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Dienstag, 12. Dezember 2017

Raumfahrt

Der Schwarm

Von Iestyn Hartbrich | 30. März 2017 | Ausgabe 13

In ein paar Jahren umspannen mehrere Satellitenkonstellationen die Erde. Sie erleichtern den Internetzugang und krempeln die Raumfahrtindustrie auf links.

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Foto: Foto [M]: OneWeb Satellites/panthermedia.net/Alexstar/VDIn

Ambitioniert: OneWeb und andere Satellitenkonstellationen verfolgen das Ziel, die ganze Welt mit Internet zu versorgen. Das ist durchaus wörtlich gemeint.

Anfang 2018 wird eine russische Soyuz-Trägerrakete ein paar Satelliten in eine Kreisbahn in 1200 km Höhe bringen. Aus einer Reihe von Gründen wird das der Tag sein, an dem es vorbei ist mit der klassischen Raumfahrt. Und das hat mit den Satelliten an Bord der Rakete zu tun.

Was sind das für Satelliten? Sie gehören zu OneWeb, einer riesigen Satellitenflotte (Mega-Konstellation) von 648 Satelliten, die die ganze Erde mit Breitbandinternet versorgen soll. Jeden Winkel. Jederzeit. Binnen anderthalb Jahren sollen die Satelliten gefertigt und ins All transportiert werden. Inklusive Ersatz sind sogar 900 Stück geplant.

An solche Zahlen ist die bis heute von manueller Montage geprägte Raumfahrtindustrie nicht gewöhnt. Zum Vergleich: Schätzungen gehen von heute 1400 aktiven Satelliten in allen Orbits aus.

Die Produktion der ersten Mega-Konstellation übernimmt OneWeb Satellites, ein Joint Venture aus dem Satellitenbetreiber OneWeb und Airbus. Derzeit richtet das Unternehmen zwei automatisierte Endmontagelinien in den USA ein. „In Florida wollen wir zwei Satelliten am Tag fertigstellen. Dafür braucht die Satellitenindustrie normalerweise zwei Monate“, erklärt Firmenchef Brian Holz.

Genauso rekordverdächtig niedrig wie die Taktzeiten sind die Preise. Nicolas Chamussy, Chef der Airbus-Raumfahrtsparte, nennt als Kostenziel: unter 1 Mio. € pro Satellit.

Die Folgen spüren nicht nur die direkten Zulieferer für das OneWeb-Programm. Vielmehr nimmt der Kostendruck in der Raumfahrt generell zu. „Die Preise purzeln kontinuierlich. Wir bekommen heute 30 %, teilweise 50 % weniger für das gleiche Produkt“, sagt Peter Guggenbach, CEO des Zulieferers Ruag Space. Sein Unternehmen liefert die Sandwich-Strukturen für OneWeb.

Möglich sind die extrem niedrigen Kosten aus zwei Gründen. Erstens erlauben die hohen Stückzahlen einen für Raumfahrtverhältnisse hohen Automatisierungsgrad in der Endmontage. Zweitens planen die Betreiber mit Hunderten Reservesatelliten.

Dieses Vorgehen ist radikal neu und erlaubt es den beteiligten Unternehmen, den Testaufwand zu reduzieren. Bislang sind Testprozeduren stets kosten- und zeitaufwendig. Nicht so bei OneWeb. „Wir werden nicht mehr alle Satelliten auf Herz und Nieren prüfen, sondern vielleicht nur noch jeden fünfzigsten“, sagt Airbus-Raumfahrtchef Nicolas Chamussy.

Auch die Lebensdauer der OneWeb-Satelliten ist mit mindestens fünf Jahren kürzer als die teurer geostationärer Satelliten (15 Jahre). Was zu einer der wichtigsten Fragen im Zusammenhang mit Mega-Konstellationen führt: Was passiert nach fünf Jahren? Schon heute gibt es reichlich Weltraumschrott. Damit die Kollisionsgefahr nicht ansteigt, braucht es für die Zukunft Rückholkonzepte – besonders für Satellitenkonstellationen.

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