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Mittwoch, 13. Dezember 2017

Regenerative Energie

Chinesisch-deutsche Liaison

Von Notker Blechner | 22. Juni 2017 | Ausgabe 25

Chinas führender Versorger State Grid will Ökostrom besser in sein Stromnetz integrieren und kooperiert dafür mit deutschen Kompetenzzentren und Firmen.

BU China
Foto: ddp images/UPI/Stephen Shaver

Chinas Hunger nach regenerativen Energien scheint unersättlich. Größtes Beispiel: Die Taiyangsan-Entwicklungszone in Wuzhong, wo 300 MW Wind- und 100 MW Solarenergie erzeugt werden.

Wenn es um das Energiesystem von morgen geht, will die State Grid Corporation of China gerne mitreden. Denn SGCC ist kein kleiner Fisch, sondern ein gigantischer Koloss im Stromnetzgeschäft. Der chinesische Staatskonzern ist der größte Stromnetzbetreiber der Welt. Er versorgt 1,1 Mrd. Chinesen mit Strom und kontrolliert 80 % der Netze im Reich der Mitte.

Bei der Einhaltung der CO2-Ziele des Pariser Klimaabkommens spielt State Grid in China eine Schlüsselrolle. Der Versorger muss immer größere Mengen von Wind- und Solarstrom ins Netz einspeisen. 2016 stieg die installierte Kapazitätsmenge in China um fast 14 % auf 226 GW. Davon kamen von State Grid über 90 % in das Netz. Zum Vergleich: Die USA installierten nur 116 GW, Deutschland 91 GW.

In 16 chinesischen Provinzen ist der Ökostrom schon die zweitgrößte Energiequelle. Doch – ähnlich wie in Deutschland – sind die erneuerbaren Energien ungleich in China verteilt. Die meiste Windenergie werde im Nordwesten des Landes produziert, erklärt Jiang Liping, Vizechefin des State Grid Energy Research Institute. Die große Herausforderung sei es, diese Windenergie in andere Provinzen, insbesondere in den Süden, zu transportieren.

Helfen sollen dabei immer längere und leistungsstärkere Hochspannungs-Gleichstromübertragungsverbindungen (HGÜ). Elf Strecken hat State Grid nach eigenen Angaben bereits errichtet. Neun weitere sind im Bau. 2018 wird das weltgrößte HGÜ-Projekt Changji-Guquan auf einer Länge von 3284 km mit einer Übertragungsleistung von 12 GW in Betrieb gehen. Siemens liefert für das Vorhaben die weltweit ersten 1100-kV-Stromrichtertransformatoren.

„Wir haben eine gute langjährige Partnerschaft mit Siemens“, erklärte Shu Yinbiao, Chef der State Grid, bei einer Konferenz in Frankfurt. Siemens hat Pionierarbeit in China geleistet und neben ABB maßgeblich zum Aufbau des HGÜ-Netzwerks beigetragen. 2009 nahmen die Münchner die weltweit erste 800-kV-Gleichstrom-Übertragungsverbindung Yunnan-Guangdong in Betrieb. Auch in der über 2000 km langen HGÜ-Strecke Jinping-Sunan (7,2 GW) und in der 8-GW-HGÜ-Anlage Xiluodo-Zheijang steckt Siemens-Technologie.

Umgerechnet gut 250 Mrd. € will der größte chinesische Versorger in den nächsten Jahren in die Energieinfrastruktur investieren, kündigte Vorstandschef Yinbiao gegenüber den VDI nachrichten an. Ein Teil soll in die bessere Versorgung ländlicher Gebiete fließen.

In Frankfurt vereinbarte State Grid letzte Woche eine stärkere Zusammenarbeit mit der Deutschen Energie-Agentur (Dena). Beide Seiten wollen gemeinsame Lösungen für die Energiewende und den Ausbau von erneuerbaren Energien entwickeln. Dabei planen State Grid und Dena einen Austausch über die Integration von erneuerbaren Energien in Stromnetze und Energiesysteme. „State Grid ist ein starker Partner, wenn es darum geht, Lösungen für das Energiesystem von morgen zu finden“, freute sich Dena-Geschäftsführer Andreas Kuhlmann.

Mit der Internationalen Agentur für erneuerbare Energien (Irena) hatte State Grid bereits vor zwei Wochen eine ähnliche Kooperationsvereinbarung getroffen. Dabei geht es um die Verbesserung der Integration von Solar- und Windenergie in die Stromnetze und um die Förderung von Smart Grids.

China verfügt über viele Energieressourcen, aber keinen Markt, betonen die State-Grid-Manager. Deshalb suchen sie verstärkt nach Märkten außerhalb Chinas. So expandierte State Grid binnen kurzer Zeit nach Brasilien, Philippinnen und Europa. Die Chinesen erwarben Anteile am griechischen Versorger Admie und beteiligten sich am portugiesischen Netzbetreiber REN. Beim Versuch, die Mehrheit am australischen Stromnetzbetreiber Ausgrid zu erlangen, scheiterten sie aber am Widerstand der australischen Regierung. Interesse wird State Grid auch an der Übernahme des Berliner Stromnetzes vom Vattenfall-Konzern nachgesagt.

China träumt davon, bis 2050 seinen Strom nach Europa zu exportieren. Im Rahmen der „Belt and Road“-Initiative („Straße und Gürtel“) soll die überschüssige Energie aus Wärmekraftwerken und Windparks per Hochspannungsleitung nach Deutschland geleitet werden. Für diese Vision werben China und State Grid seit Ende 2015. In Frankfurt hielt sich aber State-Grid-Chef Yinbiao mit neuen Ankündigungen zum globalen Stromnetz zurück.

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