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Mittwoch, 13. Dezember 2017

China

Drückende Schuldenlast

Von Christoph Böckmann | 30. März 2017 | Ausgabe 13

Das Wachstum lahmt, die Unternehmensschulden türmen sich. Deutsche Unternehmen haben indes Schwierigkeiten ihr Kapital aus dem Reich der Mitte zu transferieren.

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Foto: Tan maika _ Imaginechina/laif

Umbau: China will von der verlängerten Werkbank zum Hightech-Anbieter werden. Analysten haben aber vermehrt Zweifel, dass das gelingt.

Sorgenvoll blickt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) nach China: Die Staats- und vor allem die Unternehmensschulden sind massiv gestiegen, die Wirtschaft wächst derweil so zaghaft wie seit 25 Jahren nicht mehr. In ihrem gerade veröffentlichten Bericht warnt die Organisation deshalb, dass die „rasant steigende“ Verschuldung in Verbindung mit einer abkühlenden Wirtschaft zu einer „deutlichen Erhöhung systemischer Risiken“ führe. Deutschen Unternehmen wird in China unterdessen das Leben zusätzlich durch Kapitalverkehrskontrollen schwer gemacht.

Rote Zahlen: Die privaten und öffentlichen Schulden sind in China auf 250 % des Bruttoinlandsproduktes (BIP) gestiegen. Dabei lagen sie vor der Finanzkrise noch bei 150 % des BIP. Vor allem Unternehmen stehen stärker in der Kreide. Besorgniserregend ist: „Bei den Staatsunternehmen, die schon vor Jahren sehr stark verschuldet waren, ist die Verschuldung jetzt auch noch am stärksten weiter gestiegen“, erklärt Lutz Karpowitz, EM Strategist bei der Commerzbank. Der Emerging-Markets-Experte weiß, wie es dazu kam: „Lokalpolitiker, die Karriere machen wollen, werden in China am BIP-Wachstum und an der Beschäftigung in ihrer Region gemessen.“ So investierten diese auch in unvorteilhafte Bereiche. Das könnten sie meist auch ganz leicht, weil sie über die staatlichen Banken in ihrer Region verfügten. „So wachsen auch heute noch Geschäftsbereiche, die längst von Überkapazitäten gezeichnet sind – wie die Stahlproduktion“, kritisiert Karpowitz.

Foto: VDI nachrichten

Wirtschaft im Wandel: Die chinesische Wirtschaft wird dieses Jahr wohl stärker wachsen als bisher angenommen – 6,5 % sollen es statt 6,4 % sein. Ein Grund für Jubelarien ist das nicht. Zweistellige Wachstumsraten sind längst Geschichte. Aber das geringere Wachstum ist logisch. Als die chinesische Wirtschaft im Jahr 2007 Jahren noch 14 % zulegte, war die Basis deutlich kleiner als heute. So kommen die voll entwickelten Wirtschaften wie Deutschland aufgrund der Größe und Entwicklungsstand ihrer Wirtschaft kaum mehr über ein Wachstum von 3 %. Aber Peking nennt noch einen anderen Grund für die Wachstumsflaute. Die Volksrepublik hat sich vorgenommen, von der verlängerten Werkbank zum Hightech-Standort zu werden, das brauche Zeit und Ressourcen. Doch China-beobachter sind skeptisch, dass der Umbau gelingt. „Sie werden die Wirtschaftsstruktur nicht ändern können, ohne dass sie die politische Struktur ändern“, meint auch Karpowitz. Bisher hätte es aber überhaupt keine Anzeichen gegeben, dass die kommunistische Partei Kontrolle abgeben möchte. „Solange sie das nicht tun, werden sie nie die richtige Steuerung für Investitionen durch den Markt haben.“

Foto: VDI nachrichten

Kapitalmarktkontrollen: Das Hauptproblem sieht Banker Karpowitz bei den Währungsreserven: „China hatte 4000 Mrd. $ an Währungsreserven und die ersten 1000 Mrd. $ sind schon weg.“ Zum Hintergrund: Durch den starken Export flossen jahrelang riesige Summen an Dollar und Euro in das Land. Durch die Misswirtschaft, z. B. die aufgeblähte Stahlproduktion, mit der sich das Land die Preise selbst zerstörte und heute beim Verkauf häufig drauf zahlt, schrumpfte dieser Berg an Währungsreserven. Außerdem transferierten immer mehr Chinesen ihr Erspartes über die Grenzen – auch da der chinesische Renminbi, der jahrelang an Wert zulegte, zuletzt immer wieder abgewertet wurde. Deshalb führte Peking verschärfte Kapitalmarktkontrollen ein. „So können Gewinne, die im Reich der Mitte gemacht wurden, nicht einfach ins Ausland transferiert werden“, erklärt Karpowitz. „Mittlerweile ist es für deutsche Unternehmen, die in China ansässig sind, schwer, überhaupt über die eigenen Mittel frei zu verfügen.“

Handlungsempfehlungen der OECD: Die in Paris beheimatete Organisation rät, die Effizienz der öffentlichen Ausgaben zu erhöhen. Besonders Investitionen in Bildung, Gesundheit und soziale Absicherung hätten starke positive Effekte. Vor allem aber müssten künftig Fehlallokationen vermieden werden. Zwingend wäre es, das Management von Staatsunternehmen zu professionalisieren und von unabhängigen Vorständen leiten zu lassen. Staatsunternehmen dürfen nicht mehr künstlich durch Garantien aus Peking am Leben gehalten werden, die Privatisierung sollte voranschreiten. Wichtig sei zudem das geistige Eigentum stärker zu schützen – z. B. durch eine härtere Verfolgung von Verletzungen und höhere Geldbußen.

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