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Donnerstag, 19. Oktober 2017, Ausgabe Nr. 42

Donnerstag, 19. Oktober 2017, Ausgabe Nr. 42

Energiewirtschaft

Der Glanz neuer Kleider

Von Christoph Böckmann, Stephan W. Eder | 13. Oktober 2016 | Ausgabe 41

Mit Eon und RWE haben sich zwei der vier großen deutschen Versorger dafür entschieden, sich aufzuspalten.

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Foto: Reuter/Kai Pfaffenbach

Schöner die Glocken nie klingen: Peter Terium bringt die RWE-Tocher Innogy an die Börse, bei der er den Chefposten übernimmt.

Für Peter Terium gab es in den letzten Monaten wenig zu lachen. Doch als der RWE-Vorstand Freitag vor einer Woche den Börsengang der RWE-Tochter Innogy auf dem Frankfurter Parkett einläutete, huschten die Mundwinkel des Niederländers doch wieder nach oben.

Neue Energiewirtschaft

Nach Eon hat nun mit RWE der zweite große deutsche Versorger die Trennung von neuer und alter Energiewelt vollzogen. Dabei sind die Düsseldorfer und die Essener gegensätzlich vorgegangen (s. Kasten). Während Eon die ungeliebte konventionelle Erzeugung mit Uniper abgespalten hat und das Feld der erneuerbaren Energien, die Netze sowie den Vertrieb unter der Marke Eon belässt, entschied sich RWE, die Ökosparte, die Netze und den Vertrieb an die Börse zu bringen und den ganzen Rest unter dem Dach der Mutter zu halten.

„Bereits seit mehr als zehn Jahren folgen die verschiedenen Geschäftsmodelle für Stromerzeugung, Netz, Handel und Vertrieb ganz unterschiedlichen Logiken“, gibt Marc Oliver Bettzüge, Präsident des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln, zu bedenken. Grund sei die Liberalisierung der europäischen Energiemärkte, nicht die sogenannte Energiewende.

„Das Kernproblem der großen Erzeugungsportfolios ist nicht in erster Linie der fortgesetzte Ausbau von Wind- und Solarkraftwerken, sondern die erhebliche Überkapazität in Kontinentaleuropa“, erklärt Bettzüge. „Deswegen verdienen derzeit viele Erzeugungsanlagen auch an solchen Tagen kein Geld, an denen Wind- und Solarkraftwerke nur wenig Strom liefern“, so der Volkswirt. Nach über einem Jahrzehnt der Liberalisierung sei mittlerweile deutlich geworden, wie groß die Risiken im konventionellen Erzeugungsgeschäft seien. Zusätzlich durch den Kernenergieausstieg belastet, hätten Eon und RWE auf den entstandenen Ergebnisdruck mit Kapitalmaßnahmen reagiert.

Die Börsengänge sollen also wieder Geld in die Kassen der angeschlagenen Konzerne spülen. „Zuvor hat keiner RWE mehr einen Cent gegeben, da unklar war, wie viel davon in die Atomrückstellungen fließt“, kommentiert Thomas Hechtfischer, Geschäftsführer der Aktionärsvereinigung DSW, den Innogy-IPO.

Für RWE ist dieser Plan aufgegangen. Satte 5 Mrd. € bescherte die Ausgabe der Innogy-Anteilsscheine den Essenern und war damit der größte Börsengang in Deutschland seit knapp 16 Jahren. Den Erlös teilen Mutter und Tochter. 3 Mrd. € fließen in die Kasse von RWE, 2 Mrd. € in den Beutel von Innogy.

Foto: VDI nachrichten

„Die 2 Mrd. € sind ein sehr wesentlicher Beitrag für unseren 6,5-Mrd.-€-Investitionsplan“, erklärt Terium, der nun Vorstand von Innogy wird und den Chefposten bei RWE abgibt. Mit dem Geld will er vor allem die Verteilnetze ausbauen, die das „Rückgrat der Energiewende“ seien.

RWE dagegen hätte jetzt ein paar Milliarden auf der hohen Kanten, die das Unternehmen vielleicht bald brauchen würde. Die Verhandlungen mit dem Bund über die Umsetzung des Atomausstiegs laufen noch. „Da sind wir jetzt abgesichert“, freut sich der ausgebildete Steuerprüfer Terium.

RWE hält nach dem Börsengang noch 75 % an der Tochter Innogy. Eine Abgabe des Mehrheitsanteils schließt der Mutterkonzern nicht aus, hat also noch Kapital, dass er zu Geld machen kann.

Innogy, das der frühere RWE-Chef Jürgen Großmann einst für ein reines Ökostromportfolio gegründet hatte, verkaufte sich mit diesem Image in der Öffentlichkeit gut. Aber die neue Innogy SE ist kein reiner Ökostromkonzern mehr. Ganze zehn Zeilen im 739-seitigen Wertpapierbericht sagen lapidar: 18 % kommen aus Gas- und Kohlekraftwerken oder sogar aus Öl. Ökostrom?

Dies komme daher, so ein RWE-Sprecher, dass RWE die Regional-und Landesgesellschaften unter dem Oberbegriff „Vertrieb“ in Innogy SE konsolidierte. Die haben eigene Stromerzeugungskapazitäten, die nicht zur Kraftwerkssparte RWE Generation SE gehören – und auch nie dort waren. Es sei auch nicht geplant, das kurzfristig zu ändern.

Woher also kommen zum Beispiel die Braunkohleanteile im Stromerzeugungsportfolio bei Innogy? Zum Beispiel über die Tochter Innogy International Participation, in der frühere Auslandsgesellschaften von RWE untergekommen sind. Das müsse eine Kraftwärme-Kopplungsanlage in Tschechien sein, mutmaßt der RWE-Sprecher.

Hat RWE bereits Kasse gemacht, zahlte sich für Eon der Börsengang von Uniper bisher noch nicht aus. Denn die Düsseldorfer vollzogen die Trennung der Geschäftsfelder, indem sie ihren Aktionären Uniper-Anteilsscheine zusteckten. Für je zehn Eon-Anteile gab es eine Uniper-Aktie zusätzlich ins Depot. So brachte der Versorger 53,35 % von Uniper unters Volk. Cash soll es für ihn erst ab 2018 geben. Denn erst ab übernächstem Jahr will Eon beginnen, die verbleibenden 46,65 % zu verkaufen.

Energiewirtschaftsexperte Bettzüge zieht eine ernüchternde Bilanz: „Die Aufspaltungen von RWE und Eon betreffen in erster Linie die Kapitalstruktur und die Markenführung. Eine substanzielle Weiterentwicklung der Geschäftsmodelle steht weitestgehend noch aus.“

Mit Material von dpa und Reuters

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