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Montag, 11. Dezember 2017

Porträt der Woche

Firmengründer aus Leidenschaft

Von Jens D. Billerbeck | 16. März 2017 | Ausgabe 11

Nolan Bushnell gilt als Vater der Videospielindustrie. Heute ist der 74-Jährige im Bereich virtuelle Realität aktiv.

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Foto: dpa Picture-Alliance/empics/Nick Ansell

Nolan Bushnell: Einst Gründer von Atari und vieler weiterer Unternehmen, denkt mit 74 noch nicht an den Ruhestand.

Solch eine Karriere ist wohl nur im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, in den USA, möglich: Nolan K. Bushnell, auch „Vater der Videospielindustrie“ genannt, gründete im Laufe seiner bald 45-jährigen Unternehmerkarriere mehr als 20 Unternehmen. Und gleich das erste steht für den Beginn des Videospiels als Unterhaltung im heimischen Wohnzimmer: Atari, gegründet 1972.

Nolan Key Bushnell

Angesichts der Realitätsnähe heutiger Spiele auf Plattformen wie Xbox oder Playstation 4 ist es nur schwer vorstellbar, mit welcher Begeisterung Menschen „Pong“ spielten. Eine mehr als schlichte Tischtennissimulation, bei der es galt, einen Ball mittels zweier „Schläger“ – simple Streifen am linken und rechten Bildschirmrand – möglichst lange im Spiel zu halten.

Im US-Bundesstaat Utah geboren, studierte Bushnell zunächst an der dortigen Universität Elektrotechnik und vervollständigte seine Studien später an der renommierten Stanford University in Palo Alto im Herzen des Silicon Valley. Dort soll er bereits mit einem frühen Vorläufer der späteren Videospiele in Berührung gekommen sein: Spacewar, programmiert für die PDP-1 des Computerpionierunternehmens Digital Equipment (DEC). Eine Automatenversion dieses Spiels floppte allerdings.

Mit Atari zog das Videospiel jedoch endgültig in die Haushalte ein und Bushnell verkaufte sein Unternehmen nur wenige Jahre später für 28 Mio. $ an den Unterhaltungskonzern Time-Warner. Seine Biografie listet danach viele weitere Unternehmensgründungen auf. Darunter z. B. 1977 „Chuck E. Cheese‘s Pizza Time Theatre“, eine Kette von Familienspielhallen mit Restaurant, und 1983 Etak, den ersten Anbieter von Navigationssystemen. Weitere Unternehmen auf Bushnells Karriereleiter als Firmengründer und Finanzier waren Androbot und Byvideo, außerdem arbeitete er als Consultant für große Firmen wie IBM oder Cisco.

„Das Schlimmste, was einem Menschen passieren kann, ist es, einen sicheren Job zu haben“, schrieb Bushnell vor einigen Jahren in einem Blogbeitrag. Woher, so fragte er, solle ein 20-Jähriger wissen, welcher Job, welche Karriere ihn wirklich glücklich mache. „Wenn du erst mal eine Frau, ein Haus und Kinder hast, findest du es unmöglich, einen verhassten Job zu verlassen.“ Bushnell sieht hier das Scheitern als Chance: In solch einem Fall sei der Jobverlust die einzige Chance auf einen Neubeginn.

Eine weitere These Bushnells: In Zeiten der Rezession gründet es sich am besten. Mit Atari hat er es erlebt: Büroräume waren preiswert und das junge Unternehmen konnte sich die besten Talente aus einer Schar arbeitsloser Ingenieure herauspicken.

Auch mit mittlerweile 74 Jahren denkt der Vater von acht Kindern nicht an den Ruhestand. Er beschäftigt sich u. a. mit dem Zusammenhang zwischen der Psychologie des Lernens und dem Videospiel, mit Gedächtnistraining für Senioren und – ganz aktuell – im Start-up Modal VR – mit virtueller Realität im großen Maßstab. Was dem Unternehmen vorschwebt, gleicht dem Holodeck im Raumschiff Enterprise. Von Pong aufs Holodeck – Bushnell hat es weit gebracht.

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