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Montag, 11. Dezember 2017

Porträt der Woche

Ein Chef, der gerne Neues wagt

Von Hans Schürmann | 10. August 2017 | Ausgabe 32

Wolf Meier-Scheuven stärkt den Erfindergeist bei Boge und das Selbstbewusstsein in der Region OWL.

Porträt Meier-Scheuven BU
Foto: Boge

Wolf D. Meier-Scheuven führt den Kompressorenhersteller Boge in der dritten Generation.

Wir müssen das mal anders machen!“, dachte Wolf D. Meier-Scheuven schon häufiger in seinem Leben. Zum Beispiel als der heute 57-Jährige, geschäftsführender Gesellschafter des Druckluftspezialisten Boge, 1995 das Unternehmen in dritter Generation von seinem Vater übernahm. Mit seinem damaligen Geschäftsführerkollegen entwarf er als erstes eine Strategie, die es ihm ermöglichte, das Geschäft des Maschinenbauers international auszubauen. Bis dahin hatte das Unternehmen fast nur Kunden in Deutschland. Lediglich in den Nachbarländern Holland und Belgien gab es Tochtergesellschaften. Heute erwirtschaftet das Familienunternehmen mit rund 800 Mitarbeitern 65 % des Umsatzes, der in diesem Jahr zum ersten Mal über 140 Mio. € betragen wird, im Ausland.

Zur Person: Wolf Meier-Scheuven

Als Meier-Scheuven der Gedanke, es müsse auch anders gehen, vor einigen Jahren erneut durch den Kopf ging, veränderte der Boge-Chef nach und nach das Innovationsmanagement seiner Firma. Um das Rad in der Druckluft neu zu erfinden und auf diese Weise neue Märkte zu erschließen, hat das Unternehmen 2013 seine Mitarbeiter dazu aufgerufen, sich für ein fachübergreifendes Entwicklungsteam zu bewerben. „Wir hatten schon längere Zeit an einer neuen Kompressorgeneration gearbeitet, hatten eine Vision, aber irgendwie ging es nicht weiter“, erinnert sich Meier-Scheuven. Um den Durchbruch zu schaffen, bildete Boge ein fach- und unternehmensübergreifendes Entwicklerteam. Dieses sollte abgeschottet arbeiten können, mal was ganz Neues ausprobieren und neue Wege einschlagen.

Mehr als 10 % der rund 450 Boge-Mitarbeiter am Hauptsitz in Bielefeld-Jöllenbeck haben sich damals gemeldet. Das Team bestand letztlich aus zehn Mitarbeitern, aus Entwicklungs- und Produktionsingenieuren, Softwareentwicklern, Produktmanagern und Einkäufern. Diese haben die Erkenntnisse und Erfahrungen im Unternehmen gebündelt, mit neuen Techniken kombiniert und schließlich den neuen Kompressortyp entworfen und gebaut, der nicht nur umweltfreundlich, sondern auch leise und energieeffizient arbeitet. „Ausschlaggebend für den Erfolg allerdings war, dass mein Geschäftsführerkollege Thorsten Meier auf ein Patent aufmerksam wurde, das wir dann erwerben konnten und das die neue Technik erst möglich machte“, sagt der Firmenchef.

Ein nicht weniger wichtiger Faktor sei jedoch das Engagement der Mitarbeiter gewesen. „Damals haben wir uns ganz auf die Expertise des Teams verlassen und schnell zugegriffen“, sagt Meier-Scheuven. Noch vor Jahren hätte der Boge-Chef gesagt: „Wir treffen keine schnellen Entscheidungen.“ In den ersten Jahren hat der Urenkel des Firmengründers die Firma eher behutsam Schritt für Schritt neu ausgerichtet: Nach der erfolgreichen Internationalisierung der Geschäftsaktivitäten und Modernisierung von Verwaltung und Fertigung, hat er die Produktion in Bielefeld erweitert und neue Fertigungsstandorte in China und in Sachsen in Betrieb genommen.

Inzwischen weiß Meier-Scheuven, dass – wie im Beispiel des Patentkaufs – manchmal auch Schnelligkeit zählt. „Aber auch bei solchen Entscheidungen weisen immer die von uns selbst gesetzten ‚Leitplanken’ den Weg“, versichert der Familienunternehmer, der für seine Mitarbeiter und Kunden ein verlässlicher Partner sein möchte. Er sieht seinen Anteil am Erfolg des Unternehmens vor allem darin, Ziele vorzugeben und seinen Mitarbeitern Möglichkeiten und Freiräume zu geben, diese umzusetzen.

Daneben ist für Meier-Scheuven ehrenamtliches und gesellschaftliches Engagement wichtig – sowohl in der Branche als auch in der Region: Er ist seit 2014 Präsident der IHK Ostwestfalen und seit 2008 Sprecher des Clusters „ProduktionNRW“ in Nordrhein-Westfalen. Zudem gehört er dem Vorstand des Maschinenbauverbands VDMA an. Als Mitglied in Branchennetzwerken und als Partner von Schulen und Hochschulen setzt sich der Unternehmenschef außerdem für die Zukunftsfähigkeit der Region Ostwestfalen-Lippe ein. Für dieses Engagement haben ihn Vertreter der Wirtschaft in der Region zusammen mit dem Institut für Unternehmensführung an der Universität Bielefeld in diesem Jahr als „Unternehmer des Jahres 2017 in OWL“ ausgezeichnet. 

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