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Donnerstag, 14. Dezember 2017

Porträt der Woche

IT-Experte mit Gewissen

Von Regine Bönsch | 30. März 2017 | Ausgabe 13

Edwards Snowdens Auftritt auf der Cebit letzte Woche rührte viele Menschen inmitten der bunten schillernden IT-Welt.

Porträt (2)
Foto: dpa Picture-Alliance/Glenn Greenwald/Laura Poitras

Edward Snowden: Der Whistleblower macht sich auch von seinem russischen Exil aus viele Gedanken um sichere Techniken.

Die Sakura-Stage im Konferenzzentrum der Cebit ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Manche sitzen auf dem Boden oder stehen hinter der Absperrung. Menschen in Anzügen, Menschen in Jeans und Turnschuhen. An diesem Dienstagabend ist es ein Mann, der – live aus Moskau zugeschaltet – Hunderte vor die große Leinwand lockt: Edward Snowden, der wohl berühmteste Whistleblower der Welt.

Edward Snowdon

Snowden hatte als technischer Experte und Systemadministrator unter anderem für die amerikanischen Geheimdienste CIA und NSA gearbeitet. Als externer Sicherheitsberater von Booz Allen Hamilton bekam der IT-Experte ab 2009 dank höchster Sicherheitsstufe detaillierte Einblicke in Abhöraktivitäten. Im Frühjahr 2013 wandte er sich von Hongkong aus mit umfangreichem Material an den Journalisten Glenn Greenwald. Im Juni wurden die ersten Berichte veröffentlicht und deckten eine bis dahin ungeahnte, umfassende Überwachung der weltweiten digitalen Kommunikation durch westliche Geheimdienste auf. Enthüllungen über die US-amerikanischen und britischen Ausspähprogramme Prism und Tempora machten ihn schnell zu einem der meistgesuchten Menschen der USA.

„Ich würde es immer wieder tun“, erklärt er vor dem andächtig lauschenden Publikum in Hannover. Er wolle noch immer nicht in einer Welt leben, in der alles, was er macht und sagt, aufgezeichnet wird. Nur so könne er ruhig schlafen. Das tut er immer noch an einem geheim gehaltenen Ort in der russischen Hauptstadt.

Nicht freiwillig – nach einer Irrfahrt durch China war Snowden vor vier Jahren am Moskauer Flughafen gelandet, Überflugverbote Richtung Venezuela und Nicaragua wurden erteilt, Länder wie Deutschland lehnten damals sein Asylgesuch ab. „Ich kann nicht nach Hause, ich werde von meiner Regierung gejagt“, sagt Snowden und befürchtet, dass es unter Trump keine Veränderungen geben werde. Bürgerliche Freiheiten seien nicht das Ding des neuen US-Präsidenten.

Der Ex-Geheimdienstler steckt noch immer tief in der aktuellen Sicherheitsdiskussion. „Ich halte mich auf dem Laufenden. Nur ein einfaches Smartphone kann ich nicht nutzen.“ Denn an dem Datenhunger der Geheimdienste habe sich auch heute wenig geändert. Noch immer seien die Daten von Bürgern transparent, noch immer spähten sie in den Tiefen privater Informationen.

Doch Snowden weiß: „Die Sicherheit von Daten kann nicht durch Politik oder Gesetze geschützt werden.“ Das gehe nur über Technik. Glücklicherweise gebe es deutliche Fortschritte bei der Verschlüsselungstechnik. Das https-Übertragungsprotokoll und die Zwei-Faktor-Identifizierung, bei der Nutzer über zwei verschiedene Wege erkannt werden, verbreiteten sich und machten Zugänge schwieriger. Noch immer warnt der Ex-Geheimdienstler vor Google und Facebook. Die Cloud-Nutzung verdammt er nicht. Einzig bei hochsensiblen Daten solle man das bleiben lassen. Dagegen macht Snowden die Nutzung von Sprachassistenten wie Alexa von Amazon oder Siri von Apple Sorgen. Die so übermittelten Daten ließen sich nicht absichern.

Ob sie denn angesichts der weiterhin bedrohlichen Sicherheitssituation Hackerin werden müsse, wird Snowden ganz zum Schluss seines Auftritts von einem jungen Mädchen gefragt. Da lacht der 34-Jährige ganz breit. Nein, sie solle nur zusehen, dass sie so viel wie möglich von der Technik verstehe, erklärt er ihr. Für ihn steht – auch angesichts seiner eigenen schwierigen Lage im russischen Exil – fest: „Das ist der einzige Weg, sich zu schützen.“

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