Passwort vergessen?  | 
 |  Passwort vergessen?  | 
Suche
  • Login
  • Login

Dienstag, 12. Dezember 2017

Klimapolitik

EU bei Energieeffizienz uneins

Von Thomas A. Friedrich | 23. Februar 2017 | Ausgabe 08

Das Europäische Parlament will das EU-Energieeffizienzziel für 2030 im Vergleich zu 1990 auf 40 % hochschrauben. Die EU-Mitgliedstaaten peilen eher die 30 %-Marke an. Eine Einigung ist nicht in Sicht.

w - EED BU
Foto: Klaus Wagenhäuser/imageBROKER/Getty Images

Energieeffizienz ist für den EU-Gebäudebestand eine große Baustelle. Die energetische Sanierung bleibt bislang ein Stiefkind der Energiepolitik.

An sich könnten die Europäer mit ihren bisherigen Anstrengungen auf dem Weg zur „low carbon economy“ durchaus zufrieden sein. Das EU-Bruttoinlandsprodukt stieg zwischen 1990 und 2015 um 50 %, während die CO2-Emissionen im gleichen Zeitraum, nach Berechnungen der EU-Kommission, um 22 % gesunken sind. Gleiches gilt für die Energieeffizienz (s. Kasten).

Energieverbrauch in der EU

„Die EU hat damit bereits ihren für 2020 gesetzten Zielwert für den Endenergieverbrauch erreicht“, sagte EU-Kommissions-Vizepräsident Maroš Šefcovic jüngst bei der Vorlage des zweiten Berichts über den Stand der Energieunion. In der Energieunion hat die EU die Energiepolitik und -strategie unter Berücksichtigung der Klimaschutzziele zusammengefasst.

Das Europäische Parlament (EP) will es bei bisherigen Erfolgen nicht belassen. Die SPD-Europaabgeordnete Martina Werner sagte bei der EP-Aussprache zur Lage der Energieunion: „Ich wünsche mir Mut zu mehr Ambitionen. Für die Energieeffizienz schlägt die Kommission leider nur ein ‚Weiter so‘ vor, obwohl die Ziele für 2020 bereits erreicht und weiterhin große Potenziale vorhanden sind.“

Die europäischen Sozialdemokraten forderten daher ein 40 %-Energieeffizienzziel auf EU-Ebene und zusätzlich verbindliche Ziele für die Energieeffizienz der einzelnen EU-Mitgliedstaaten. „Verbindliche nationale Ziele sind von entscheidender Bedeutung, denn sie stellen sicher, dass alle Mitgliedstaaten auch ihre Hausaufgaben machen“, betonte Werner.

Der CDU geht dies deutlich zu weit. Der CDU-Europaabgeordnete Markus Pieper sorgt sich um kleine Unternehmen und den Privatmann: „Wir sind Klimaweltmeister bei CO2, bei Erneuerbaren, bei Einsparungen. Aber wir sind auch Weltmeister bei Energiekosten für kleine Unternehmen und private Haushalte, gerade in rückständigen Regionen.“ Beim Thema Energieeinsparung, so Pieper weiter, „ambitioniert ja, aber nicht überziehen, weil wir ansonsten Europas Industrie vertreiben, wir sind gegen planwirtschaftliche Einsparzwänge, die auf Jahrzehnte angelegt sind“.

Auch Herbert Reul, CDU/CSU-Vorsitzender im EP, sorgt sich: „Was hat das an Belastungen und Kosten zur Folge, welche Auswirkungen hat das auf die Bürger, auf die Verbraucher und auf die Wirtschaft?“ Es sei jetzt nicht der Zeitpunkt, jeden Tag einen neuen Plan zu machen oder höhere Prozentzahlen zu verkünden.

Sanierung von Gebäuden kommt zu langsam voran. Maroš Šefcovic, für die Energieunion zuständig, zeigt im Energieeffizienzbericht 2016 die Schwächen in den einzelnen Mitgliedstaaten auf. Heizung und Kühlung von Gebäuden verschlingen in der EU rund 40 % des Energiebedarfs. Obwohl die meisten Mitgliedstaaten ihren Energieverbrauch pro Quadratmeter zwischen 2005 und 2014 senken konnten, reichen die bisherigen Werte bei Weitem nicht aus, um den EU-Klimazielen gerecht zu werden.

Es hapert an öffentlichen Initiativen und großflächigen Projekten bei der Sanierung von Gebäuden, sowohl aus privater wie öffentlicher Hand. Zwei Drittel des EU-Gebäudebestands stammen aus Zeiten, als es noch keine Effizienzvorschriften gab. Derzeit liegt die Sanierungsrate EU-weit bei 1 %/Jahr. Würde die Schlagzahl bei der Gebäudesanierung nicht drastisch erhöht werden, dauerte es beim bisherigen Tempo 100 Jahre, bis Europa seinen Gebäudebestand modernisiert hätte.

„Die EU-Kommission und die Europäische Investitionsbank hoffen, über ihre Initiative ‚Smart Finance for Smart Buildings‘ bis 2020 10 Mrd. € an öffentlichen und privaten Mitteln speziell für die energiesparende Gebäudesanierung mobilisieren zu können“, sagt Šefcovic.

Der Weg zur Energieunion bis 2030 stelle die EU vor eine Mammutaufgabe. „Um ihre Klimaziele zu erreichen, muss die EU von 2020 bis 2030 rund 4 Billionen € aufbringen, was ein Volumen von jährlich 379 Mrd. € ausmacht“, rechnet Šefcovic vor.

stellenangebote

mehr