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Donnerstag, 14. Dezember 2017

Studium

Steiniger Bildungsweg

Von Wolfgang Schmitz | 9. März 2017 | Ausgabe 10

Zwei Bauinformatik-Professoren über den zähen Weg, BIM als wichtigen Baustein akademischer Ausbildung zu etablieren.

Bildung im Bau (2)
Foto: dpa Picture-Alliance/F. Von Erichsen

Als Pflichtaufgabesehen viele Studierende das Thema BIM. Es wird zum wesentlichen Baustein der Bauingenieurausbildung.

Die Digitalisierung hat ganz Deutschland erfasst. Nur in einer Branche drehen sich die Uhren etwas langsamer. „In einigen Ländern ist die Entwicklung im Bereich Building Information Modeling (BIM) seit vielen Jahren weit fortgeschritten. Deutschland zählt leider nicht dazu, holt aber kräftig auf“, meint Rasso Steinmann, Professor für Bauinformatik an der Hochschule München.

Man könne in der Entwicklung weiter sein, schließlich habe Deutschland die technischen Grundlagen für heutige internationale Standards gelegt. „Zügig in die Praxis umgesetzt wurden sie in anderen Ländern“, bedauert Steinmann die ausgeprägte Neigung, Neuerungen mit großem Misstrauen zu begegnen. „In Norwegen sagt man sich: Okay, so funktioniert es nicht, aber es klappt bestimmt anders. Der Erfahrungszuwachs zählt dort, nicht der Misserfolg.“

BIM verändere das Bauwesen, es stelle die Disziplin aber nicht grundsätzlich auf den Kopf, warnt Steinmann vor Überschwänglichkeit. Wie man konstruiere, habe sich geändert, nicht, was man konstruiere. „Es ist daher nicht nötig, alles umzukrempeln, aber vieles anzupassen. Das geschieht an den Hochschulen unterschiedlich schnell. Einige Fakultäten haben das Glück, schon länger entsprechende Fachleute in ihren Reihen zu haben und damit eine Wissensbasis, auf der sie umgehend aufbauen können; andere Hochschulen suchen händeringend Ressourcen.“ Eigenständige BIM-Studiengänge seien nicht nötig, die Erkenntnisse sollten in einzelne Module einfließen. „Grundlage bleibt die Begeisterung für den Bau, BIM ist ein Mittel zum Zweck.“

Das Thema stecke an den Hochschulen in den Anfängen, während der Markt nach BIM-Basics schreie. Steinmann: „Inhaber von Ingenieurbüros wollen wissen, was konkret zu tun ist und wie sie ihre Mitarbeiter qualifizieren können.“

Auch Markus König beklagt den Rückstand gegenüber anderen Branchen. „Die Durchdringung der Digitalisierung im Bauwesen ist leider noch sehr gering, vor allem im Vergleich zur Automobilindustrie“, sagt der Leiter des Lehrstuhls für Informatik im Bauwesen an der Ruhr-Universität Bochum (RUB). Die Entwicklung aber werde zwangsläufig Bewegung in den Markt bringen. „Vor allem in größeren Baufirmen werden künftig Informationsmanager tätig sein. Für dieses Berufsprofil kann ich mir spezielle Vertiefungsrichtungen vorstellen, womöglich auch Masterstudiengänge, die Spezialisten insbesondere für Großprojekte ausbilden.“ Der Bedarf an unabhängigen Informationsmanagern werde sich aber in Grenzen halten. Wenige spezielle Studiengänge würden für deren Ausbildung ausreichen. „Ich glaube eher, dass insbesondere die Ausbildung zum Projektsteuerer um Möglichkeiten von BIM ergänzt werden müsste.“

Das Thema stoße bei vielen Studierenden auf Interesse. König: „Sie sehen BIM als Zusatzqualifikation, um ihre Marktchancen zu erhöhen. Ich bin aber ernüchtert, wie wenige Studierende die Herausforderung mit großem Engagement angehen und sich vertieft mit den Themen der Digitalisierung beschäftigen wollen.“ Entsprechend gering sei das Interesse an Promotionen und Professuren. „Da deutet sich ein Nachwuchsproblem an.“

Während die BIM-Weiterbildungskurse an der RUB-Akademie ausgebucht und die Wartelisten lang sind, kommen die Firmen nur langsam in die Gänge. „Die Zahl der Unternehmen, die selbst intern weiterbilden, ist noch überschaubar“, so König. „Die große Zurückhaltung ist durch den geringen Druck zu erklären. Nur wenige Projekte müssen verpflichtend digital mit BIM abgewickelt werden.“ Die Unternehmen hätten die großen Chancen von BIM, interne Prozesse effizienter zu gestalten, noch nicht erkannt.

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