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Mittwoch, 13. Dezember 2017

Internet der Dinge

„Treiber für neue Geschäftsmodelle“

Von Jens D. Billerbeck | 12. Januar 2017 | Ausgabe 01

Bosch erhofft sich Milliardenumsatz mit einer eigenen Plattform für das Internet of Things (IoT). CIO Elmar Pritsch erläutert die Pläne des Konzerns.

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Foto: Bosch

Das Auto der Zukunft ist auch mit dem Smart Home vernetzt und wird so zum persönlichen Begleiter.

VDI nachrichten: Was war die Motivation für Bosch, sich verstärkt dem Thema IoT zuzuwenden?

Dr. Elmar Pritsch...

Elmar Pritsch: Bosch hat ein klares Ziel: Wir schaffen Lösungen für das vernetzte Leben. Wir sind als einziges Unternehmen weltweit auf allen drei Ebenen des Internets der Dinge aktiv: Sensorik, Software und darauf aufbauende Services. Zudem verfügen wir über eine stabile, skalierbare IT-Infrastruktur – Grundvoraussetzung, um schnell und agil in der vernetzten Welt wachsen zu können. Und wir investieren massiv in die Fähigkeiten unserer modernen IT-Systeme, damit sie auch unstrukturierte Daten verstehen, wie sie von Millionen von Geräten und deren Nutzern im Netz erzeugt werden. Da Bosch das gesamte Spektrum des Internets der Dinge bedient, sind wir überzeugt, dass Bosch Milliardenumsätze im IoT-Umfeld generieren kann.

Verändert das die Rolle der IT im Unternehmen?

Ja, absolut. Primäres Ziel der IT-Organisation war bislang, Kosten zu senken und die Effizienz des Unternehmens zu steigern – mithilfe geeigneter Hardware und innovativer Softwarelösungen. Das bleibt weiterhin wichtig. Heute ist IT aber zunehmend ein essenzieller Bestandteil der Produkte und Services von morgen. Dazu stehen wir im engen Austausch mit Teams aus verschiedenen Bereichen des Unternehmens. Kurz gesagt: IT ist ein Treiber für neue Geschäftsmodelle im Internet der Dinge.

Was bedeutet das beispielsweise für Bosch als Automobilzulieferer?

Bosch ist traditionell stark bei der Ausstattung von Fahrzeugen mit elektronisch gesteuerten Systemen und deren Hard- und Software. Das vernetzte, kommunizierende Auto eröffnet uns nun ganz neue Geschäftsmodelle. Hier nur zwei Beispiele: Endkunden und Kommunen profitieren, wenn sich dank unserer vernetzten Parklösungen freie Parkplätze schneller finden lassen. Flottenbetreiber können künftig einen ganzen Fuhrpark effizient managen, indem sie Fahrtrouten besser steuern, Wartungszeiten mit Vorlauf planen und so eine Flotte mit minimalen Auszeiten nutzen.

Wie zieht das Internet der Dinge in die industrielle Produktion ein?

Wir sehen hier enorme Chancen und Möglichkeiten. Bosch ist auf dem Gebiet Industrie 4.0 sowohl Leitanbieter als auch Leitanwender. In unseren eigenen Produktionsstandorten laufen schon heute über 100 Projekte der vernetzten Fertigung. Dadurch können wir effizienter und deutlich flexibler auf kurzfristige Nachfrage-Änderungen in der Wertschöpfungskette reagieren. Auch die Daten, die unsere Produkte aus dem Feld in die Fertigung zurückspielen, erlauben uns ganz neue Rückschlüsse im Hinblick auf die Qualität unserer Fertigung und die Optimierung unserer Prozesse.

Wie bereichert das Internet der Dinge das vernetzte, das smarte Zuhause?

Nehmen Sie unsere Hausgeräte, die sogenannte Weiße Ware: Kühlschränke und Herde sind bereits kleine Computer, die zukünftig Informationen aus dem Gerät und seinem Umfeld direkt in die Cloud transportieren werden. Schon heute können wir Bilder aus dem Kühlschrank aufs Smartphone senden oder Rezepte in den Backofen einspielen. Zudem liefern uns die Geräte wertvolle Informationen über ihre Benutzung, die in unseren Entwicklungsabteilungen in die nächsten Generationen an Hausgeräten einfließen.

Aber was ist mit den vielen Produkten, die nicht von Haus aus zur Vernetzung geeignet sind?

Hier sind Sensoren der Schlüssel. Sie können auch Geräten, die bisher über keine Intelligenz verfügen, digitales Leben einhauchen. Ein Beispiel ist unser Retrofit eCall-Adapter für den automatischen Notrufservice E-Call. Einfach in den Zigarettenanzünder gestöpselt, kann er zum Helfer in der Not werden. Ein eingebauter Sensor erkennt die Schwere eines Aufpralls bei einem Unfall. Der Adapter meldet dann via Smartphone-App die Position des Autos an eine Notrufzentrale. Bosch ist weltweit führender Hersteller von Mems-Sensoren: In drei von vier Smartphones stecken Sensoren von Bosch (Anm. der Red.: Mems – Mikroelektromechanische Sensoren).

Welche Rolle spielt nun die IoT-Cloud, die Sie seit vergangenem Jahr aufbauen?

Mit der Bosch IoT-Cloud haben wir den entscheidenden Trumpf für die vernetzte Welt in der Hand. Wir betreiben in der Cloud unterschiedliche Anwendungen aus den Bereichen vernetzte Mobilität, vernetzte Industrie und vernetztes Gebäude. Zudem können Entwickler mit unseren Softwareservices, die auf der Cloud laufen, hochskalierbare IoT-Anwendungen schnell zusammenbauen, implementieren und betreiben. Bosch arbeitet im Bereich IoT und bei der Cloud mit führenden Technologiepartnern zusammen, um eine hohe Anschlussfähigkeit und ein breites Anwendungsspektrum zu ermöglichen. Erst kürzlich haben wir mit der Software AG eine strategische Innovationspartnerschaft vereinbart. Unser gemeinsames Vorgehen wird insbesondere Partnern und Kunden aus Fertigung, Logistik und Handel Vorteile im stark wachsenden IoT-Markt bieten.

Haben Ihre Kunden z. B. im Automobilsektor Sorgen, sich nicht mehr gegenüber ihren Wettbewerbern differenzieren zu können, wenn alles über Ihre Plattform läuft?

Ich würde eher sagen, die Möglichkeit zur Differenzierung nimmt zu. Wir sind gerade alle dabei zu lernen, dass wir künftig über Software-Updates sowohl die Qualität der Produkte im Feld verbessern als auch ganz neue Funktionen anbieten können. Kundenspezifische Bedürfnisse können dank vernetzter Lösungen deutlich einfacher und schneller bedient werden. Das wird sich auch ins Automobil und in andere Bereiche übertragen. So lassen sich viele Produkte auch nach der Markteinführung noch individualisieren.

Was antworten Sie Kunden, die sich Sorgen um die IT-Sicherheit im IoT machen?

Sicherheit verstehen wir immer als Gesamtkonzept, bei dem jedes einzelne Element höchste Ansprüche erfüllen muss. Unsere Lösungen bieten Sicherheit zum aktuellen Stand der Technik und erfüllen höchste Sicherheitsstandards für Systemsicherheit, Datensicherheit und Datenschutz. Deswegen liegt auch ein besonderer Fokus der Systemarchitektur unserer Bosch IoT-Cloud auf der sicheren und verschlüsselten Kommunikation zur Anbindung von Sensoren, Aktoren und eingebetteten Systemen.

Wo sehen Sie Hürden beim Aufbau eines funktionierenden Internets der Dinge?

In erster Linie natürlich beim Netz selbst. Es ist doch interessant, dass wir in Deutschland an vielen Stellen eine Vorreiterrolle einnehmen, aber nicht beim Netzausbau. Hier besteht noch großer Nachholbedarf. Dazu kommt die europäische Datenschutzgrundverordnung: Wir haben großes Interesse an einem Binnenmarkt, der sich datenschutzrechtlich homogen präsentiert. Ansonsten wird es unnötig erschwert, länderübergreifend überzeugende Lösungen effizient einzuführen.

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