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Dienstag, 12. Dezember 2017

Porträt der Woche

Hanseatisches Schutzschild

Von Bettina Reckter | 6. April 2017 | Ausgabe 14

Jörg Allstädt konzipiert Schutzräume, in denen sich Bewohner vor rabiaten Einbrechern verstecken können.

S2 Portrait (2)
Foto: Pressedienst Bremen

Jörg Allstädt, Gründer von Turtle Saferooms, entwickelt individuelle Schutzräume und erstellt dafür die nötigen Sicherheitskonzepte.

Wenn Einbrecher ins Haus eindringen, ist das für die Bewohner ein wahrer Albtraum. Wohin soll man fliehen? „In einen Saferoom“, empfiehlt Jörg Allstädt. Der Gründer der Bremer Firma Turtle Saferooms konstruiert Schutzräume in Häusern und öffentlichen Einrichtungen. Nicht unbedingt den „Panic Room“, wie man ihn vom gleichnamigen Film mit Jodie Foster kennt. Allstädt bevorzugt da eher die Bezeichnung Schutzraum. „Solche Räume können nachträglich ins Haus integriert oder vorab mit dem Architekten geplant werden“, erklärt er.

Jörg Allstädt

Auf die Idee für einen von innen verriegelbaren Raum kam Allstädt, weil er seine eigenen Schätze sicher verwahrt wissen wollte. Denn er schraubt seit Jahren an einem Oldtimer und besitzt eine stattliche Sammlung an Spezialwerkzeug. Um dieses vor dem Zugriff von Dieben zu bewahren, entwickelte der Diplomingenieur einen einbruchsicheren Safe.

Bereits eineinhalb Jahre nach Firmengründung ist der 46-Jährige auf dem Markt etabliert. Aufträge und Anfragen kommen aus Deutschland, Frankreich und jüngst sogar aus dem Emirat Katar. Dabei ist Allstädt stolz auf seine hanseatische Mentalität. Dezent und leicht in der Handhabung, so lauten entsprechend seine Ansprüche an das Produkt.

Alle Saferooms werden individuell konzipiert. Sie verstecken sich hinter Schrankwänden und Bücherregalen oder können zusätzlich als begehbarer Kleiderschrank genutzt werden. Dabei ist dem Familienvater wichtig, dass sich beispielsweise die Schiebetür auch von Kindern problemlos bewegen und schnell verschließen lässt.

Das Türblatt aus holzbasiertem Material, zum Beispiel spezialbehandeltes Buchenholz, ist durchschusshemmend und schwer in Brand zu setzen. Mehrere Lagen sind aufeinandergeklebt, sodass sie selbst durch Schusswaffen nicht zerstört werden. Das beweist Allstädt an einem Objekt aus Glasfaserverbund, in dem noch das Projektil einer Magnum Kaliber 44 steckt.

„Viele glauben, schwere Stahl- oder Betonkonstruktionen seien für einen Schutzraum nötig. Ich aber arbeite lieber mit einem Materialmix aus Holz, Sicherheitsstahl und Glasfaserverbund.“ Allstädt sucht für jede Konstruktion den Kompromiss zwischen Ästhetik und Sicherheit. Im Saferoom befindet sich optional eine Überfallmeldeanlage, über die die Polizei oder ein Sicherheitsdienst kontaktiert wird. Die Tür funktioniert mechanisch. Sie ist bewusst nicht ans Stromnetz gekoppelt, weil dieses ja lahmgelegt werden könnte. Von außen bietet sie keinerlei Angriffsfläche, lediglich ein kleiner Griff ist zu sehen.

Allstädt bietet seine Modulbaulösungen auch öffentlichen Einrichtungen und Firmen an. In Zeiten von Terror und Gewalt würde die Nachfrage zunehmen, weiß der Bremer. In Amerika und Südafrika gehörten Unternehmen für Panic Rooms längst zum Alltag. In Deutschland allerdings bewege er sich mit seinen Schutzräumen noch in einem Nischenbereich.

Während die Saferooms temporären Schutz bis zum Eintreffen von Hilfe bieten, denkt Allstädt bereits an Krisenschutzräume für die Zukunft. „Wenn nach einer Naturkatastrophe eine oder zwei Wochen überbrückt werden müssen, sind andere Konstruktionen nötig. Behelfsschutzräume müssen dann zum Beispiel mit Generatoren und Luftfiltern ausgestattet werden“, erläutert der Gründer, der mit Sicherheitsfirmen, Handwerkern und Architektenbüros kooperiert.

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