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Mittwoch, 13. Dezember 2017

Versorger

Bilanz der Trennung

Von Christoph Böckmann | 16. März 2017 | Ausgabe 11

RWE und Eon haben die „neuen“ und die „alten“ Geschäftsfelder voneinander getrennt. Jetzt müssen sie erstmals Bilanz ziehen.

BU_Bilanz Trennung
Foto: panthermedia.net/Pixinooo

Aus zwei Konzernen wurden vier: Die Aufteilung sollte die Versorger wieder fit für die Zukunft machen. Jetzt legten sie ihre Bücher vor.

Die Innogy-Plakate und Pappaufsteller wurden über Nacht schnell gegen welche von RWE getauscht. Sind die Konzerne seit letztem Jahr operativ getrennt, gibt es in der Praxis natürlich noch Verbindungen. Das zeigt sich schon bei der gemeinsamen Kantine, in der diese Woche die Bilanzen der beiden Unternehmen der Öffentlichkeit präsentiert wurden. Bei Eon und ihrer Tochter Uniper hingegen lagen zwischen den Bilanzveröffentlichungen mehrere Tage und Kilometer. Dass die Trennung dadurch erfolgreicher war, heißt das nun aber nicht.

Mit erneuerbaren Energien Geld zu verdienen ist kein Selbstläufer. Das haben auch die Essener im vergangenen Jahr feststellen müssen. Windflauten ließen den Gewinn ebenso schrumpfen wie Mehraufwendungen für die Instandhaltung und Modernisierung der Netzinfrastruktur. „Wetterschwankungen gehören zum Geschäft wie der Stau zur A40“, scherzte Konzernvorstand Peter Terium. Doch operativ sei sein Unternehmen voll auf Spur. Unterm Strich hat Innogy ein Nettoergebnis von 1,5 Mrd. € (-6 % gegenüber dem Vorjahr) erzielt. Ihren um Sondereffekte bereinigten Gewinn wollen sie zu 80 % an ihre Aktionäre ausschütten. Das bedeutet, es gibt 1,60 € pro Aktie. Mit also 5 % Dividendenrendite wird Innogy dieses Jahr wohl zu den ausschüttungsfreudigsten Unternehmen in Deutschland zählen. RWE freut‘s. Hält der Mutterkonzern doch 75 % der Innogy-Anteilscheine.

Für die Zukunft sieht Niederländer Terium große Herausforderungen auf sein Unternehmen zukommen: „Der Wettbewerb hat sich erheblich verschärft – und er verschärft sich weiter. Die Einführung von Auktionen beim Erneuerbaren-Ausbau in Deutschland ist ein Beispiel dafür, disruptive Trends im Zuge der Digitalisierung ebenso.“ Doch der ehemalige RWE-Boss Terium, der jetzt nur noch die „neue“ Energiewelt vertritt, schlägt ungewohnte Töne an: „Die Perspektive ist gut: Bereits jetzt verzeichnen die Erneuerbaren weltweit die höchsten Zuwächse aller Erzeugungstechnologien. Die derzeitigen Zuwachsraten reichen aber noch nicht, um die neuen globalen CO2-Reduktionsziele auch wirklich zu erreichen.“

 Der Konzern profitiert maßgeblich vom Erfolg der Innogy. Daraus macht RWE-Vorstand Rolf Martin Schmitz keinen Hehl. Nicht nur die Dividende der Tochter spült Geld in die Kassen, auch ihr Börsengang brachte RWE 2,6 Mrd. € ein. Geld, das der Konzern gut gebrauchen kann. Denn 2016 war kein leichtes Jahr für den Energieversorger. Das Marktumfeld sei extrem schwierig gewesen, klagt Schmitz. Durchschnittlich 27 € pro Megawattstunde gab es an den Strombörsen für die konventionell erzeugte Megawattstunde. Ein Preis, so niedrig, wie es ihn seit über zehn Jahren nicht mehr gegeben hatte.

Doch der Vorstand sieht sein Geschäft längst noch nicht überholt: „2016 wurden etwa 70 % des Stroms in Deutschland konventionell produziert – auch 2030 werden es absehbar noch rund 50 % sein.“ Aber ihm ist klar: „Diese Veränderungen im Energiemix werden unsere Rolle verändern. Statt der Produktion möglichst vieler Kilowattstunden wird die Bereitstellung gesicherter Leistungen zunehmend wichtiger“, so der Diplomingenieur. Unterm Strich trafen Abschreibungen vor allem der deutschen Kraftwerksparte den Konzern hart. Entsprechend rutscht RWE beim Nettoergebnis für das Jahr 2016 mit -5,7 Mrd. € tief in den roten Bereich.

Konventionelle Erzeugung ist längst noch nicht obsolet. Darauf pocht auch Uniper-Chef Klaus Schäfer. Den Beweis hätten insbesondere die letzten Wochen und Monate erbracht. „In diesen war sehr deutlich erkennbar, dass eine Stromversorgung allein aus Wind und Sonne nicht funktioniert“, sagt Schäfer und nennt ein konkretes Beispiel: „Am Morgen des 24. Januar lieferten die erneuerbaren Energien nur 1 % der Stromnachfrage hierzulande. Die konventionellen Kraftwerke trugen fast die gesamte Last – rund 60 GW.“ Im vergangenen Geschäftsjahr konnte Uniper so seinen Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) gegenüber 2015 um 0,6 Mrd. € auf 1,4 Mrd. € steigern. Vor allem ein starkes Gasgeschäft inklusive hoher Einmaleffekte aus der Neuverhandlung der Gaslieferverträge wirkten sich positiv auf das operative Ergebnis aus.

Ansonsten ist die erste Jahresbilanz allerdings stark von Aufräumarbeiten belastet. So hatte Uniper bereits im ersten Halbjahr Abschreibungen auf die Großkraftwerke vorgenommen. Insgesamt habe es 2016 Wertberichtigungen über 2,9 Mrd. € gegeben, hieß es. Unterm Strich blieb für 2016 ein Minus von 3,2 Mrd. € stehen.

Der Konzern, der nun die „neue“ Energiewelt vertritt, hatte sich für das Geschäftsjahr 2016 einen bereinigten Konzernüberschuss von 0,6 Mrd. € bis 1 Mrd. € vorgenommen. Seine Ergebnisse präsentierte Eon diesen Mittwoch – und damit einen Tag nach dem Redaktionsschluss dieser Zeitung.

In den ersten neun Monaten 2016 legte Eons bereinigtes EBIT im Kerngeschäft um 223 Mio. € gegenüber dem Vorjahreswert zu. Positive Auswirkungen hatten das Ergebnis im Bereich Konzernleitung/Sonstiges und im operativen Geschäft, insbesondere verbesserte Ergebnisse in Großbritannien, Rumänien, Schweden und Ungarn im Geschäftsfeld Kundenlösungen und positive Effekte aus der vollständigen Inbetriebnahme der Windparks Amrumbank West und Humber Gateway im Geschäftsfeld erneuerbare Energien. Diese Effekte wurden teilweise kompensiert durch einen Ergebnisrückgang im Segment Energienetze Deutschland.

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