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Dienstag, 12. Dezember 2017

Arbeitsmarkt

Grenzen für Teilzeit

Von Lisa Schneider | 12. Januar 2017 | Ausgabe 01

Das Recht, auf eine Vollzeitstelle zurückzukehren, soll ausgeweitet werden. Denn Teilzeit wird immer häufiger zu einem Armutsrisiko.

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Foto: panthermedia.net/denisismagilov

 

Der Teilzeitfalle wollte die Große Koalition von Beginn an zu Leibe rücken, nun gibt es einen Referentenentwurf aus dem Bundesarbeitsministerium von Andrea Nahles. Er soll der unbefristeten Teilzeit Grenzen setzen, indem er einen gesetzlichen Anspruch auf die Rückkehr in Vollzeit gewährt.

Details zum Gesetzentwurf

Immer mehr Menschen in Deutschland haben keinen Vollzeitjob mehr, im Jahr 2015 waren etwa 10 Mio. Arbeitnehmer in Teilzeit beschäftigt. Unter den Ingenieuren waren es zuletzt rund 12 %, so das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln, darunter jede dritte Ingenieurin. Die VDI nachrichten haben bei einem der größten Ingenieurarbeitgeber Deutschlands nachgefragt. Von den 10 000 Ingenieuren bei der Deutschen Bahn sind zwar nur 4,7 % in Teilzeit beschäftigt, davon allerdings sind wieder rund zwei Drittel Ingenieurinnen.

Frauen sind überdurchschnittlich häufig von Teilzeitarbeit betroffen. Ein Blick in die Statistik zeigt, warum das so ist: Unabhängig vom Geschlecht geben lediglich 10 % aller teilzeiterwerbstätigen Ingenieure an, keine Vollzeitstelle zu finden, zeigen Erhebungen des IW Köln. Bei den übrigen 90 % liegen die Gründe in einer freiwilligen Entscheidung für die Teilzeit – entweder als Wunsch nach einer verkürzten Arbeitszeit oder aus Gründen, die im privaten Umfeld liegen: Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen. Diese Auszeiten nehmen noch immer hauptsächlich Frauen in Anspruch – und geraten dabei in die Teilzeitfalle.

„Der Wunsch, für kranke Angehörige oder Kinder da zu sein, lässt viele Menschen länger in Teilzeit arbeiten, als gesetzliche Modelle wie die einjährige Elternzeit das vorsehen“, sagt Soziologieprofessorin Kerstin Jürgens, Leiterin der Expertenkommission „Zukunft der Arbeit“. Insofern versteht sie den aktuellen Gesetzentwurf als Nachjustierung des Rechts auf Teilzeit, durch das viele Beschäftigte in eine ungünstige Erwerbssituation gerutscht sind. Der Gesetzentwurf soll helfen, aus dieser Teilzeitfalle unbürokratisch wieder herauszukommen. „Meine Prognose ist: Wenn es den Rechtsanspruch auf Rückkehr zur Vollzeit gäbe, erhöht sich auch die Nachfrage seitens der Beschäftigten.“ Ein Gesetz mit Signalwirkung also.

Ein Gesetz, das Bewegung in Betriebe bringen könnte, hofft die Forscherin Christina Klenner von der Hans-Böckler-Stiftung. Denn Teilzeitarbeitende könnten sich dadurch ermutigt fühlen, ihre Aufstockungswünsche anzumelden, die Arbeitgeber dann prüfen müssen. Bisher ist der Arbeitnehmer in der Pflicht, nachzuweisen, dass etwa das Arbeitspensum eine Aufstockung der Arbeitszeit rechtfertigt. Der Referentenentwurf sieht hier eine Beweislastumkehr vor.

Die Arbeitgeber fühlen sich im Nachteil. Steffen Kampeter, BDA-Hauptgeschäftsführer, kritisierte den Entwurf als eine „Überdosis Bürokratie“. Die Soziologin Jürgens kann das nicht nachvollziehen: „Die Ankündigungsfristen sind großzügig, Arbeitnehmer müssen sich verbindlich festlegen, wie lange sie in Teilzeit gehen möchten. Insofern ist der Planungshorizont für die Arbeitgeber günstig.“ Sie vertraut darauf, dass die Betriebe damit umgehen können, so wie sie schon heute die Unwägbarkeiten am Arbeitsmarkt managen. „Beschäftigte werden immer mal Phasen haben, in denen sie nicht oder nur wenig arbeiten können, etwa aus Krankheitsgründen in einer alternden Gesellschaft.“

Foto: VDI nachrichten

Doch auch für Menschen, die freiwillig in Teilzeit arbeiten, weil sie privaten Verpflichtungen nachkommen, krank sind oder eine Auszeit benötigen, kommt das Gesetz zur rechten Zeit. „Alle die, die sich heute noch nicht trauen, Teilzeit abzuschließen, erhalten eine ganz andere Sicherheit für ihre Lebensplanung“, so Klenner. Die Sicherheit, nach einer fixen Aus- oder Teilzeit wieder voll verdienen zu können. Denn die Statistik zeige, so Klenner, dass Teilzeitbeschäftigte im Stundenlohn ein Leben lang zurückbleiben – auch nach Rückkehr auf eine Vollzeitstelle. In Kombination mit fehlenden Vollzeitjahren und ausgebliebenen Beitragszahlungen für die Rentenkasse winkt heute vielen am Ende eines prallen Arbeitslebens die Altersarmut.

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