Passwort vergessen?  | 
 |  Passwort vergessen?  | 
Suche
  • Login
  • Login

Dienstag, 12. Dezember 2017

Brexit

Deutsche Exporteure leiden schon

Von Christoph Böckmann | 6. April 2017 | Ausgabe 14

Die britische Wirtschaft wird der Brexit wohl hart treffen, die deutsche spürt schon jetzt einen Absatzeinbruch.

BU_Brexit
Foto: panthermedia.net/donfiore1

Nun ist es offiziell. Großbritannien möchte eigene Wege gehen.

Die Tinte auf den Scheidungspapieren ist noch nicht trocken und die Angebetete noch nicht aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen, dennoch tu‘s schon richtig weh. Diese Situation kennen viele; beim Brexit ist es so ähnlich. Vergangene Woche Mittwoch übergab der britische Botschafter Tim Barrow persönlich das sechsseitige Austrittsgesuch an EU-Ratspräsidenten Donald Tusk. „Wir vermissen euch jetzt schon“, sagte der Pole zum Abschied. Die nächsten zwei Jahren soll nun ausgehandelt werden, wie die Trennung genau verlaufen wird.

Für die deutschen Automobilhersteller war Großbritannien 2016 der größte Exportmarkt, zeigen Zahlen des Verbandes der Automobilindustrie (VDA): Rund 800 000 Neuwagen wurden dorthin ausgeführt, fast ein Fünftel des gesamten deutschen Pkw-Exports. Zudem hat die deutsche Automobilindustrie in Großbritannien 100 Produktionsstandorte. Für den deutschen Maschinenbau war Großbritannien 2016 das viertwichtigste Exportland (7,4 Mrd. €) hinter den USA, China und Frankreich, erklärt der Verband deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA). Als ausländischer Investitionsstandort liegt UK auf Platz 6 bei den Maschinenbauern.

Dabei spüren sie und viele weitere deutsche Exporteure den Brexit bereits deutlich. Nach Angaben des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) traf es im zweiten Halbjahr 2016 besonders hart die Pharmabranche mit einem Rückgang der Ausfuhren nach Großbritannien von rund 19 %, die Autoindustrie (-14 %) und die Chemiebranche (-11 %). Insgesamt verringerten sich die Exporte „Made in Germany“ auf die Insel gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 7,2 %.

Die deutschen Exporteure leiden darunter, dass das britische Pfund seit dem Brexit-Referendum um mehr als 10 % an Wert verlor. Das macht die deutschen Waren für die Inselbewohner zu teuer. Die britischen Exporteure hingegen erleben hierdurch eine Sonderkonjunktur. Denn die Währungsabwertung macht die nun günstigeren UK-Waren im Ausland beliebt.

„Alle belastbaren Studien aber zeigen, dass der Brexit dem Vereinigten Königreich langfristig mehr schaden wird als der EU“, erklärt IW-Forscher Jürgen Matthes. Auch Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries sieht schwierige Zeiten für die britische Wirtschaft voraus. Unternehmer aus Deutschland sollten nun ihre Investitionen abwägen, sagte sie der Passauer Neuen Presse. „Solange unklar ist, wie die Wirtschafts- und Handelsbeziehungen zwischen der EU und Großbritannien in zwei Jahren aussehen, stellt sich auch für deutsche Unternehmen die Frage: Sollen wir noch langfristig in Großbritannien investieren? Das muss jedes Unternehmen eigenständig beantworten“, meint die SPD-Politikerin. Enge Wirtschafts- und Handelsbeziehungen lägen jedoch im Interesse Deutschlands.

VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann wünscht sich, dass die Brexit-Verhandlungen zügig und transparent ablaufen, um die europäische Wirtschaft nicht unnötig zu belasten. „Wir müssen unbedingt vermeiden, in zwei Jahren ohne ein Abkommen dazustehen. Das würde zu erheblichen Verwerfungen im bilateralen Handel führen“, so der Diplom-Kaufmann. „Klar ist aber, dass der langfristige Erhalt des Binnenmarktes für die Industrie wichtiger ist als kurzfristige Handelserleichterungen mit Großbritannien. Deswegen darf ein Abkommen mit der EU nicht attraktiver sein als eine EU-Mitgliedschaft.“ Eine Sonderrolle als Trittbrettfahrer dürfe es für Großbritannien nicht geben, so Brodtmann.

„Für die Politik in Brüssel und Berlin darf es nur eine Devise geben: Europa zusammenzuhalten und zu stärken“, fordert BDI-Präsident Dieter Kempf. Dazu zähle der gemeinsame Binnenmarkt mit seinen Grundfreiheiten für Arbeit, Kapital, Waren und Dienstleistungen. Europa sei das Fundament für Wohlstand und Chancen – und nicht zuletzt für ein friedliches Zusammenleben auf dem Kontinent. „Europa ist keinesfalls das Problem, vielmehr hilft Europa uns, Probleme zu lösen“, so Kempf.

stellenangebote

mehr