Passwort vergessen?  | 
 |  Passwort vergessen?  | 
Suche
  • Login
  • Login

Donnerstag, 14. Dezember 2017

Porträt der Woche

Der Molekularbiologe als Social-Media-Star

Von Antonia Schaefer/dpa | 23. März 2017 | Ausgabe 12

Hashem Al-Ghaili vermittelt Wissenschaft via Facebook und Youtube an Millionen von Fans.

S2 Portrait (2)
Foto: dpa Picture-Alliance/Carmen Jaspersen

Hashem Al-Ghaili: Im postfaktischen Zeitalter will er wissenschaftlich fundierte Denkanstöße geben.

Eines der umstrittensten Videos auf Hashem Al-Ghailis Facebook-Seite trägt den Titel „Die künstliche Gebärmutter“. Rund 30 Mio. Mal wurde das Video geklickt, fast 33 000 Mal geteilt, 5000 Mal kommentiert. „Die Idee einer rein künstlichen Gebärmaschine ist selbstverständlich kontrovers“, sagt Al-Ghaili. Auch mit umstrittenen Themen will er den wissenschaftlichen Fortschritt auf seiner Seite „Science Nature Page“ ins Blickfeld der Gesellschaft rücken. Der Molekularbiologe sieht sich als Kommunikator zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit. 

Hashem Al-Ghaili

Al-Ghailis Konzept zeigt Erfolg: Fast 8 Mio. Follower hat er mit seinen Videos bereits gewonnen. Zum Vergleich: Angela Merkel hat „nur“ 2,4 Mio. Anhänger. Ob Impfungen, Klimawandel oder künstliche Intelligenz, Al-Ghailis Beiträge stellen wissenschaftliche Durchbrüche in den Vordergrund; zeigen die Welt, wie sie in einigen Jahren aussehen könnte. „Die Wissenschaft bietet Antworten, die von den Medien und der Öffentlichkeit übersehen werden. Ich hoffe, mit meinen Beiträgen besonders im sogenannten postfaktischen Zeitalter einen Denkanstoß zu geben“, sagte der 26-Jährige. 

Dass er als Wissenschaftskommunikator erfolgreich werden sollte, war nur bedingt abzusehen. Al-Ghaili wuchs auf dem Land im Jemen auf. Sein Vater war Bauer, aber auch Chefredakteur des naturwissenschaftlichen Magazins „The future“. Bereits als Kind veröffentlichte Al-Ghaili Beiträge in Wissenschaftsmagazinen. „Ich fand das klasse, meinen Namen veröffentlicht zu sehen“, sagt er. 

Mit einem Stipendium finanzierte er sein Studium in Pakistan, dann bewarb er sich beim Deutschen Akademischen Austauschdienst und bekam Unterstützung für ein Masterstudium in Bremen. Dort kennt ihn Sebastian Springer, der Leiter des Masterprogrammes, bereits seit seinem Bewerbungsinterview am Telefon: „Da war schon klar, dass er ein unheimlich guter Kommunikator ist“, sagt er. „Für die Universität und die Wissenschaft allgemein wäre es großartig, wenn es mehr solcher Wissenschaftsbotschafter gäbe.“ Al-Ghaili will mit seiner Wissensvermittlung jeden erreichen. Ob Gläubige, Atheisten, Professoren oder Laien – die Neugier sei es, die die Leute in der Wissenschaft zusammenführe und für lebendige Diskussionen sorge. „Ich beteilige mich auch gern selbst, wenn ich Fragen und Kommentare spannend finde. Ich verurteile dabei aber keine Meinungen, sondern präsentiere wissenschaftliche Fakten.“ 

Diese direkte Art der Vermittlung sei heute essenziell für die Wissenschaft, meint Markus Weißkopf, Geschäftsführer von „Wissenschaft im Dialog“. Die Organisation engagiert sich für den Austausch und die Kommunikation in der deutschen Wissenschaft. „Junge Menschen zwischen 14 und 29 informieren sich zur Wissenschaft heute zum Großteil allein über Youtube“, sagt Weißkopf. Um die Anerkennung von Forschung wieder stärker in der Gesellschaft zu verankern, müssten Ergebnisse publikumsgerecht aufbereitet werden. Al-Ghailis Ansatz schätzt Weißkopf als wissenschaftlich seriös ein, besonders da er bei jedem Beitrag auch die Quellen bereitstellt. 

Für Al-Ghaili ist der Quellenverweis ein Grundsatz seiner Arbeit, die er als Gegenbewegung zur Verzerrung von Fakten sieht, wie sie unter anderem derzeit in den USA betrieben werde. Von Amerika habe er ohnehin genug, erzählt Al-Ghaili. Als er kürzlich versuchte, zum Hauptsitz seines Arbeitgebers Futurism nach New York zu fliegen, war er wegen des Einreisestopps für Muslime nicht willkommen. Der Jemen stand auf der Bannliste von US-Präsident Donald Trump. 

Fans aus Amerika hat er aber ohnehin genug. Die meisten seien wie er am medizinischen Fortschritt interessiert. In der Krebsforschung etwa werde derzeit neuen Behandlungsmethoden wie der Umwandlung von Krebszellen in gesunde Zellen geforscht, erzählt Al-Ghaili strahlend. In fünf bis acht Jahren könnten diese bereits verfügbar sein. „Ich kann es kaum erwarten.“

stellenangebote

mehr