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Donnerstag, 14. Dezember 2017

Zweirad

Radfahrer wollen sich sicher fühlen

Von Peter Kellerhoff, Stephan W. Eder, Fabian Kurmann | 25. Mai 2017 | Ausgabe 21

Fahrradverkäufe steigen. Damit mehr mit dem Rad gefahren wird, müsste es sicherer werden.

Aufmacherbild BU
Foto: Fabian Kurmann

Am Rand unterwegs: Ein Radstreifen ist ein Anfang. Wenn in New York die großen Trucks unterwegs sind, kann es für Zweiräder aber schnell ungemütlich werden.

Knapp 70 Mio. Fahrräder waren im vergangenen Jahr im Besitz der Bevölkerung Deutschlands. So die Zahlen des Statistischen Bundesamts. Es sind sogar mehr als die 46 Mio. Autos im Bundesgebiet. Die Zahl der Radfahrer wächst stetig, auch dank der elektrischen Unterstützung.

Am Gesamtbild ändert sich indes nur wenig. „Im Vergleich zu früher ist der Radverkehr zwar über 20 % gewachsen, auf das gesamte Verkehrsaufkommen gerechnet, sind es aber nur wenige Prozentpunkte Wachstum“, sagt Robert Follmer, Bereichsleiter Verkehrsforschung beim Institut für angewandte Sozialwissenschaften in Bonn.

 Sein Team schließt gerade die Befragungen für die neue Studie „Mobilität in Deutschland“ ab, die im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums zuletzt 2008 erschienen war. Nur etwa 10 % der Wege wurden laut Studie damals mit dem Fahrrad zurückgelegt. Heute liege der Wert zwischen 10 % und 12 %, also kaum höher, sagt Follmer. Im Vergleich mit den Niederlanden oder Dänemark ist das mau: „In Kopenhagen werden gut 40 % der Wege mit dem Fahrrad zurückgelegt“, sagt der Verkehrsforscher.

Dass unsere Nachbarländer flacher sind ist nicht der Grund, sondern die Fahrradkultur. „Die Angebote für den Radfahrer, um sich wohl und sicher zu fühlen, bestimmen eher, ob Menschen aufs Rad steigen oder nicht, als flaches oder hügeliges Gelände“, sagt Follmer.

Die Bonner Fahrradhändlerin Monica Fassbender hat ein weiteres Problem identifiziert: „Für eine wirklich gute Fahrradmobilität fehlt es vor allem an der Infrastruktur.“ Verglichen mit den 644 000 km an Straßen, die vor allem für den motorisierten Verkehr gebaut wurden, fallen die 40 000 km an Radwegen in Deutschland mager aus.

Dabei handelt es sich zumindest in Städten häufig um den Gehwegen abgerungenen Platz, der oft zugeparkt ist oder unvermittelt endet. Dass der Kraftverkehr dem Fahrrad eine Spur opfert, geschieht mittlerweile zwar, aber noch selten.

Breitere Fahrradwege vermitteln Sicherheit und könnten mehr Menschen zum Fahrradfahren bewegen. Radschnellwege ohne Ampeln und Kreuzungen sind ein weiterer Ansatz. Je mehr Radfahrer unterwegs seien, umso eher ändere sich die Kultur hin zu mehr Rücksicht auf Radfahrer, sagt Follmer. „Einfach weil es im Straßenbild sichtbarer wird und sie irgendwann die kritische Masse erreichen.“

Die Unfallzahlen sprechen aktuell eine andere Sprache. 2016 ließen 346 Menschen bei Radunfällen ihr Leben, 4,3 % mehr als im Vorjahr. „Seit etwa 2011 sehen wir keine signifikanten Veränderungen, was die Gesamtzahl der Verkehrstoten angeht“, sagt Rodolfo Schöneburg, Vorsitzender der VDI-Gesellschaft Fahrzeug- und Verkehrstechnik. Die Opferzahl pendele sich um ein Plateau von etwa 400 Radlern ein.

Mehr Sichtbarkeit durch breitere und farbige Radwege ist eine Möglichkeit, Unfällen entgegenzuwirken, ebenso die Standspur für Fahrräder an Ampeln vorzuverlegen, wie man es in einigen Städten schon sehen kann. „So erkennen Pkw- und Lkw-Fahrer sofort, dass mit ihnen auch ein Radfahrer unterwegs ist“, sagt Schöneburg. „Situationen, bei denen der Radfahrer im toten Winkel neben den Fahrzeugen fährt und die für viele Unfälle verantwortlich sind, könnten damit entschärft werden.“ Der Verkehrsexperte sieht aber beim Eigenschutz und der Sichtbarkeit auch die Radfahrer in der Pflicht: „Zum Eigenschutz gehört das Tragen eines Helms, zur Sichtbarkeit gehört eine Warnweste mit Reflektoren.“

Das Fahrrad sicher abzustellen, ist ein anderer Aspekt der Sicherheit für Radfahrer. Im Jahr 2016 wurden der Polizei in Deutschland 332 486 Fahrräder als gestohlen gemeldet, fast zehnmal so viele wie Autos. Davon wurde im vergangenen Jahr nicht einmal jeder zehnte Fall aufgeklärt.

Fahrräder vernünftig sichern zu können, sei ein wichtiges Argument für viele Menschen in Stadtlagen, sagt Fahrradhändlerin Fassbender. Sie fordert entsprechende Stellplatzkonzepte. „Das ist für mich eines der Kernprobleme, warum sich die Fahrradmobilität nicht mehr durchsetzt.“

Wie es anders gehen kann, sieht man in den Niederlanden, wo es an Hauptbahnhöfen teils kostenlose, bewachte Fahrradparkhäuser gibt. In Japan wurde ein altes Parkhaus zu einem vollautomatischen Radparkhaus (s. rechts) umgebaut. Auch in Deutschland gibt es kleinere Pilotprojekte, etwa in Offenburg.

Für Monica Fassbender ist jedenfalls klar: „Ich würde meinen Angestellten statt eines Jobtickets viel lieber einen gesicherten Fahrradstellplatz zur Verfügung stellen.“ Um solche Ideen in die Gesellschaft zu tragen, müssten auch große Unternehmen solche Projekte starten.

Infrastruktur fürs Fahrrad

Im Alltag umzusteigen, ist für viele noch utopisch. Dabei könnte Radfahren mit wenigen Maßnahmen ganzjährig attraktiver werden.


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