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Donnerstag, 14. Dezember 2017

Projektmanagement

Große Infrastrukturprojekte brauchen Öffentlichkeitsbeteiligung

Von Peter Kellerhoff | 13. Juli 2017 | Ausgabe 28

Steigende Kosten und unnötig lange Laufzeiten – ohne den offenen Dialog mit allen Interessengruppen können Infrastrukturprojekte scheitern.

BU Infrastruktur
Foto: Reuters/Kai Pfaffenbach

Die Proteste zu Stuttgart 21 erreichten 2010 ihren Höhepunkt. Das nahm die Deutsche Bahn zum Anlass, das Thema Bürgerbeteiligung bei Großprojekten zu reformieren.

Stuttgart 21 war für die Deutsche Bahn (DB) ein „wake-up call“. Nicht nur, dass die geschätzten Kosten von 2,5 Mrd. € (1995) auf rund 6,3 Mrd. € (2016) stiegen und die geplante Inbetriebnahme des neuen Bahnhofs sich um drei Jahre auf 2022 verschob – entscheidend waren die Bürgerproteste, die 2010 in schweren Auseinandersetzungen mit der Polizei gipfelten.

„Wir haben daraus gelernt“, sagt Dirk Rompf, Vorstand des daraufhin ins Leben gerufenen DB-Ressorts „Netzplanung und Großprojekte“. Ergebnisse der Analysen der Bahn stellten die Weichen für künftige Großprojekte mit den Zielen Planungsbeschleunigung und eine frühzeitige, professionell strukturierte Öffentlichkeitsbeteiligung. Das neue Ressort bündelt die Kompetenzen für die künftige Weiterentwicklung des Netzes sowie bei der Realisierung von Großprojekten.

„Heute gilt die Deutsche Bahn als Vorzeigeunternehmen, was die frühe Einbindung von Öffentlichkeitsinteressen angeht“, betonte VDI-Chef Ralph Appel auf der VDI-Fachkonferenz „Planen im Dialog – Infrastrukturprojekte erfolgreich umsetzen“ Ende Juni in Berlin.

Foto: P. Kellerhoff

„Weg von Recht - fertigungskämpfen und hin zu Beteiligung und zu einem Miteinander.“ Ralph Appel, Direktor des VDI

In Podiumsdiskussionen wurde herausgearbeitet, dass es vor allem die internen Weichenstellungen sind, die eine neue Planungskultur ermöglichen und zu Schlüsselfaktoren des Erfolgs werden. Auch über die externen Herausforderungen war man sich einig: Interessengruppen, Betroffene und und Nutzer früh einbeziehen und Kooperationen aufbauen, Digitalisierung nutzen und eine Versachlichung der Diskussion über mehr Transparenz und Faktenklärung herbeiführen.

„Die klare, transparente Kommunikation mit allen Beteiligten und Interessenverbänden gehört an den Anfang von Projekten und Prozessen, nicht ans Ende“, erklärte auch Volker Brennecke, Geschäftsführer Technik im Dialog des VDI. Seiner Ansicht nach ist es eine Win-win-Situation, wenn nicht nur alle Interessen der Betroffenen frühzeitig berücksichtigt werden können, sondern sich die Kostenbilanz eines Projekts durch beschleunigte Prozesse verringern lasse. „Wir wollen Großprojekte, die 20 Jahre laufen, in Zukunft um fünf Jahre verkürzen“, erläuterte dann auch Rompf die Ziele der Deutschen Bahn.

Konkret bedeute das nicht nur Einsparungen für die Bahn selbst, sondern habe darüber hinaus einen gesellschaftlichen und umweltpolitischen Nutzen: Durch kürzere Laufzeiten der Schienenprojekte könnten pro Jahr 200 000 t CO2 eingespart werden, unter anderem, weil in diesem Zeitraum rund 400 000 Lkw- und 2,6 Mio. Pkw-Fahrten vermieden werden können.

Auch die Energiewende lässt sich letztlich nur mit früher Beteiligung realisieren. Lex Hartman, Geschäftsführer des Stromtrassenbetreibers Tennet: „Wir haben unsere Planung konsequent auf Dialog ausgerichtet. Sonst wäre der Netzausbau und damit letztlich auch die Energiewende nicht umsetzbar.“ Auch Vertreter der Windenergie, der Energieversorgung und des ÖPNV suchen verstärkt den Dialog mit der Öffentlichkeit.

Vielfach steht man den Beteiligungskonzepten aber noch mit einer gewissen Skepsis gegenüber, noch sind es Leuchtturmprojekte, die herausragen. „Ziel ist es, weg von Rechtfertigungskämpfen und hin zu Beteiligung und einem Miteinander zu kommen“, betonte Appel. Richtlinien wie VDI 7000 und andere sollen Unternehmen und Verbände dabei unterstützen.

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