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Sonntag, 17. Dezember 2017

Kriegsfolgen

Blindgänger im Boden bleiben eine tödliche Gefahr

Von Peter Steinmüller | 16. März 2017 | Ausgabe 11

Zwei Autobahnen gesperrt, der Flugbetrieb stundenlang eingestellt, 8000 Menschen aus ihren Wohnungen evakuiert und in Hotellobbys und Hallen untergebracht: Die Bombenentschärfung in Düsseldorf in der vergangenen Woche war mit einem Aufwand verbunden, der selten notwendig ist bei solchen Aktionen. Dabei gehört das Unschädlichmachen von explosivem Kriegsmaterial auch nach sieben Jahrzehnten des Friedens zum deutschen Alltag.

S3 Bombe (2)
Foto: US-Army via Wiki Commons/gemeinfrei

Brisante Ladung: Fast 1,5 Mio. t Bomben warfen alliierte Bomber über dem Deutschen Reich ab. Viele davon lauern noch unentdeckt im Boden.

Rund 5000 Bomben entschärfen jährlich die Spezialisten des Kampfmittelräumdienstes. Kein Wunder: Im Zweiten Weltkrieg warfen die alliierten Luftstreitkräfte fast 1,5 Mio. t Bomben auf das Reichsgebiet. Experten schätzen den Anteil der Blindgänger auf bis zu einem Viertel.

Die Düsseldorfer 250-kg-Bombe war von der besonders perfiden Sorte. Ausgestattet mit einem chemisch-mechanischen Langzeitzünder, sollte sie erst während der Aufräumarbeiten nach dem Luftangriff explodieren. Doch der Zünder versagte, die Bombe lag jahrzehntelang unentdeckt in der Erde. Wenn die Mechanik funktioniert, zerbricht nach dem Abwurf eine Spindel eine Glasampulle mit Aceton. Das Lösungsmittel frisst sich durch mehrere Zelluloidscheiben. Diese halten den Schlagbolzen in seiner gespannten Stellung, bis das Zelluloid so weit zerstört ist, dass er sich löst und auf den Sprengstoff aufschlägt. Je nach Anzahl der Kunststoffscheiben zünden die Bomben nach zwei Stunden bis zu sechs Tagen.

Der Düsseldorfer Kampfmittelbeseitigungsdienst setzte zum Unschädlichmachen eine sogenannte Raketenklemme ein. Sie besteht aus einer Zwinge, in die der Kopf des Zünders eingespannt wird. Zwei an der Zwinge befestigte Treibladungen werden ferngezündet und bringen die Zwinge mit dem Zünder zum Rotieren. Er wird so schnell herausgedreht, dass eine mechanische Auswurfsperre zu spät reagiert, die beim manuellen Entschärfen den Schlagbolzen aus seiner Sicherung löst und die Bombe zur Explosion bringt.

Auch wenn in Düsseldorf alles gut ging: Kriegsgerät unschädlich zu machen, ist eine gefährliche Aufgabe. Im Jahr 2010 starben in Göttingen drei Kampfmittelräumer. Die 500-kg-Bombe explodierte, als die Spezialisten die Entschärfung gerade vorbereiteten.  t

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