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Montag, 11. Dezember 2017

Metalle

Das Lithiumrennen läuft

Von Katharina Otzen | 27. Juli 2017 | Ausgabe 30

China sichert sich die Rohstoffe der Zukunft. Neben Seltenen Erden dominiert das Land zunehmend die Lithiumproduktion.

BU_Lithium
Foto: ddp images

Lithium, Seltene Erden und Uran sind in der Mountain Pass Mine zu finden. Ein chinesischer Produzent hat die Lagerstätte, die sich 80 km von Las Vegas entfernt befindet, nun gekauft.

In Laptops und Smartphones haben sich die kleinen Lithiumakkus längst bewährt. Doch die weltweit steigende Zahl von Elektrofahrzeugen bringt neue Herausforderungen für die Produzenten. Die Preise steigen und das Rennen um das Alkalimetall und Marktanteile läuft längst auf vollen Touren. Noch vor zehn Jahren dominierten drei Konzerne den Weltmarkt für Lithium: die US-amerikanische Gruppe Albemarle, die chilenische SQM sowie FMC aus Australien. Das hat sich mittlerweile rasant und gründlich geändert.

Auf der Nachfrageseite hatte sich die Volksrepublik China schon bis 2014 zum mit 44 % größten Lithiummarkt der Welt entwickelt – mit steigender Tendenz. Ähnlich sieht es bei den Anbietern aus: Obwohl Albemarle 2015 bereits die Konkurrenten Rockwood Holdings und Rockwood Lithium gekauft hat, sanken die Marktanteile der US-Gruppe ebenso wie jener von SQM und FMC. Hatten sie vor zehn Jahren noch 85 % des Weltmarktes unter ihrer Kontrolle, sind es heute weniger als 45 %. Die früheren großen Drei haben kräftig Konkurrenz aus China bekommen, auf das mittlerweile gut die Hälfte der Weltmarktversorgung entfällt.

Sichuan Tianqi Lithium, Teil der Chengdu Tianqi Gruppe, gilt heute als größter Produzent von Lithium aus Felsgestein, während andere das Alkalimetall aus Salzseen wie dem Sala de Atacama in Chile gewinnen. Jiangxi Gangeng Lithium, bisher die Nummer Zwei in China, hat sich erfolgreich an einem der kleineren australischen Produzenten beteiligt.

Fast noch wichtiger sind die Erfolge der Chinesen bei der Produktion von Kathoden für Lithium-Ionen-Batterien. Hier überholte China die beiden bisherigen Weltmarktführer Japan und Südkorea und stellt inzwischen mehr solcher Kathoden her als die beiden anderen Länder zusammen. Das Reich der Mitte holt sich nun also auch diesen Teil der Wertschöpfungskette ins Land.

Bei der wachsenden Dominanz im Lithiummarkt überraschte es selbst die Chinesen sehr, dass nun ein US-Gericht den Verkauf der Mountain Pass Mine in Kalifornien, die rund 80 km südlich von Las Vegas liegt, an die chinesische Shenghe Resources Holding genehmigte.

Mountain Pass enthält nicht nur Lithium und Uran, sondern hat als größte Lagerstätte von Seltenerdmetallen in den USA eine wechselvolle Geschichte erlebt. Denn ganz davon abgesehen, dass Seltenerdmetalle so selten gar nicht sind, sondern nur die Gewinnung und Aufbereitung schwieriger und die Umwelt stark belastend kann, hängt die Nachfrage häufig auch stark vom militärischen und anderem sicherheitsrelevanten Bedarf ab.

Das haben die Aktionäre von Molycorp, den vorigen Besitzern, bei Mountain Pass schmerzlich erfahren: Nach anfänglicher Euphorie, getragen von der vermeintlich kommenden Renaissance der Kernenergie, kam die Pleite. Das Unternehmen konzentrierte sich auf den Uranabbau. „Molycorp hat bei Mountain Pass auf das falsche Metall gesetzt“, kritisiert Ryan Castilloux, Gründer der Beratungsfirma Adamas Intelligence. Der Experte für Seltenerdmetalle betont aber, die Lagerstätte sei in Menge und Qualität „Weltklasse“.

Ein Unterschied zu früheren Zeiten: Der Lithiumbedarf lässt sich heute kaum überbewerten. Denn die Entwicklung geht noch viel schneller in Richtung Elektromobilität als je angenommen. Die IEA (International Energy Agency) hat ihre Prognose für die Zahl der Elektrofahrzeuge bereits kräftig nach oben revidiert, wobei China bereits mit mehr als 200 Mio. elektrischen Zweirädern, über 30 000 Elektrobussen und als Käufer von gut 40 % aller weltweit produzierten Elektroautos anderen Ländern in Sachen E-Mobilität davon fährt.

Das ruft auch die internationalen Autobauer auf den Plan, nicht zuletzt alle, die in Deutschland Rang und Namen haben. BMW und Daimler haben in China bereits Joint Ventures zum Bau von Elektroautos gegründet. VW will ab 2018 gemeinsam mit der Jinanghuai Automobile Group mindestens 100 000 Elektro-autos in Ostchina produzieren. 1,5 Mio pro Jahr sollen es ab spätestens 2025 sein.

Der Eifer der internationalen Autobauer kommt nicht von ungefähr: Peking schreibt vor, dass 8 % aller in China verkauften Autos ab 2018 Elektromotoren haben müssen – oder die Anbieter müssen teure Zertifikate von der chinesischen Konkurrenz zukaufen. 

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