden Jahr sein und auch uns beschäftigen.“ Das Aktivieren von Schmalband-IoT (NB-IoT) im Netz der Deutschen Telekom ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg dorthin (s. Beitrag rechts unten).

So vielfältig Ideen und existierende Einzellösungen sind, die Welt des Internets der Dinge ist aus Verbrauchersicht noch sehr unübersichtlich. Player aus den unterschiedlichsten Bereichen haben sich angesichts einer wahren Goldgräberstimmung zu mehr oder weniger großen Allianzen zusammengeschlossen.

Allein im smarten Home existieren Insellösungen – rund um den Energieversorger Innogy, die Deutsche Telekom, aber auch die diversen Anbieter von Heimvernetzung – nebeneinander und miteinander inkompatibel. Da ist es nicht immer leicht zu erkennen, welche Komponenten zusammenspielen und welche nicht.

Fast verdoppeln soll sich die Zahl vernetzter Geräte im Besitz deutscher Konsumenten bis 2020. Mit durchschnittlich 34 % pro Jahr legen die Wearables am kräftigsten zu, Connected Cars folgen mit 30 %, Smart-Home-Komponenten mit 28 %.

Aber das schreckt eine zunehmende Zahl von Kunden nicht ab. Für die Gesellschaft für Konsumelektronik und Heimelektronik (gfU) steht fest: Die Smart-Home-Welle ist nicht mehr aufzuhalten. Hierzulande nutzen bereits fast 30 % der Haushalte Smart-Home-Lösungen, stellt der „Smart Home Monitor 2016“ des Marktforschungsinstituts Dr. Grieger & Cie. und der Smarthome Initiative Deutschland fest.

Das Onlineportal Statista rechnet bis 2018 mit über 1,2 Mio. Smart Homes. Und die IT-Marktforscher von Gartner gehen davon aus, dass sich 2022 in einem durchschnittlichen Familienhaushalt über 500 smarte, vernetzte Objekte tummeln werden – klassische Tablets, TV-Geräte oder Smartphones ebenso wie smarte Stromzähler und die vielen elektrischen Haushaltshelfer in Küche und Waschkeller.

Unabdingbare Voraussetzung für alle Geschäftsmodelle ist ein funktionierender Internetanschluss. Der Router im Haus wird damit zum selbstverständlichen Teil der heimischen Infrastruktur wie Gas-, Strom- oder Wasseranschluss. Der Druck, flächendeckend breitbandiges Internet auszubauen, bleibt also für Telekom, Vodafone & Co. sicherlich noch lange bestehen.

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