Passwort vergessen?  | 
 |  Passwort vergessen?  | 
Suche
  • Login
  • Login

Donnerstag, 14. Dezember 2017

Klimaforschung

Antarktisches Eis schmilzt von unten

Von Stephan W. Eder | 13. Juli 2017 | Ausgabe 28

Wind und warme Tiefenwässer treiben den Rückzug des Westantarktischen Eisschildes voran.

3spalter mit Bild (2)
Foto: Alfred-Wegener-Institut/Thomas Ronge

Eisberg im Amundsenmeer: In der westantarktischen Region ist so viel Eis in Gletschern und als Schelfeis gespeichert, dass sein Abschmelzen den Meeresspiegel weltweit um 1,2 m anstiegen ließe.

Eine neue internationale geologische Studie erklärt die Ursachen des Schelfeis- und Gletscherrückzugs vor 7500 Jahren und verbessert das Verständnis der aktuellen zunehmenden Eisverluste in der Westantarktis. Danach seien wandernde Westwinde und warmes Tiefenwasser die Hauptursachen, teilte das Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven letzte Woche mit, das an der Studie beteiligt war.

Die Wissenschaftler rekonstruierten mithilfe von Sedimentkernen das Zusammenspiel von Ozean und Eisströmen im Amundsenmeer für die zurückliegenden 11 000 Jahre. Sie entdeckten deutliche Parallelen zwischen den aktuellen Ereignissen und großen Eisverlusten vor mehr als 7500 Jahren.

„Wir können jetzt mit unseren Daten belegen, dass es damals wie heute warmes Tiefenwasser ist, das auf den Kontinentalschelf strömt und die Eismassen von unten schmilzt“, sagt AWI-Forscher Johann Klages. Auf Basis dieser Fakten könne man nun die Vorhersagegenauigkeit der Modelle verbessern, so der Geologe und Koautor der Studie. Der erste Rückzug vollzog sich den Forschern zufolge bis vor etwa 7500 Jahren, bevor das Eis wieder stagnierte. „In den 1940er-Jahren setzte dann der zweite Rückzug ein. Er hält bis heute an und macht das Amundsenmeer zu einem Hotspot des Klimawandels“, ist Klages‘ Kollege Gerhard Kuhn überzeugt.

Die in das Amundsenmeer mündenden Gletscher und Eisströme verlieren inzwischen so viel Eis, dass sie allein 10 % des globalen Meeresspiegelanstiegs verursachten, so das AWI. Zusammen genommen, speicherten sie so viel Eis, dass ihr komplettes Abschmelzens den Meeresspiegel um 1,2 m ansteigen ließe.

So sei seit dem Ende der letzten Eiszeit warmes Tiefenwasser in die Pine-Island-Bucht geströmt ist. Infolgedessen schrumpften die Eismassen, bis sich vor 7500 Jahren die Westwinde nordwärts verlagerten und der Warmwassereinstrom abbrach. „In den 1940-Jahren sind die Winde dann wieder Richtung Süden gewandert, woraufhin der Warmwassereinstrom erneut einsetzte. Er hält bis heute an und ist verantwortlich für die Eisverluste, die wir derzeit in der Westantarktis beobachten“, sagt Koautor James Smith vom British Antarctic Survey.

stellenangebote

mehr