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Mittwoch, 13. Dezember 2017

Porträt der Woche

Der Mann aus dem „tollen Ministerium“

Von Stephan W. Eder | 26. Oktober 2017 | Ausgabe 43

Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesumweltministerium, übernimmt zusätzlich die atomaren Zwischenlager

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Foto: dpa Picture-Alliance/Sophia Kembowski

Jochen Flasbarth, gut gelaunt auf einer Sonderkonferenz über den VW-Abgasskandal 2016 in Berlin.

Schon relativ früh durchzogen graue Strähnen sein Haar, das aber tat in den 1990ern dem frischen Wind keinen Abbruch, den Jochen Flasbarth in den deutschen Natur- und Umweltschutz brachte. Das machte es vielleicht manchem leichter, eine derart junge Führungskraft wirklich ernst zu nehmen. Immerhin übernahm der Volkswirt schon 1992 als 30-Jähriger den Posten als hauptamtlicher Geschäftsführer des Naturschutzbundes Deutschland, kurz Nabu.

Jochen Flasbarth

Die Organisation, die bis 1990 noch unter „Bund für Vogelschutz“ firmierte, hatte Aufholbedarf in Sachen politische Einmischung beim Umwelt- und Naturschutz. Bei Umweltpolitik dachte in den 1990er-Jahren jeder an Greenpeace oder den BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) – aber der Nabu? Die Vogelschützer?

Flasbarth, der schon als Jugendlicher im eigenen Haus vordere Position einnahm, machte schon in den 1980ern sowohl dem eigenen Verein als auch der Konkurrenz Beine in Sachen Politik. 1986 war er Mitgründer des Verkehrsclubs Deutschland, der sich seitdem als Alternative zu den herkömmlichen Automobilclubs etabliert hat.

Unter Flasbarths Ägide nahm der Nabu an der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro teil. Danach wurde die Umsetzung der dortigen Beschlüsse, wie die Klimakonvention und die Konvention zur Artenvielfalt und Agenda 21, zum zentralen Bestandteil der Verbandsarbeit. Zwei Jahre später stand die Nabu-Fachtagung unter dem Thema „Perspektiven nachhaltiger Entwicklung für den Wirtschaftsstandort Deutschland“. Der Nabu war angekommen im Politikbetrieb. Flasbarth blieb bis 2003.

Heute ist Flasbarth beamteter Staatssekretär im Bundesumweltministerium und mischt seit Jahrzehnten in hohen Positionen in der deutschen Umweltpolitik mit. Langweilig wird ihm dabei nicht: Letzte Woche setze ihn seine Chefin, Bundesumweltministerin Barbara Hendricks, zum 1. November 2017 als Vorsitzenden der Geschäftsführung an die Spitze der bundeseigenen BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung mbH. Vorerst ohne Gehalt und parallel zum bisherigen Posten. Die neue Berufung hat Zukunft: Die BGZ trägt in Deutschland die Verantwortung für die Zwischenlagerung radioaktiver Abfälle.

Berührungsängste hat der Politiker nicht – auch nicht mit der Kerntechnik. Geübt hat er schon mal, zum Beispiel 2016, als er vor der Branche auf der Jahrestagung Kerntechnik redete. „Wenn ich an meine eigene Biografie denke, die sich immer auch aus der Gegnerschaft zur Atomenergie gespeist hat, ist das schon eine besondere Situation“, sagte er. Schon als Präsident des Umweltbundesamtes war er vier Jahre lang – 2009 bis 2013 – für kerntechnische Themen zuständig.

Inzwischen sind seine Haare fast weiß, wie ein „Senior“ kommt er aber beileibe nicht rüber. Bei all den hohen Positionen hat sich der gebürtige Duisburger eine ziemlich bodenständige Art bewahrt. Abgehobener, verschwurbelter Polittalk? Da kann Flasbarth anders. Ein Blick auf seine Videopodcasts auf den Ministeriumsseiten liefert gute Beispiele: „Das Umwelt- und Bauministerium ist ein ganz tolles Ministerium.“

Die internationale Klimapolitik ist die Konstante, die ihn aus Nabu-Zeiten bis heute begleitet. In seiner ihm eigenen ruhigen Art mag er da auch keine Abstriche machen. Es gelte, immer vor der eigenen Haustüre zu kehren: „Zu glauben, man könnte auf andere zeigen, das wird nix. Deshalb müssen wir auch bei uns anfangen.“

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