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Donnerstag, 14. Dezember 2017

Vakanz der Woche

Endstation für den Bahn-Chef

Von Peter Kellerhoff | 9. Februar 2017 | Ausgabe 06

Nach seinem überraschenden Rücktritt vergangene Woche muss sich Bahn-Chef Rüdiger Grube an seinen (Miss-)Erfolgen messen lassen. Grube hat viel angestoßen, aber wenig vollenden können.

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Foto: imago/Rainer Unke

Baustelle Bahn: Zugchef Rüdiger Grube steigt mitten in der Fahrt aus. Ein Nachfolger muss nun die Weichen für den Verkehrskonzern stellen, damit dieser nicht auf dem Abstellgleis landet.

 Unter seiner Ägide fiel beispielsweise 2015 das Programm „Zukunft Bahn“, mit dem die Qualität des Schienenverkehrs verbessert werden soll. Bis 2020 sollen dafür 700 Mio. € aufgewendet werden. Unter anderem soll DB-Cargo vom Sanierungsfall mit Milliardenverlusten wieder in die schwarzen Zahlen geführt werden. Aber noch immer ist der Unternehmenszweig eines der Sorgenkinder des Bahnkonzerns.

Züge sollen schneller repariert und die Konzernstruktur verschlankt werden. Auch technisch wird aufgerüstet: Sensoren in Weichen und Rolltreppen sollen Störfälle schneller melden. Noch greifen diese Maßnahmen nicht, am Gleis warten Reisende oft vergeblich auf ihren Zug. Seit Grubes Amtsantritt ist die Bahn beim Fernverkehr sogar weniger pünktlich geworden: Waren die ICEs und ICs 2009 zu 18,8 % verspätet, waren es gegen Ende seiner Dienstzeit 25,6 %. Vier Hauptverdächtige sorgen in der Regel für Verzögerungen: Schäden an den Fahrzeugen, Baumaßnahmen, Schäden an Leit- oder Signaltechnik und Schäden an der sonstigen Infrastruktur.

Ein Bahnmanager räumt ein, dass zwei Drittel der Verspätungen auf die Kappe der Bahn gehen. Der Rest sei unbeeinflussbar, etwa durch Selbstmorde, Kabeldiebstahl oder Unwetter. So häuften sich 2015 täglich fast 8000 Stunden Verspätungen an. Nicht nur die Pünktlichkeit wird auch für den neuen Bahn-Chef eine Herausforderung werden. Ein Schienennetz von 33 000 km, 68 000 Weichen und 5700 Bahnhöfen muss orchestriert werden. 40 000 Züge befördern täglich über 6 Mio. Menschen. Das Gesamtsystem ist extrem komplex: Wenn sich nur der ICE von Hamburg nach Stuttgart verspätet, betrifft das allein im Bahnhof Mainz 56 Anschlussverbindungen.

An der Sanierung des Bahnkonzerns haben sich mit Heinz Dürr, Hartmut Mehdorn und jetzt Rüdiger Grube schon drei gestandene Manager die Zähne ausgebissen. Der einzige Politiker, der den Posten des Bahnchefs bekleidete, war von 1997 bis 1999 der CDU-Mann Johannes Ludewig. Er war für zehn Jahre vorgesehen, musste aber bereits nach zwei Jahren den Chefsessel wieder räumen.

Aufgabe der Bundesregierung ist nun, einen fähigen Bahn-Chef zu finden, der für rund 2 Mio. € Jahresgehalt inklusive Boni einen der größten Konzerne Deutschlands führen soll. In Topmanagerkreisen ein vergleichsweise dürftiges Salär, so hat VW gerade erst die Managergehälter auf maximal 10 Mio. € begrenzt.

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