Passwort vergessen?  | 
 |  Passwort vergessen?  | 
Suche
  • Login
  • Login

Dienstag, 12. Dezember 2017

Digitalisierung

Breitbandausbau bleibt Hemmnis

Von Jens D. Billerbeck | 25. Mai 2017 | Ausgabe 21

ZVEI mahnt auf seinem Jahreskongress den schnellen Breitbandausbau an. Der Verband will die Digitalisierung der Wirtschaft voranbringen und Menschen Ängste vor der neuen Arbeitswelt nehmen.

ZVEI BU
Foto: ZVEI/Mark Bollhorst

Keine Antwort: Der Roboter Pepper war abgestürzt, weil er sich in einer unerwarteten Situation befand. Der Moderator des ZVEI-Jahreskongresses, Jo Schück, versuchte vergeblich, Antworten auf seine Fragen zu bekommen.

Ausgerechnet die Maschine menschelte: Nachdem der Vorzeigeroboter Pepper die Besucher des ZVEI-Jahreskongresses souverän begrüßt hatte, um dann an den menschlichen Moderator Jo Schück zu übergeben, verweigerte er diesem am zweiten Kongresstag das vereinbarte Interview. Die Schräge der Bühne hatte den Roboter verwirrt, ein Systemabsturz war die Folge.

Das passte ungewollt zum Motto „Mensch. Maschine. Miteinander.“, das sich der Zentralverband Elektro- und Elektronikindustrie für seine Jahresveranstaltung am 17. und 18. Mai in Berlin gegeben hatte. Die Branche sieht sich als Treiber der digitalen Transformation. Ihre Produkte bringen die Vernetzung von Industrien und Menschen voran und sollen die Grundlage für nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg in Deutschland sichern. So stand es in Schlagworten auf einem großen Transparent im Rundbau des Tempodroms.

Foto: ZVEI

„Roboter sollen Menschen entlasten, nicht entlassen.“ Michael Ziesemer, Präsident des Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI).

Michael Ziesemer, für drei weitere Jahre im Amt bestätigter ZVEI-Präsident, unterstrich einmal mehr die Bedeutung von Daten und Algorithmen für innovative Produkte und Dienstleistungen. Aber er fragte auch selbstkritisch: „Wo bleibt der Mensch? Wir dürfen nicht vergessen: Roboter sollen Menschen entlasten, nicht entlassen.“ Hinter allen Innovationen, seien es Produkte oder neue Geschäftsmodelle, stehen für ihn Menschen: „Technische Systeme bleiben Werkzeug.“

Doch wie will der Verband den Menschen auf dem Weg in die Digitalgesellschaft Ängste vor Jobverlust und Cyberkriminalität nehmen? Da stehen für Ziesemer zwei Punkte ganz oben: Transparenz und Qualifikation. Offen über Chancen und Risiken neuer Techniken informieren und die Menschen in die Lage versetzen, solche Informationen auch zu verstehen.

Hier traf sich Ziesemer inhaltlich mit Bundesforschungsministerin Johanna Wanka, die am zweiten Kongresstag eine Bilanz ihrer Politik zog. Wie schaffe es ein kleines Land mit gerade einmal 1 % der Weltbevölkerung die viertstärkste Industrienation zu sein? „Durch Bildung, Ingenieurkunst, durch Innovationen und die entsprechenden Finanzen.“ Aktuell sei das Ziel von 3 % des Bruttoinlandsprodukts als Ausgaben für Forschung und Entwicklung erreicht, aber hier dürfe man nicht stehen bleiben. „Bis 2025 wollen wir 3,5 % erreichen“, schrieb sie der Industrie ins Stammbuch, die ja zwei Drittel dieser Mittel aus den eigenen Umsätzen erwirtschaften muss.

Doch die Höhe der Mittel ist es nicht allein. Um die Innovationskraft auf breiter Front auch in der mittelständischen Industrie weiter voranzubringen, steht das Projekt „steuerliche Forschungsförderung“ noch für diese Legislaturperiode auf der politischen Agenda. Gleiches hatte am Vortag Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries verkündet. Und damit bei ZVEI-Präsident Ziesemer nur verhaltenen Jubel ausgelöst. Denn die in der Politik diskutierte Obergrenze von 1000 Mitarbeitern stößt bei der Wirtschaft auf Ablehnung.

Kritische Worte gab es auch für die Breitbandversorgung, die nach wie vor das Sorgenkind der Digitalisierung ist. „Wir stehen in der Glasfaserversorgung laut OECD auf Platz 30 und damit weit abgeschlagen“, kritisierte Ziesemer. Das Ziel, bundesweit 1 Gbit/s zur Verfügung zu stellen, sei in Ordnung, der Zeitraum bis 2025 aber zu lang. Hier gab sich Zypries selbstkritisch, auch wenn ihr Ministerium nicht zuständig sei: „Wir müssen da in der nächsten Legislaturperiode einen großen Schritt vorwärtsmachen, vor allem im ländlichen Raum.“

Deutlich positivere Signale kamen von Zypries wie von Wanka für die zentrale Schlüsseltechnologie Mikroelektronik. Hier sei es gelungen, europäische Beihilferegelungen zu modifizieren. Mit der kürzlichen Gründung der Forschungsfabrik Mikroelektronik stehen laut Wanka 350 Mio. € zur Verfügung, um Mikroelektronikkomponenten für E-Mobilität, Energiewende und andere wichtige Themen der Zeit zu entwickeln. Und weitere 1 Mrd. € stellten die Ministerinnen in Aussicht, um auch die Mikroelektronikfertigung in Deutschland und Europa weiter zu stärken.

stellenangebote

mehr