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Dienstag, 12. Dezember 2017

Deutscher Umweltpreis

Antriebskonzept mit hohem Wirkungsgrad

Von Bettina Reckter | 7. September 2017 | Ausgabe 36

Die Preisträger 2017 haben effiziente Elektromotoren sowie ein 12 500 km langes Naturschutzgebiet entwickelt.

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Foto: Jens Kortus Fotografie Miltenberg

Entwickeln hoch effiziente Elektromotoren: Bernhard Oswald (r.) und Sohn Johannes.

Seit 1993 würdigt die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) herausragende Leistungen zum Schutz der Umwelt. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird den Nominierten den mit insgesamt 500 000 € höchstdotierten Umweltpreis Europas am 29.10. in Braunschweig verleihen.

Eine Revolution in der Antriebstechnik sind für die DBU die Torquemotoren der Oswald Elektromotoren GmbH im unterfränkischen Miltenberg. Torquemotoren, benannt nach dem englischen Begriff für das Drehmoment, verbrauchen im Vergleich zu anderen Elektromotoren bis zu 50 % weniger Energie, kommen ohne Getriebe und damit ohne Getriebeöl aus, brauchen weniger Platz, sind leiser und haben geringere Betriebskosten. Allerdings müssen sie „maßgeschneidert“ werden, damit sie für jede Anwendung ihre Vorteile voll ausspielen können.

Die 1909 gegründete Firma Oswald hat sich hier zum Weltmarktführer entwickelt. Sie kooperiert mit namhaften Forschungseinrichtungen sowie mit Automobil- und Flugzeugbauern. Johannes Oswald leitet das Unternehmen in vierter Generation. Sein Vater Bernhard Oswald beschäftigt sich derweil mit der Hochtemperatur-Supraleiter-Technologie. Denn die Entwicklung soll noch weitergehen. Mit supraleitenden Bändern könnten kompaktere, leichtere und leistungsdichtere Antriebe gebaut werden – etwa für hybride Verkehrsflugzeuge.

Ein Völker verbindendes Naturschutzprojekt wird ebenfalls mit dem Deutschen Umweltpreis ausgezeichnet: Das Grüne Band, eine Kette geschützter Biotope und Nationalparks vom nördlichen Eismeer bis zur Adria entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs. Oft sind es Naturschutzgebiete wie Inseln. Nicht so jene am 12 500 km langen Grünen Band, das die unterschiedlichsten Lebensräume verbindet; 1400 km ziehen sich durch Deutschland. Entstanden ist diese Idee im Raum Coburg in Oberfranken: Dort beobachtete der Geoökologe Kai Frobel schon als Schüler auf dem innerdeutschen „Todesstreifen“ seltene Arten wie das Braunkehlchen. In den 1980er-Jahren bemühte er sich um Kontakte zu Naturschützern in der DDR. Als die Mauer fiel, nutzte er gemeinsam mit Hubert Weiger, heute Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), die Gunst der Stunde: Im Dezember 1989 initiierten Naturschützer aus West und Ost gemeinsam die Idee, aus dem Todesstreifen eine ökologische Lebensader zu machen. Voraussetzung war, dass dieser Streifen weiterhin frei blieb von Landwirtschaft, Siedlungen und Straßen. Größtenteils gelang das, u. a. dank der Sicherung von Flächen wie dem Biotopverbund Harz-Eichsfeld-Werratal durch die Heinz-Sielmann-Stiftung; Inge Sielmann, die Witwe des Tierfilmers Heinz Sielmann, wird als Dritte im Bunde für die Entwicklung des Grünen Bandes ausgezeichnet.

Für seine Verdienste um die globale Klimapolitik erhält Toni de Brum, der frühere Außenminister der Marshallinseln, den „Ehrenpreis Lebensleistung“ – posthum, er starb am 22. August. Seine Heimat liegt nur bis zu 3 m oberhalb des Meeresspiegels, der Klimawandel ist dort bereits bittere Realität: Die Steine, zwischen denen er als Kind am Strand spielte, sind selbst bei Ebbe nur noch zu erahnen. 2013 initiierte er die „Majuro Declaration for Climate Leadership“ zur Verringerung von Treibhausgasen, die von zahlreichen Inselstaaten, Nationen und Staatenbündnissen verabschiedet wurde. Bei der UN-Klimakonferenz 2015 war er beteiligt an der „High Ambition Coalition“, einer Allianz von Entwicklungs-, Schwellen- und Industrieländern. Sie trug maßgeblich zum Zustandekommen des ambitionierten Abkommens von Paris bei und wird wohl auch die nächste UN-Klimakonferenz im November in Bonn unter der Leitung der Fidschi-Inseln prägen.

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