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Mittwoch, 13. Dezember 2017

Industrie

Gut in Form

Von Martin Ciupek | 16. November 2017 | Ausgabe 46

Im Werkzeug- und Formenbau bekommt „Made in Germany“ wieder Gewicht. Aber: Die Branche sucht dringend Fachkräfte.

Aufmacher-BU
Foto: Audi AG

Presswerkzeuge für Automobile wie hier bei Audi gehören zu den mächtigsten Produkten im Werkzeug- und Formenbau.

Der deutsche Werkzeug- und Formenbau freut sich über volle Auftragsbücher. Doch die Branche hat auch Sorgen – dazu zählen der Fachkräftemangel und die Herausforderungen der Digitalisierung. Das wird wenige Tage vor dem Internationalen Kolloquium „Werkzeugbau der Zukunft“ in Aachen deutlich.

Vom Tisch ist dagegen die Verlagerung der Produktion in Billiglohnländer. „Vor zehn Jahren war das noch ein Riesenthema – insbesondere Fernost“, berichtet Ralf Dürrwächter, Geschäftsführer des Verbands Deutscher Werkzeug- und Formenbauer (VDWF). Doch die Fertigungskosten sind in vielen der früheren Billiglohnländer angestiegen. „Der Preis ist heute nicht mehr das allein entscheidende Kriterium, wenn man in Asien Werkzeuge produzieren lässt“, verdeutlicht Dürrwächter. Zumal auch in China heute qualitativ hochwertige Spritzgießformen und Stanzwerkzeuge für komplexe Bauteile hergestellt werden können. Allerdings fordere der dortige Binnenmarkt zunehmend die vollen Kapazitäten der chinesischen Werkzeugmacher.

Der VDWF-Geschäftsführer sieht bei den Produktionsstandorten inzwischen sogar einen gegenläufigen Trend: „Vor dem Hintergrund der Währungs- und Rechtssicherheit gewinnt ‚Made in Germany‘ in unserer Branche wieder an Gewicht.“ So seien Betriebe in der Schweiz durch Wechselkurse in Nöte geraten, während politische Unsicherheiten den Werkzeugbau in der Türkei und anderen Ländern massiv erschwerten.

Deutschlandweit gibt es etwa 4000 reine Werkzeugbaubetriebe. Dazu kommen etwa noch mal so viele interne Werkzeugbauzentren, beispielsweise bei den Automobilherstellern. Die Formen und Werkzeuge reichen von tonnenschweren Teilen zum Umformen großer Fahrzeugbleche (siehe Bild) bis hin zu kleinen Werkzeugen für Spritzgussteile aus Kunststoff. Der Einfallsreichtum der Unternehmen ist dabei sehr groß. So sorgte Mitte Oktober auf einer Kunststoffmesse eine Trillerpfeife für Aufsehen, die inklusive innen liegender Kugel in einem einzigen Spritzgießwerkzeug produziert wird.

 Die Fachkompetenz in den Betrieben liegt bislang meist in den Händen von Technikern und Meistern. Ingenieure sind eher selten. Das könnte sich aber ändern. Denn mit der Digitalisierung steigen die Anforderungen. Das hat man auch an Hochschulen wie der RWTH Aachen und der Hochschule Schmalkalden erkannt. In Thüringen werden dazu zweisemestrige Weiterbildungen für Führungskräfte ohne Abitur angeboten, während in Aachen Meister und Techniker sogar einen Mastertitel im Fernstudium erwerben können.

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