Passwort vergessen?  | 
 |  Passwort vergessen?  | 
Suche
  • Login
  • Login

Mittwoch, 13. Dezember 2017

Porträt der Woche

Der singende Umweltschützer

Von Bettina Reckter | 16. Februar 2017 | Ausgabe 07

Rea Garvey will mehr sein als nur ein erfolgreicher Sänger. Er kämpft gegen die Ölverschmutzung im Amazonasgebiet.

s2 Portrait (2)
Foto: dpa Prcture Alliance/rtn - radio tele nord

Rea Garvey – in seinen Songs spiegelt sich der Einsatz für die Umwelt und die Kritik an der Ausbeutung der Erde wider.

Ein bisschen ehrfürchtig blickt Rea Garvey auf die riesigen Dinosaurierskelette im Frankfurter Senckenberg-Museum. Der irische Kuschelrocksänger hat schon viele Auftritte auf großen Bühnen absolviert und einige Preise erhalten, darunter 2010 den Ehren-Echo. Aber den renommierten Senckenberg-Preis vor dieser Kulisse überreicht zu bekommen, lässt auch den Popmusiker nicht kalt. „Die Dinosaurier waren die Rockstars ihrer Zeit“, sagt Garvey. Da könne er nur versuchen, sich dazuzustellen.

Rea Garvey

Nicht für seine Songs, sondern für sein Umweltschutzengagement wurde der Ire ausgezeichnet, der seit gut 18 Jahren in Deutschland – in Berlin und Hadamar bei Limburg – lebt. Rea Garvey kämpft seit einigen Jahren gegen die Ölverschmutzung in den Regenwäldern Ecuadors. Mit Mitch Anderson hat er die Initiative „Clearwater“ gegründet. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, die letzten Ureinwohner im verseuchten Amazonasgebiet mit sauberem Trinkwasser zu versorgen.

Nachdem ihm Anderson von der Not der Menschen im Regenwald berichtet hatte, reiste Garvey mit seiner Frau und einem Fotografen nach Ecuador. Der Sänger war schockiert von dem, was die Ölkonzerne dort anrichten. „Die haben drei Schwimmbäder Öl in die Erde gekippt“, schimpft er. Die Flüsse und Böden waren komplett verseucht, viele Kinder litten an von Giftstoffen und Schwermetallen ausgelösten Krankheiten. „Wir sahen das Leid der dortigen Stammesvölker mit eigenen Augen.“ Da könne man doch nicht einfach weggucken, findet der Popstar.

Seit Ende 2011 sammelt er Geld fürs Clearwater-Projekt, um die rund 2000 Familien im Regenwald mit Wasseraufbereitungsanlagen zu versorgen. „Wir haben inzwischen die Hälfte erreicht“, verkündete Garvey in Frankfurt stolz. Mit über 1 Mio. $ konnten fast 1000 Anlagen errichtet werden. Vielen Kindern geht es seither besser.

Die Technik für die mobilen Regenwasseraufbereitungsanlagen ist relativ einfach. „Wir nutzen Biosand, um die Schwermetalle zu entfernen“, erklärt Garvey. Das gesammelte Regenwasser wird vierfach gereinigt: über einen biologisch aktiven Oberflächenfilter, einen Sandfilter, einen Quarzfilter und schließlich über einen groben Kiesfilter. Mikroorganismen entfernen Bakterien und fangen die Schadstoffe auf, die dann von den Biosand- und Quarzfiltern eliminiert werden.

Trotz der Fortschritte ist der Musiker längst nicht am Ende seines Kampfs gegen die Ölindustrie. „Das hier ist nur eine Zwischenlösung“, sagte er gegenüber VDI nachrichten. Er wünsche sich, dass die Welt endlich ihre Abhängigkeit vom Öl aufgibt. „Es kann nicht sein, dass Öl mehr wert ist als Menschen.“

In seinen Songs spiegelt sich der Einsatz für die Umwelt und die Kritik an der Ausbeutung der Erde durch den Kapitalismus wider. So könnte man „Uno dos tres“ als Plädoyer für das Verursacherprinzip interpretieren. Im Refrain heißt es: „Uno, dos, tres, we‘re picking up the pace, rich men, poor men, everybody pays …“ Der Song „Stronger than Ever“, den Garvey zusammen mit MarieMarie produzierte, ist sogar ein aktiver Beitrag für eine bessere Trinkwasserversorgung in den Regenwäldern Ecuadors. Die Einnahmen der Single fließen direkt in das Clearwater-Projekt.

Einen berühmten Mitstreiter hat der Ire mit deutscher Wahlheimat bereits gefunden: Leonardo di Caprio. Die Stiftung des Hollywood-Schauspielers unterstützt die Familien in den verseuchten Ölregionen Ecuadors, ihr Land zu kartieren und das Amazonasgebiet zu bewahren.ber

stellenangebote

mehr