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Dienstag, 12. Dezember 2017

Stromnetze

EU peilt Energiewende im Verteilnetz an

Von Hans-Christoph Neidlein | 9. März 2017 | Ausgabe 10

Neben einer Reform der Anreizregulierung fordert die EU-Kommission eine verbesserte Zusammenarbeit von Verteilnetz- und Übertragungsnetzbetreibern.

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Foto: Rainer Weisflog

Hochspannungstrassen standen bisher im Vordergrund der EU-Energiepolitik. Das ändert sich zugunsten der Verteilnetzbetreiber.

Verteilnetze rücken zunehmend in den Fokus der europäischen und nationalen Politik. Dies zeigte der Auftakt des BDEW-Fachkongresses „Treffpunkt Netze“ am Dienstag dieser Woche in Berlin. Denn sie schultern mit 60 % bis 90 % den Großteil des europaweit eingespeisten Ökostroms. Und dieser Anteil wachse, so Klaus-Dieter Borchardt, Director DG Energy der EU-Kommission.

Um fluktuierende Erzeugung und Verbrauch im Lot zu halten, kommt eine Reihe von neuen Aufgaben auf die Verteilnetzbetreiber zu. Das sogenannte Flexibilitätsmanagement steht hier an erster Stelle, sprich: die bedarfsgerechte Einspeisung von Speicherleistung oder die Kappung von Spitzenlasten durch Demand-Side-Management.

„Um dies europaweit zu ermöglichen, schlagen wir in unserem Winterpaket vor, dass Verteilnetzbetreiber marktkonformen Zugang zur Flexibilität erhalten und diese beispielsweise für das Engpassmanagement vor Ort nutzen können“, sagte Borchardt. Der Ball für die Umsetzung liegt jetzt bei den Mitgliedstaaten.

Eine Reform der Anreizregulierung für die Netzfinanzierung sei in Deutschland nötig, da sie derzeit stark auf den kapitalintensiven Leitungsausbau (Capex) zugeschnitten sei. Dagegen würden Betriebsausgaben (Opex), die für ein verbessertes Flexibilitätsmanagement der Verteilnetzbetreiber entscheidend seien, nur unzureichend erstattet, stellte Borchardt klar: „Verteilnetzbetreibern sollte auch ermöglicht werden, neue innovative Lösungen auszuprobieren, ohne dass man sie hierbei allein auf den Kosten sitzen lässt.“ Hierzu müsse man eine faire Vergütung einführen. Ein verbessertes Flexibilitätsmanagement auf Verteilnetzebene sei ja schließlich auch ein zentraler Hebel, um den Netzausbaubedarf und damit die Netzausbaukosten vor Ort zu senken.

Indem er eine Lanze für die Verteilnetzbetreiber brach, stieß EU-Vertreter Borchardt in Berlin beim Branchenverband BDEW auf Zustimmung. Andrees Gentzsch, Mitglied der BDEW-Hauptgeschäftsführung, betonte im Gespräch mit den VDI nachrichten die Notwendigkeit einer Reform der Anreizregulierung sowie der Schaffung von Flexibilitätsbudgets für Verteilnetzbetreiber, mit denen sie zum Beispiel gezielt Speicherleistung vergüten können.

„Eine klare Lösung können wir hierzu allerdings noch nicht anbieten“, sagte Gentzsch, die Diskussion stehe hier ganz am Anfang. Flankierend sei eine Reform der Netz- und Umlageentgelte nötig, um das Potenzial auf Verteilnetzebene für eine verstärkte Integration des Ökostroms und der Sektorenkopplung stärker auszuschöpfen.

Neue Aufgaben für die Verteilnetzbetreiber sieht Borchardt bei der Integration von E-Mobilität und mobilen Speichern sowie bei der Zusammenarbeit mit neuen Marktteilnehmern. Die rote Linie des Unbundlings, sprich: der Trennung von Netz und Vertrieb, möchte Brüssel auch in einer zunehmend vernetzten Energiewelt nicht übertreten, machte Borchardt deutlich. Doch gibt es erste Aufweichungen. Denn dann, wenn „dies vom Markt zu bewerkstelligen ist“, solle es Verteilnetzbetreibern künftig EU-weit möglich sein – befristet für fünf Jahre – selbst Speicher oder E-Ladeinfrastruktur zu betreiben. Derzeit ist dies untersagt; die EU-Kommission verhängte daher Strafen gegen italienische Verteilnetzbetreiber.

„Wir wollen auch verstärkt auf die Expertise der Verteilnetzbetreiber zurückgreifen und ihnen eine stärkere Stimme geben“, unterstrich Borchardt. Hierzu soll auf EU-Ebene ein eigenständiges Gremium der Verteilnetzbetreiber, ein sogenannter DSO Body, geschaffen werden. Die Übertragungsnetzbetreiber sowie die Gasnetzbetreiber haben mit ENTSO-E und ENTSO-G bereits eine entsprechende institutionelle Verankerung. Umstritten ist noch die anteilige Einbindung kleinerer Verteilnetzbetreiber.

Nach den derzeitigen Vorschlägen Brüssels sollen 11 % der europäischen Verteilnetzbetreiber eingebunden werden, die jedoch 80 % des Marktes bedienen. Doch Borchardt zeigte sich auf der Tagung offen für Vorschläge für eine verbesserte Repräsentanz kleinerer Unternehmen in dem neuen Gremium.

„In der Vergangenheit lag der Fokus auf der europäischen Koordination und Integration der Übertragungsnetzbetreiber“, sagte Albert Moser, Leiter des Instituts für Elektrische Anlagen und Energiewirtschaft der RWTH Aachen. „Die Zukunft liegt bei einer vertieften Koordination und Zusammenarbeit von Übertragungs- und Netzbetreibern und regional zugeschnittenen Lösungen“, so Moser. swe

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