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Dienstag, 12. Dezember 2017

Stromnetze

Startprobleme

Von Hans-Christoph Neidlein | 26. Januar 2017 | Ausgabe 04

Das Messstellenbetriebsgesetz setzt einen zentralen Rechtsrahmen für Smart Metering in Smart Grids. Doch bei der Umsetzung klemmt es.

S21 BU
Foto: PantherMedia.net/zstockphotos

Eine Smart-Meter-Pflicht für Solarstromanlagen ist seit Jahresbeginn für Anlagen mit einer Leistung zwischen 7 kW und 15 kW gesetzlich festgelegt.

Seit dem letzten Herbst ist klar, wie der Smart-Meter-Rollout in Deutschland prinzipiell auszusehen hat. Am 2. September 2016 trat das „Gesetz über den Messstellenbetrieb und die Datenkommunikation in intelligenten Energienetzen“ (Messstellenbetriebsgesetz, kurz MsbG) in Kraft. Bei der Umsetzung liegt jedoch noch vieles im Ungefähren, was sich erst im Verlauf dieses Jahres klären wird.

Das MsbG regelt neben dem Rollout intelligenter Messsysteme (iMSYS) für Stromverbraucher die digitale Einbindung Erneuerbarer-Energien-Anlagen (EEG-Anlagen), also von Stromerzeugern. Aber bisher sind weder die Kommunikationseinheiten, die Smart Meter Gateways, noch die digitalen Zähler, die Smart Meter, zertifiziert auf dem Markt erhältlich.

Laut Alexander Kleemann, dem Referenten Netzregulierung beim Bundeswirtschaftsministerium (BMWi), sind derzeit zwar Geräte beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in der Zertifizierung, doch noch sind die Verfahren nicht abgeschlossen.

Für Stromerzeuger wichtig: Verfügbar sind schon entsprechende Zählerschränke nach DIN VDE-4101 mit einem APZ (Abschlusspunkt Zählerplatz), die schon von Installationsunternehmen wie HPV Solar aus Willich bei Photovoltaik-Anlagenbetreibern eingebaut werden. Zwar seien die Schränke mit 500 € bis 1000 € nicht ganz billig, doch dafür könnten Anlagenbetreiber künftig zahlreiche Zusatzfunktionen der intelligenten Mess- und Steuerungstechnik nutzen, so Geschäftsführer Thomas Heintges.

Vor allem in Süddeutschland würden derzeit noch in vielen Fällen herkömmliche elektromechanische Zähler verbaut, berichtet Susanne Jung vom Solarenergie Förderverein in Aachen. 90 % von 15 000 befragten Photovoltaik-Anlagenbetreibern nutzen im Übrigen private Zähler, nur 10 % hätten bisher einen Vertrag mit einem Messstellenbetreiber abgeschlossen.

Laut den gesetzlichen Vorgaben müssen EEG- und Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK) mit einer installierten Leistung von 7 kW bis 100 kW stufenweise mit iMSYS ausgerüstet werden. Ab 2020 soll dies auch für EEG- und KWK-Anlagen mit mehr als 100 kW Leistung gelten.

Das MsbG sieht vor, dass ab diesem Jahr EEG-Anlagen mit Leistungen zwischen 7 kW und 15 kW mit intelligenten Messsystemen auszustatten sind. „Eine Einbaupflicht für intelligente Messsysteme besteht aus unserer Sicht jedoch erst dann, wenn sie entsprechend vom Netzbetreiber ferngesteuert werden können“, sagt Nicole Pippke, Fachgebietsleiterin EEG beim Branchenverband BDEW.

Pippke zählt eine Reihe offener Punkte für die Umsetzung des MsbG auf. So sei dort nicht genau definiert, was alles zu einer Messstelle gehöre. Auch sei nicht klar, wie Messdaten verwendet werden können, wenn der Messstellenbetreiber den Anforderungen des MsbG nicht genüge.

Nicht nur die Hardware fehlt. Ansgar Wetzel von der Bayernwerk AG, der im Forum Netztechnik/Netzbetrieb im VDE (FNN) mitarbeitet, weist auf die Herausforderung einer korrekten Messung und Abrechnung hin. Dies betreffe Mieterstrom in Mehrfamilienhäusern wie auch komplexe Verbraucher mit Eigenverbrauch und Rückspeisungen.

„Schwierig ist vor allem eine Messung bei zeitungleicher Verschiebung von Strommengen. Hier kann eine Differenzwertbildung zu erheblichen Messfehlern von bis zu über 40 %führen“, erklärte Wetzel in Berlin auf dem 25. Fachgespräch der Clearingstelle EEG zu „MsbG – Messung und Steuerung von EEG-Anlagen“.

Eine eigene Arbeitsgruppe unter Beteiligung der EEG-Clearingstelle arbeite derzeit an der Thematik, um das Eichrecht und das Energierecht zu harmonisieren. Auch sei noch unklar, wie die Abrechnung erfolgen soll, wenn Anlagenbetreiber an verschiedene Gateways angeschlossen seien.

Nächstes wichtiges Datum bei der schrittweisen Umsetzung des MsbG und des Rollouts ist der 1. April 2017. Bis dahin müssen personenbezogene Mess-, Netzzugangs- und Stammdaten in einem einheitlichen Format elektronisch verschlüsselt übertragen werden.

Dies betrifft Messstellen- und Netzbetreiber, Bilanzkoordinatoren und Bilanzkreisverantwortliche, Direktvermarktungsunternehmen nach dem EEG sowie Energielieferanten. Laut Empfehlung der Bundesnetzagentur soll hierfür als Zwischenlösung zumindest der Verschlüsselungsstandard S/MIME verwendet werden, ab 2019 dann der Standard AS4 (Applicability Statement 4).

Was Sanktionen betrifft, scheint sich abzuzeichnen, dass die Agentur aus Bonn die Umsetzung dieser Regelung pragmatisch angeht. „Wo kein Kläger, da kein Richter“, sagte Andy Neidert vom Referat 606 der Regulierungsbehörde. Er geht davon aus, dass sein Haus vorerst Fällen, wo Daten unverschlüsselt übertragen würden, nicht aktiv nachgehe – es sei denn, die Netzbetreiber wollten dies.

Bis Mitte 2017 möchte die Bundesnetzagentur zudem Standardverträge für den Messstellenbetrieb festlegen. Noch bis zum 30. Juni läuft die Frist, bis zu der die Anzeige der Wahrnehmung der Grundzuständigkeit für moderne Messeinrichtungen (mME) und iMSYS bei der Agentur angemeldet werden muss. Voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte möchte das BSI die technischen Möglichkeiten zum Einbau von iMSYS feststellen.

Im Herbst dieses Jahres steht dann die Einbindung der iMSYS in die elektronische Marktkommunikation im Rahmen des sogenannten Interimsmodells an. Die Regeln für die Marktkommunikation setzen fest, wie und mit welchen Standards die Marktteilnehmer – zum Beispiel Bilanzkreisverantwortliche, Netzbetreiber oder Messstellenbetreiber – welche Daten austauschen und verarbeiten.

Spätestens sechs Monate vor dem geplanten Rollout im Jahr 2018 muss die Bundesnetzagentur die Standard- und Zusatzleistungen mit Preisblättern veröffentlichen. Drei Monate später müssen die Betroffenen mit dem Hinweis auf die freie Wahlmöglichkeit des Messstellenbetreibers informiert werden. Jährlich, erstmals zum 1. Oktober 2017, muss die Bonner Behörde dann die Grundzuständigkeit für die Übertragungsverfahren bekannt geben.

Laut Einschätzung des BMWi-Referenten Kleemann wird die vom MsbG vorgesehene sternförmige, automatisierte Datenkommunikation ab 2021 flächendeckend zur Verfügung stehen. Erst dann schickt das Smart Meter Gateway Erzeugungs- und Verbrauchsdaten direkt an die berechtigten Stellen. Und damit wäre eine wichtige Voraussetzung für ein Smart Grid geschaffen: dass die Daten sicher und standardisiert zwischen den dezentralen Stromerzeugern und den intelligenten Netzen fließen. Nur so kann das Smart Grid die fluktuierende Stromerzeugung und den -verbrauch automatisiert und besser als bisher ausbalancieren.

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