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Dienstag, 12. Dezember 2017

Smartphones

Organische Displays vor dem endgültigen Durchbruch

Von Werner Schulz | 23. Februar 2017 | Ausgabe 08

Politische Rahmenbedingungen verunsichern Branche. Displayanbieter in Fernost investieren massiv in Oleds.

Foto: Panthermedia.net/Laurent Davoust

 

Die Statistiker der Smartphone- und Tablet-Hersteller können von Glück sagen, dass ihre verbürgten Zahlen nur bis Ende 2016 reichen. Alles andere ist derzeit Neuland. Denn für dieses Jahr stehen regionale und fiskalische Umschichtungen an, angestoßen durch eine neue US-Wirtschaftpolitik. Für Hersteller und Zulieferer von Komponenten wie Bildschirmen, die eine kostenintensive Infrastruktur für Montage und Materialien erfordern, hängen viele Produktankündigungen derzeit in der Luft. Vielleicht bietet der Mobile World Congress in Barcelona nächste Woche erste Anzeichen, wie die Würfel fallen werden, ehe die Märkte die herrschende Unsicherheit spüren und mit Preiskorrekturen reagieren.

Insgesamt war 2016 wieder – oder immer noch – ein recht gutes Jahr für die Smartphones. Obwohl erste Anzeichen der Sättigung auch hier unverkennbar sind. Beim Marktforscher Gartner schätzt man, dass 2016 etwa 1,5 Mrd. Smartphones in den Händen datensüchtiger Consumer gelandet sind. Das entspricht einem Zuwachs von 5 %. In diesem Jahr, so prognostiziert Gartner, werden die Smartphones nur mehr um 3,4 % zulegen. Die wirklichen Antriebskräfte kommen hier aus den asiatisch-pazifischen Ländern, vor allem China. Für die Gerätehersteller heißt das: verstärkte Kooperation und Partnerschaft mit Software- und Serviceanbietern. Wie überall in reifen Industrien stehen Konsolidierungen an.

Generell erwarten multimedial verwöhnte Nutzer von jeder neuen Smartphone-Generation auch neue Funktionen. Das treibt den turnusmäßigen Austausch der Geräte und damit den Markt voran. Spekulationen gehen hier einerseits in Richtung künstliche Intelligenz und fortschreitende Synchronisierung mit Smart-Home- und Smart-Car-Apps. Bei den Displaytechniken tauchen virtuelle Realität und holografische Projektion am Horizont auf. Das könnte den demütig gesenkten Blick auf das Display wieder in die Höhe recken …

Noch ist Samsung, trotz des Akku-Debakels beim Galaxy Note 7, 2016 mit 306 Mio. verkauften Geräten die Nummer eins. Doch Apple rückt mit 216 Mio. immer dichter auf, und konnte im letzten Quartal von 2016 mit 77 Mio. iPhones sogar in Führung gehen. Das entspricht einem Marktanteil von 17,9 % – ein Zehntelpunkt vor Samsung.

Dieser Rivalität ungeachtet wissen die Fachspezialisten, dass Apple bei Samsung 60 Mio. AM-Oled-Panels für sein demnächst kommendes iPhone bestellt. Also Displays auf Basis organischer Leuchtdioden (Oleds), die von einer aktiven Matrix (AM) einzelpunktweise angesteuert werden. Dieser Schwenk Richtung Oled dürfte auch die chinesischen Hersteller Everdisplay und Optronics zur Oled-Massenfertigung veranlassen. Bislang steuern chinesische Panelhersteller erst 2 % zum Weltmarkt bei, weiß der Marktforscher IHS. Aber im Reich der Mitte stehen die Zeichen auf Expansion, um den Wettbewerber Samsung aus dem Feld zu schlagen.

Doch auch für Samsung bedeutet das Geschäft eine Expansion seiner AM-Oled-Fertigung. Der bekannte Displayanalyst Ross Young vom Marktforschungsunternehmen DSCC im texanischen Austin schätzt in seinem aktuellen Marktreport, dass Samsung im letzten Jahr mehr als 9 Mrd. $ in seine Oled-Fertigung investiert habe und dieses Engagement 2017 nochmals um 25 % aufstocken werde. Denn der schnell wachsende chinesische Inlandsmarkt für Smartphones ist im Jahr 2016 mit 477 Mio. Stück im Vergleich zum Weltmarkt recht beachtlich. Entsprechend wächst dort die Nachfrage nach Displays

Ist der Trend von LCD-Schirmen in Richtung der kontrastreicheren Oled-Displays unumkehrbar? Nicht unbedingt. Noch ist es den meisten Nutzern egal oder gar nicht bewusst, ob ihnen ein LCD- oder Oled-Display entgegenschimmert. Zwar ist die Helligkeit eine wichtige Angabe in den Datenblättern, allerdings als recht abstrakte Maßzahl in cd/m2 (Candela pro Quadratmeter). Viel griffiger zur Differenzierung ist das Bildschirmformat oder die Bildauflösung in Punkten pro Zoll (ppi), oft mit kaum sichtbarem Qualitätsunterschied. Doch der langjährige Marktkenner Ross Young sieht überall die wachsenden Oled-Fertigungskapazitäten: „Der gesamte Smartphone-Markt könnte sich auf die Oleds verlagern. Besonders, wenn Oled-Bildschirme kommen, die robuster, leichter, faltbar und rollbar sind.“ Den endgültigen Umschwung sieht er für 2019 voraus. Was bleibt dann den LCD-Anbietern? „Das Low-End-Segment.“jdb

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