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Dienstag, 12. Dezember 2017

Raumfahrt

Diese Frau macht Astronautinnen

Von Iestyn Hartbrich | 9. März 2017 | Ausgabe 10

Claudia Kessler hat ein Ziel: Eine deutsche Frau soll ins All, möglichst schon 2020.

Porträt BU
Foto: Wolfgang Heumer

Unter 1000 Studierenden nur zehn Frauen: Claudia Kessler studierte Luft- und Raumfahrttechnik an der TU München.

Kindheitserlebnisse können prägend sein. „Als Vierjährige habe ich die erste Mondlandung erlebt“, erinnert sich Claudia Kessler. „Seitdem wollte ich Astronautin werden.“ Aus dem eigenen Flug ins All ist nichts geworden. Aber die Begeisterung ist geblieben. Die hat Claudia Kessler gerade an mehr als 400 junge Frauen weitergereicht, die sich durch ihre Aktion „Die Astronautin“ um den Platz als erste deutsche Raumfahrerin beworben haben. Selbst wenn der Flug nicht wie geplant 2020 starten sollte, hat Claudia Kessler ein großes Ziel erreicht: „Auf einmal wird sichtbar, wie groß das Potenzial an kompetenten Frauen in technischen Berufen ist.“

Claudia Kessler

Staunen, anpacken, ausprobieren, machen – das ist seit ihrer Kindheit der Lebensrhythmus der Claudia Kessler. „Ich bin mit dem Schraubenzieher in der Hand groß geworden“, sagt sie über die Jugend auf dem Land in Bayern – ihr Vater bastelte leidenschaftlich an Oldtimern und steckte seine Tochter mit dem Technikvirus an. Mathe- und Physik-Leistungskurs am Gymnasium und schließlich das Studium der Luft- und Raumfahrttechnik waren da praktisch ein Automatismus.

Dass damals unter den 1000 Studierenden des Studienganges nur zehn Frauen waren, kann man unter Gleichstellungsaspekten empört oder mit weiblicher Gelassenheit fröhlich zur Kenntnis nehmen. „Wir brauchten uns über mangelnde Aufmerksamkeit nicht zu beklagen. Kaffee holen, Tasche tragen, Literatur besorgen – es gab für alles jemanden, der das für uns gerne getan hat“, erinnert sich Kessler lachend. „Immerhin liegt der Frauenanteil in technischen Studiengängen jetzt bei 20 %, das ist doch schon was.“ Sie stellt aber klar: Gleichberechtigung heißt 50:50.

Kessler ist Geschäftsführerin beim Bremer Raumfahrt-Personaldienstleister HE Space, für dessen rund 200 Beschäftigten dieses Zahlenverhältnis bereits gilt. Aber nicht, weil die Chefin Frauen den Vorzug gäbe: „Frauen ziehen Frauen an“, ist Claudia Kessler überzeugt. HE Space vermittelt Fachkräfte an die europäische Raumfahrtindustrie. Der Bedarf ist riesig. „Wir haben im Schnitt 40 offene Stellen“, sagt Kessler. Häufig sind ausgesprochene Experten gesucht, von denen es vielleicht drei in Europa gibt.

Ihr Erfolg gründet in ihrem Netzwerk. Pflegen und ausbauen konnte sie es während ihrer beruflichen Stationen bei Kayser-Threde in München, bei Arbeiten für die russische Raumstation Mir, bei der Dasa und später bei Airbus sowie dem DLR. Regelmäßig trifft sie auf Konferenzen und bei Kunden Ex-Kollegen oder Kommilitonen, sogar ihren Professor, bei dem sie vor 20 Jahren in Japan die Diplomarbeit schrieb. Dass ihr Berufsweg so facettenreich ist, hat die Basis im gemeinsamen Karriereverständnis mit ihrem Mann, der sich um die Tochter kümmerte: „Man muss einen Businessplan für die Familie haben.“

Mit der Arbeit für HE Space knüpft Claudia Kessler eng an ihr prägendes Kindheitserlebnis an. Gründer und Inhaber ist der Amerikaner Scott Millican, der die Besatzung von Apollo 11 und aller weiteren Mond-Missionen der Nasa trainiert und das Prozeduren-Handbuch entwickelt hat. „Er ist schon eine Art Mentor für mich“, sagt Kessler. Auf jeden Fall wird sie auf seine Erfahrungen zurückgreifen, wenn das Training der ersten deutschen Astronautin beginnt. Der Start könnte bereits 2020 sein. „Am liebsten würde ich dann mit einsteigen“, lacht Claudia Kessler. „Wenn man so dicht an einen Kindheitstraum herankommt, ist die Versuchung schon groß.“

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