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Freitag, 15. Dezember 2017

Technikfolgen

Garage als Genlabor

Von Bettina Reckter | 2. März 2017 | Ausgabe 09

Biohacking ist ein neuer Trend in der Wissenschaftsszene. Den Gesetzgeber stellt dies vor neue Herausforderungen.

Biohacking BU
Foto: panthermedia.net/videodoctor

 

Wie in den 1970er-Jahren Pioniere an Computern, experimentieren neuerdings Bio-Nerds in Garagen und Kellern am Erbgut herum. Sie lassen Lebensmittel oder Pflanzen im Dunklen leuchten, untersuchen die eigenen Gene auf Mutationen oder implantieren sich freiwillig Computerchips unter die Haut.

In den USA ist dieses sogenannte Biohacking längst ein Trend. In Deutschland hingegen dürfen Privatpersonen schon rein rechtlich derzeit keine Genmanipulationen vornehmen. Das unterbindet das hiesige Gentechnikgesetz. Dieses Gesetz aber sei nicht mehr zeitgemäß, behauptet Rüdiger Trojok. „Biotechnologie wird in Zukunft so alltäglich und verbreitet sein wie heute die Computertechnik“, sagt der Biologe, der Innovationsprozesse und Technikfolgen am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) erforscht.

Die Anfänge des Biohackings reichen in die 1990er-Jahre zurück, als eine kleine Avantgardekunstszene begann, sich mit biologischen Themen und Materialien zu befassen. Mit dem Internet folgte die globale Vernetzung der Wissenschaftler.

Die Hauptbeschäftigung vieler Biohacker war und ist das Sammeln und Herstellen von Laborgeräten und das Vereinfachen von Methoden. In Heimlabors und sogenannten Hackerspaces haben Biohacker in den letzten Jahren eine Reihe von biologischen Experimenten entworfen oder Laborprotokolle und -geräte vereinfacht und nachgebaut.

Schon heute kann man sich in den USA ein Bastelset für biolumineszierendes Bier, erzeugt mithilfe gentechnisch veränderter Bakterien, einfach im Internet bestellen. Anders in Deutschland. Hier gibt es traditionell eine starke Front von Gentechnikgegnern, die das Tüfteln an erdachten Erbmolekülen zu unterbinden suchen.

Dabei sieht Trojok, der im Karlsruher KIT am Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) arbeitet und auch den Bundestag bei der Einschätzung neuer Technologien berät, hier keine Gefahr: Zwar sei es mittlerweile recht erschwinglich, ein Genlabor einzurichten; das koste heute nur noch um die 5000 €. Und mit der Crispr/Cas-Methode stehe eine einfache Genschere zur Verfügung. „Eigenständige Experimente aber erfordern noch ein fundiertes Fachwissen und langwierige wie akkurate Vorbereitungen“, ist der Biologe überzeugt.

Mal eben ein paar Gene etwa von Bakterien zu verändern oder gar Organismen mit völlig neuen Eigenschaften zu kreieren, ist für Hobbybiologen schwierig bis unmöglich. Dennoch könnte die Gentechnik infolge weltweit sinkender Preise, einfacherer Verfahren und Labortechnik, die nicht größer als ein Computerchip ist, künftig der Kontrolle und dem exklusiven Zugriff staatlicher Forschungsinstitute, Biotechunternehmen und Großkonzernen entgleiten.

Das Deutsche Gentechnikgesetz von 1990 ist nicht mehr zeitgemäß. Die Risiken der damals noch jungen Gentechnik waren damals nicht abschätzbar. Vorsichtshalber wurden die Regelungen extrem streng gehalten. Schon für harmlose, heute übliche Versuche drohten drei Jahre Haft.

„Das Recht auf Forschung ist aber wie die Meinungs- und Kunstfreiheit im Grundgesetz verankert“, sagt Trojok. Er schlägt eine Art Stufenführerschein für Privatforscher vor. Wer mit dem Baukasten harmlose Bakterien bunt färben will, der solle dies tun dürfen. Ein Verändern von Organismen aber wäre nur mit Biologiestudium erlaubt. „Wenn Sie heute eine Fahrerlaubnis erwerben, bekommen Sie damit auch nicht gleich die Zulassung für Schwerlaster“, vergleicht der Biologe.

Die rechtlichen Hürden für Biohacker sind hoch. So verlangt der Gesetzgeber pro Gentechniklabor einen Betreiber und einen Sicherheitsbeauftragten, beide mit spezieller Zulassung und jeweils drei Jahren Laborerfahrung.

Unbestritten sind die Chancen der neuen Technologien. Doch Risiken bleiben. Der Deutsche Bundestag beleuchtet deshalb derzeit die rechtlichen, politischen und ethischen Aspekte von Biohacking und Genome Editing. Etwa, wenn bei der Impfstoffentwicklung genveränderte Organismen frei werden oder bei Eingriffen in die Keimbahn des Menschen, also der Manipulation von Nachkommen. Diese bleiben in Deutschland nach dem Embryonenschutzgesetz verboten.

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