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Freitag, 15. Dezember 2017

Kleidung

„Karo ist cool“

Von Stefan Asche | 23. März 2017 | Ausgabe 12

Designerin Jette Joop wagt einen Ausblick auf die Kleidung von morgen – und hat gute Nachrichten für Ingenieure.

BU Jette Joop
Foto: Jette GmbH

Jette Joop versteht sich als Designerin, nicht als Künstlerin. Sie achtet schon beim Entwurf der Kleidung auf den späteren Produktionsprozess.

VDI nachrichten: Frau Joop, der deutsche Ingenieur gilt gemeinhin nicht unbedingt als ,dedicated follower of fashion‘. Erklären Sie ihm bitte, wie die Mode in zehn Jahren aussieht.

Joop: Sie wird ihm gefallen! Denn das Design wird einen Retrotrend einschlagen. Es geht in Richtung 50er-Jahre – allerdings modern interpretiert. Diese Entwicklung wird verstärkt durch die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten. Ausgehend aus dessen Umfeld wird gerade ein konservativer Backlash initiiert.

Jette Joop

Zeitgleich wird sich – wie oft in der Mode – ein Gegentrend entwickeln. Dieser wird Stilmittel der 80er-Jahre aufgreifen, inklusive Rockstar-Chic. Diese Art von Hippie-Reaktion wird nicht einmal halt machen vor Technostyle und diversen Applikationen auf Jeansstoffen.

Wird Technik eine wachsende Rolle spielen?

 Ja, definitiv. Die Anfänge werden wir in der Berufsbekleidung sehen. Handwerker, die regelmäßig schwer tragen müssen, werden hierbei künftig von ihrem Outfit unterstützt.

Entsprechende Exoskelette gibt es bereits. Chic sind die aber nicht gerade ...

Noch nicht! Die technischen Komponenten werden aber zusehends kleiner und lassen sich immer besser in der Kleidung verstecken. Ein aktueller Modetrend in der Sportbekleidung kommt dieser Entwicklung entgegen: Viele Hersteller setzen gerade auf aufgedruckte oder abgesteppte Strukturen und Linien. Hier lassen sich schon bald Funktionen integrieren.

Welche Technologien könnten sonst noch in die Mode kommen?

Bereits vorhanden sind zahlreiche Gadgets zur Selbstvermessung. Noch sind sie in vergleichsweise klobigen Uhren oder Gurten untergebracht. Aber schon bald werden sie unsichtbar in Schmuck integriert sein.

Welche Rolle spielt Technologie im Designprozess?

Eine sehr große! Am Anfang steht bei mir zwar noch immer die Handskizze. Aber sobald sie auf dem Papier ist, kommen Computer zum Einsatz. Verschiedene Programme erlauben Rundumsichten und optimieren das Design im Hinblick auf Schnittführung, Nahtlänge und Materialitäten.

Sie achten beim Design also schon auf die spätere Produktion?

Ja, natürlich. Ich bin Designerin, keine Künstlerin! Deshalb muss ich mit dem Prozess der Vervielfältigung vertraut sein. Die Herausforderung besteht stets darin, etwas zu kreieren, was bestechend schön und von höchster Qualität ist, sich zugleich aber auch wirtschaftlich herstellen lässt.

Was wünschen Sie sich von der Kleidung, die Sie zukünftig selbst tragen?

Zwar bin ich schon erwachsen, aber leider dem Wetter oft nicht entsprechend angezogen. Mein persönliches Highlight wäre deshalb ein Mantel, der sich bei Kälte automatisch aufplustert.

Schön wäre auch ein Abendkleid, das – in angemessener Situation und passendem Ambiente – an bestimmten Stellen transparent wird. Umgekehrt wäre ein Ausschnitt toll, der sich bei zuviel stieläugiger Aufmerksamkeit von Seiten Dritter automatisch hoch schließt.

Laut Klischee tragen Ingenieure dauernd Karohemden. Wie ist das unter modischen Gesichtspunkten zu bewerten?

Karo ist cool! Damit verbindet man heute tendenziell Abenteuerlust, Outdoor-Aktivität und Hands-on-Mentalität – nerdig ist es jedenfalls nicht. Letzteres gilt eher für Kapuzenjacken.

Trotzdem sollte es für die Berufsgruppe der Ingenieure mal etwas völlig Neues geben. Ich würde da gerne mal was machen. Vielleicht ein Neu-Karo ...

Was ist denn ein Neu-Karo?

Das verrate ich, wenn es soweit ist.

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