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Montag, 11. Dezember 2017

Umwelt

Aktiver Klimaschutz zahlt sich aus

Von Hans-Christoph Neidlein | 1. Juni 2017 | Ausgabe 22

Staaten, die jetzt in ehrgeizigen Klimaschutz investieren, fördern ihr Wirtschaftswachstum, so die Botschaft einer OECD-Studie.

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Foto: Hans Christian Plambeck/laif

Wachstum und Klimaschutz: Jose Angel Gurría, Generalsekretär der OECD, überreicht Bundeskanzlerin Angela Merkel eine Studie, die zeigt, wie beide Aspekte zusammenpassen.

Geld in Klimaschutz zu investieren, fördert Wirtschaftswachstum. Klimaschutz zu unterlassen, führt zu Wachstumseinbußen. So das zentrale Ergebnis einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die letzte Woche beim Petersberger Klimadialog in Berlin vorgestellt wurde. Die Untersuchung „Investieren in Klimaschutz, investieren in Wachstum“ wurde im Rahmen der deutschen G20-Präsidentschaft erstellt. Sie zeigt, dass Klimaschutzpolitik, die struktur- und fiskalpolitisch unterfüttert wird, sich auf die volkswirtschaftliche Leistung der G20-Staaten positiv auswirken würde.

G20

Bis zum Jahr 2021 prognostizieren die Autoren für die G20-Staaten ein zusätzliches Wachstum von rund 1 %, sofern in den Klimaschutz investiert wird. Bis zum Jahr 2050 könnte so im Vergleich zur bisherigen Politik ein bis zu 2,8 % höheres Wirtschaftswachstum erzielt werden. Dies gilt für die Industrie- wie auch für die Schwellenländer innerhalb der G20.

Werden zudem die positiven Effekte durch vermiedene Klimaschäden berücksichtigt, erhöht sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) bis zur Mitte des Jahrhunderts um 4,7 %. „Nur mit unverzüglichen Treibhausgasminderungen können Wachstumseinbußen vermieden werden“, so OECD-Generalsekretär Angel Gurría bei der Vorstellung der Studie in Berlin.

Die kommenden zehn bis fünfzehn Jahre sind dafür der Schlüsselzeitraum, da dann die Weichen für den Neu- und Umbau öffentlicher wie privater Infrastrukturen gestellt werden. Um den weltweiten Entwicklungsbedarf zu decken, seien dafür auch ohne Klimaschutz bis 2030 rund 95 Billionen $ (ca. 85 Billionen €) erforderlich, 6,3 Billionen $ pro Jahr.

Um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen, müssten die Investitionen in den klimafreundlichen Umbau der Wirtschaft um 10 % erhöht werden, um etwa 0,6 Billionen $ jährlich. Diese zusätzlichen Kosten würden jedoch alleine durch Einsparungen bei den Brennstoffkosten von jährlich bis zu 1,6 Billionen $ mehr als kompensiert.

Um das Ziel einer Begrenzung der Erderwärmung auf 2 °C gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu erreichen, ist laut OECD vor allem ein Umsteuern bei Investitionen in Kohlekraftwerke nötig. „Weiterhin werden viel zu viele kohlebasierte Stromerzeugungskapazitäten zugebaut“, so Gurría. Dagegen seien die Investitionen in erneuerbare Energien schon nah am erforderlichen Niveau. Doch auch in anderen Sektoren wie der Land- und Forstwirtschaft, dem Verkehr oder der Industrie müsse klimagerecht investiert werden.

Um dies zu erreichen, empfehlen die Autoren der Studie den G20-Staaten, Klimaziele in ihre Wachstumsstrategie zu integrieren. Es gelte Preissignale auf Emissionen zu setzen, Subventionen für fossile Brennstoffe abzubauen und Innovation für kohlenstoffarme Technologien zu fördern.

Um mehr privates Kapital zu mobilisieren, sollten ökologische Anreize im Finanzsystem gestärkt werden. Für einen möglichst sozial verträglichen Strukturwandel, sollten lokale Verwaltungen, Arbeitgeber und Arbeitnehmer einbezogen werden. Den wichtigsten Hebel sieht Gurría in einer „dicken, fetten Steuer auf Kohlendioxid“.

„Die Botschaft ist, dass wir jetzt umsteuern und auch aus wirtschaftspolitischen Gründen Klimaschutzinvestitionen verstärken müssen“, sagte Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesumweltministerium. Er sieht in der OECD-Studie deshalb auch ein Signal, an den Ausbauzielen zur Elektromobilität von 1 Mio.  Elektroautos bis 2020, dem deutschen Klimaschutzplan, einem raschen Kohleausstieg und dem verstärken Ausbau der erneuerbaren Energien festzuhalten.

Insgesamt zeigte sich Flasbarth optimistisch, dass es gelinge, unterstützt durch die guten Argumente der Studie, beim kommenden G20-Gipfel in Hamburg ein „starkes Statement für mehr Klimaschutz abzugeben“. Ein Klimaschutzplan der G20 sei derzeit in Abstimmung. Zwar sei schon seit dem Stern-Report vor elf Jahren klar, dass Wachstum und Klimaschutz sich nicht ausschließen, so Flasbarth. Doch dass die OECD dies nun als Wirtschaftsorganisation vertrete, verstärke die Botschaft.

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