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Dienstag, 12. Dezember 2017

Energiewirtschaft

„Falsche Maßstäbe“ an Kohle angelegt

Von Eckart Pasche | 10. August 2017 | Ausgabe 32

Der Verein der Kohlenimporteure (VDKi) sieht eine gute Zukunft für den fossilen Energieträger.

w - VdKI BU
Foto:  dpa Picture-Alliance/Roland Weihrauch

Steinkohle: Der Verein der Kohlenimporteure schätzt, dass längerfristig die Preise wieder steigen werden.

Seit Jahren ist der Einsatz fossiler Energieträger in der Stromversorgung in Deutschland ein heiß diskutiertes Thema. Ein unerwarteter Beitrag kommt von einer im Juni vorgelegten Studie, erstellt von den Beratungsunternehmen Prognos und Fichtner, im Auftrag von Agora Energiewende, Berlin. Sie bringt neue Denkanstöße über die Effekte erneuerbarer Energien auf das konventionelle Stromsystem und auf die gesamten CO2-Emissionen der Stromerzeugung. Im Vorfeld der Bundestagswahl findet sie kohlefreundliche Argumente.

Elektrizitätsversorgungssysteme, die vor allem auf Kohlekraftwerken basieren, böten viel mehr Platz für den Ausbau erneuerbarer Energien, als vielfach behauptet werde, so die Studie. Denn Kohlekraftwerke könnten die Abgabe elektrischer Arbeit sehr flexibel an die schwankende Wind- und Solarleistung anpassen.

Damit eröffne sich für Länder, die vor allem auf Kohle setzen, ein Weg, ihre Stromerzeugung zu geringen Kosten klimafreundlicher zu machen und gleichzeitig die Versorgungssicherheit zu bewahren. Beispiele für erfolgreiche Umrüstungen von Kohlekraftwerken seien in Deutschland und Dänemark zu finden. Wenn aus dem Energiemix ein Energieträger herausgenommen werde, müsse die von ihm bisher erzeugte Strommenge von anderen übernommen werden, weil der Bedarf ja nicht sinke.

Der Verein der Kohlenimporteure (VDKi) geht daher davon aus, dass die Importkohle davon profitieren könne, wenn Deutschland nach dem geplanten Ausstieg aus der Kernenergie 2022 auch noch aus der Braunkohle ausstiege. Dabei ist der Verein davon überzeugt, dass nach dem Kernenergieausstieg die Preise für die anderen Energieträger steigen werden. Denn „die Industrie braucht Primärenergie, sonst ist der Standort futsch“, sagte VDKi-Vorstandsmitglied Rainer Winge auf seiner Jahrespressekonferenz Ende Juli in Düsseldorf.

Nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AGEB) ist beim Primärenergieverbrauch 2016 der Einsatz der festen Brennstoffe gegenüber dem Vorjahr um 5,2 % bei der Steinkohle und um 2,8 % bei der Braunkohle zurückgegangen. Hingegen ist der Einsatz von Mineralöl um 1,5 % gestiegen. Mit einer Steigerung von 8,5 % sei der Zuwachs beim Erd- und Grubengas am stärksten gewesen. „Das zeigt, dass die Bundesregierung mit ihrer Fokussierung auf die Energiewirtschaft und hier wiederum auf die Kohle falsche Maßstäbe anlegt“, erklärte der VDKi-Vorstandsvorsitzende Wolfgang Cieslik.

Nach AGEB-Angaben entfiel bei der Steinkohle der – nach absoluten Zahlen gerechnet – höchste Verbrauchsrückgang 2016 auf den Einsatz in Kraftwerken zur Strom- und Wärmeerzeugung. Verschiebungen in den Preiskonstellationen zwischen Steinkohle und Erdgas hätten zu einer geringeren Bruttostromerzeugung auf Basis von Steinkohle geführt, während der Einsatz von Erdgas durch niedrigere Preise sowie durch die Novellierung des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes begünstigt worden sei.

Auch im Verkehrssektor geschehe nichts, beklagte Cieslik. Die Emissionen stiegen weiter. Vehement setzt er sich dafür ein, das bei der Verbrennung anfallende Kohlendioxid als Rohstoff in der chemischen Industrie beispielsweise zur Herstellung von Methanol oder Ethanol zu nutzen.

Am Steinkohleneinsatz im vergangenen Jahr von 55,6 Mio. t SKE (1 t SKE entspricht 29,3076 MJ) waren die beiden im Inland fördernden Bergwerke mit 3,9 Mio. t SKE beteiligt (2015: 6,4 Mio. t SKE). Ihr planmäßiger Auslaufprozess endet 2018. Der Beitrag der Importkohle sank 2016 um 5,7 % auf 48,4 Mio. t SKE. Fast drei Viertel der Einfuhren waren laut VDKi Kesselkohle, 22 % Kokskohlen und 3,8 % Koks. Größter Importeur war 2016 mit fast einem Drittel (32 %) Russland, aus dem 17,8 Mio. t kamen und damit 1,1 Mio. t mehr als im Vorjahr. Kohle aus Kolumbien deckte mit 10,7 Mio. t rund 19 % des Imports ab. Weitere wichtige Importländer waren die USA (16 %), Australien (12 %) und Polen mit 4,5 % der Einfuhren.

VDKi-Geschäftsführer Franz-Josef Wodopia hob hervor, die Mitglieder des Vereins erwarteten von ihren Lieferanten, dass sie sich zu den im UN Global Compact aufgeführten Grundwerten wie Menschenrechten, Arbeitsnormen, Umweltschutz und ethischen Geschäftsstandards bekennen. Die Steinkohlenförderung sei 2016 global um 3,8 % auf 6,7 Mrd. t zurückgegangen, so der Verein. Dafür sei die Entwicklung in China (-185 Mio. t) und den USA (-147 Mio. t) maßgeblich gewesen. Gestiegen sei die Gewinnung in Kolumbien, Russland, Australien, Indien und Indonesien.

Dies zeigt laut VDKi, dass es zahlreiche Länder mit wachsendem Kohlebedarf gibt. Während Indien einen erheblichen Teil selbst fördere, aber auch große Mengen vom Weltmarkt importiere, gebe es eine Reihe von Asean-Staaten, die zur Versorgung neu gebauter Steinkohlenkraftwerke eine entsprechende Nachfrage am Weltmarkt auslösten. Die kleineren asiatischen Länder wie Vietnam, die Philippinen, Malaysia und Pakistan trügen zu einer Stabilisierung des Überseehandels bei. Dort werde bis 2021 mit einer zusätzlichen Stromerzeugungskapazität auf Steinkohlenbasis von insgesamt 25 GW gerechnet.

Der VDKi verwies darauf, dass der weltweite Energiebedarf 2016 nach Angaben des im Juni vorgestellten BP Statistical Review of World Energy 2017 um 1,0 % auf 18,8 Mrd. t SKE gestiegen sei. Der Zuwachs im asiatisch-pazifischen Raum habe doppelt so hoch wie im globalen Durchschnitt gelegen und habe 7,9 Mrd. t SKE betragen. Das ist mittlerweile 42 % des Weltenergiebedarfs und doppelt so viel wie Nordamerika und Europa zusammen. Mit 15,2 % seien global die erneuerbaren Energien am stärksten gewachsen, so der Report, allerdings liege ihr Anteil an der Bedarfsdeckung weltweit nur bei 2,8 %.

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