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Mittwoch, 13. Dezember 2017

Porträt

Eine Frage der Ausdauer

Von Fabian Kurmann | 2. März 2017 | Ausgabe 09

Seit acht Monaten ist Tom Blades am Ruder der Bilfinger SE. Für die Neuaufstellung des Konzerns braucht er einen langen Atem.

+ BU Portait Tom Blades Bilfinger
Foto: Bilfinger

Tom Blades will den angeschlagenen ehemaligen Baukonzern Bilfinger nach vielen Führungswechseln wieder stabilisieren.

Mit Tom Blades wechselte die Führung des Bilfinger-Konzerns innerhalb von zwei Jahren zum dritten Mal. Der ehemalige Baukonzern war in der Krise und stand kurz vor der Zerschlagung. Aus Unternehmenskreisen heißt es, wenn man im Juni 2016 einen Juristen zum Vorstandschef gemacht hätte, wäre die Firma abgewickelt worden. Doch nun steht Blades an der Spitze.

Thomas (Tom) Blades

„Als Ingenieur habe ich das Ziel, Prozesse zu entwickeln und zu stabilisieren und Dinge Schritt für Schritt nach vorne zu treiben“, sagt Blades. „Genau das habe ich bei Bilfinger gemeinsam mit allen Mitarbeitern vor.“ Seine 2-4-6-Strategie hat er vor Kurzem vorgestellt: zwei Geschäftsfelder, vier Kernregionen, sechs Industrien.

Ein Faible für Zahlen hatte der in Hamburg geborene Sohn britischer und deutscher Eltern schon, als er sich nach einer Kindheit in Kanada für ein Elektrotechnikstudium in Großbritannien und Frankreich entschied.

Nach dem Abschluss kletterte er in den USA bei den Ölfeldservice-Unternehmen Schlumberger und Halliburton bis in die Chefetage. Dann kehrte er aber 1998 nach Deutschland, in sein Geburtsland, zurück.

Bilfinger war zu dieser Zeit noch ein echter Baukonzern. Heute ist davon kaum etwas übrig. Im vergangenen Juni, einen Monat vor Amtsantritt des neuen Bilfinger-Chefs, drückte Großaktionär Cevian schließlich den Verkauf der Bau- und Immobiliensparte durch. Zurückgeblieben sind Dienstleitungen für Industrieanlagen und Kraftwerke, in denen Blades die Zukunft des Unternehmens sieht. Mit Industrieanlagen hat Blades Erfahrung. Bei Siemens leitete er ab 2009 die Division für Öl und Gas. Drei Jahre später wechselte er in den Vorstand des deutschen Gasherstellers Linde, für den auch immer wieder Bilfinger Industriedienstleistungen liefert.

Blades kenne sich in der Materie aus, wolle Dinge genau wissen, sei „keine Heizdüse“, heißt es aus Unternehmenskreisen. Nach den schnellen Führungs- und Strategiewechseln der Vergangenheit stehe nun einer an der Spitze, der sich Zeit nehme, sich ein genaues Bild mache und erst dann entscheide. Nach dem 2015er Rekordverlust von rund 500 Mio. € arbeitete sich der Konzern mit milliardenschweren Spartenverkäufen zurück in die Gewinnzone. 2016 machte Bilfinger 271 Mio. € Gewinn.

„Ich bin 60. Ich will keinen Rekord brechen, sondern gesund und fit bleiben“, sagt Blades über sein Hobby, den Triathlon. Auch sein Unternehmen muss erst einmal wieder gesund werden. Dazu richtete der Ingenieur die Belegschaft auf seine Linie neu aus. Wer nicht einlenkte oder von dem ständigen Wechsel frustriert war, konnte 2016 seine Sachen packen und bekam für jedes Jahr Betriebszugehörigkeit einen Monatslohn. Im Vergleich zur Hoch-Zeit hat sich die Zahl der Mitarbeiter auf nun 37 000 praktisch halbiert.

 Mit der übrigen Mannschaft und dem Großaktionär im Rücken will er nun Altlasten bewältigen – z. B. dass die Aufseher des US-Justizministeriums dem Unternehmen wegen internationaler Korruptionsvergehen in der Vergangenheit noch bis 2018 genau auf die Finger schauen werden.

Für die Neuaufstellung und um das Vertrauen der Mitarbeiter zu gewinnen, wird Blades viel Ausdauer brauchen. Diese trainiert er schon mal beim Triathlon. „Es geht um die Freiheit, die im Kopf entsteht, wenn man Schwimmen oder Joggen geht oder einen anderen Ausdauersport betreibt“, sagt Blades. Für den weltgrößten Triathlon in Hamburg Mitte Juli ist er angemeldet.

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