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Montag, 11. Dezember 2017

Geburtstag

Dichter und Verstandesmensch

Von Jens D. Billerbeck | 22. Juni 2017 | Ausgabe 25

Am 25. Juni wäre Heinrich Seidel 175 Jahre alt geworden – Ingenieur, Dichter, Schriftsteller in einer Person.

S3 Seidel (2)
Foto: dpa Picture-Alliance

Heinrich Seidel, Ingenieur und Schriftsteller, ist auf diesem undatierten Foto beim Betrachten eines Baumes zu sehen. Er verfasste zahlreiche Erzählungen und Gedichte.

 Aus seinem Ingenieursgedicht stammt die Zeile „Dem Ingenieur ist nichts zu schwere ...“, die später zum geflügelten Wort des Comic-Ingenieurs Daniel Düsentrieb werden sollte (s. VDI nachrichten 18/2017).

1842 in Perlin nahe Wittenburg geboren, studierte Seidel am Polytechnikum in Hannover Ingenieurwesen und landete nach mehreren Stationen schließlich in Berlin, wo er u. a. an der Dachkonstruktion des Anhalter Bahnhofs beteiligt war.

Schon in jungen Jahren entwickelte Seidel die Leidenschaft zum Schreiben. In seiner Autobiografie „Von Perlin nach Berlin“ heißt es: „Ich war ängstlich bemüht, meine praktische Berufsthätigkeit und meine poetischen Liebhabereien scharf auseinander zu halten. Ich habe jahrelang mit Leuten auf einem Bureau zusammen gearbeitet, ohne dass diese eine Ahnung davon hatten, dass meine Mussezeit von ganz anderen Interessen ausgefüllt wurde. Ja, wenn es ihnen dann von anderer Seite mitgetheilt wurde und man ihnen die Beweise vorlegte, sträubten sie sich es zu glauben und sagten: ‚Das ist nicht möglich, Seidel ist doch so ein nüchterner Verstandesmensch und durch und durch Ingenieur.‘“ Ab 1880 widmete er sich dann ganz der Schriftstellerei und schilderte vor allem die Idylle des bürgerlichen Lebens.

In dem Erzählungsband „Kinkerlitzchen“ findet sich die humorvoll gehaltene Zukunftsvision „Im Jahre 1984“, zufällig jenes Jahr, das auch George Orwell zum Zentrum seiner Dystopie „1984“ machte. Bei Seidel werden die Straßen Berlins von (vermutlich) elektrisch betriebenen Transportwagen belebt, in einer Szene schildert er einen Batteriewechsel. Oder der Raketentransport über den Ärmelkanal: „Der Passagier legt sich in eine Art grosser ausgepolsterter Granate und wird dann aus einem ungeheuren langen Kanonenrohr vermittelst einer langsam wirkenden Sorte von Pulver – damit zu Anfang kein Stoss eintritt und die nöthige Geschwindigkeit erst allmählich erreicht wird – über den Kanal geschossen und auf der anderen Seite durch einen höchst sinnreichen Mechanismus sehr sanft aufgefangen.“ Zahlreiche Schriften Seidels, der 1906 starb, sind im Projekt Gutenberg nachzulesen.jdb

http://gutenberg.spiegel.de/autor/heinrich-seidel-544

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