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Dienstag, 12. Dezember 2017

Verkehr

Im Alltags-Tritt

Von Stephan W. Eder, Fabian Kurmann | 25. Mai 2017 | Ausgabe 21

Ohne politischen Rückenwind und neue Verkehrskonzepte bleibt Radfahren ein Freizeitvergnügen.

S1 Aufmacher Rad (2)
Foto: imago/Science Photo Library

Seltener Anblick: Bisher nutzt nur ein kleiner Teil der Menschen das Rad im Berufsalltag.

Das Fahrrad müsse „eine zentrale Rolle in einem nachhaltigen Verkehrssystem spielen“. Dies fordern die Branchenvereinigungen ZIV (Zweirad-Industrie-Verband) und VSF (Verbund Service und Fahrrad) zusammen mit dem ADFC. Sie wünschen sich anlässlich der Bundestagswahl eine bessere Zukunft für das Velo.

Zwar habe die Bundesregierung im „Nationalen Radverkehrsplan 2020“ den volkswirtschaftlichen Nutzen des Verkehrsmittels gelobt, doch attestieren die drei Verbände der Politik nur „bisher mäßige Erfolge“. Das Fahrrad ist in Deutschland noch Nebendarsteller.

Dabei ist das Fahrrad in Deutschland das umweltverträgliche Fortbewegungsmittel, das eigentlich jeder im Haus stehen hat – rein statistisch gesehen: Der Fahrradbestand in Deutschland insgesamt (Fahrräder & E-Bikes) hat sich nach Schätzungen des ZIV durch die Zuwächse im letzten Jahr verändert. Inzwischen gibt es ca. 73 Mio. dieser Fahrzeuge auf deutschen Straßen. Den Anteil an E-Bikes schätzt der ZIV auf mittlerweile 3 Mio.

Kann das Rad das Auto im Alltag ersetzen? Nein, glaubt Robert Follmer, Bereichsleiter Verkehrsforschung beim Bonner Marktforscher Infas: „Das ist noch etwas überschätzt. Wenn ich die Zahlen betrachte, sind die Wege, die mit dem Fahrrad zurückgelegt werden, relativ kurz.“ Meistens kürzer als 3 km statt der maximal zumutbaren 10 km bis 15 km. „Man fährt eher mal zum Bäcker, als dass man zur Arbeit pendelt“, sagt er.

Und: Die Zahl der verkauften Räder steigt, häufiger benutzt werden sie aber nicht. Follmer: „Wenn man von einem Fahrradboom spricht, bezieht sich der zum großen Teil auf Freizeitfahrer.“

Neues Potenzial für Alltagsfahrer bietet die leichte Elektromobilität. Seit 30 Jahren leitet Monica Fassbender einen Fahrradladen in Bonn. Sie ist überzeugt: Das Fahrrad macht dem Auto ernsthafte Konkurrenz. „Mit Pedelecs stellen Reichweiten bis zu 30 km wirklich gar kein Problem mehr dar“, sagt sie aus eigener Erfahrung.

An malerischen Fahrradrouten mangelt es Deutschland weniger, an schnellen und sicheren Verkehrswegen vor allem in Innenstädten dagegen deutlich.

Der Umstieg kann auch bei längeren Strecken funktionieren. Das zeigen unsere Nachbarländer Holland und Dänemark. Dort hat die Politik Entscheidungen getroffen, um den Radverkehr attraktiv zu machen – etwa die grüne Welle für Radfahrer oder breite, deutlich sichtbare Radwege.

Anders in Deutschland: „Verkehrsminister Dobrindt kümmert sich wenig um das Radfahren“, sagt der Kölner Hochschuldozent Achim Schmidt. Das entsprechende Referat im Bundesministerium sei lange gewollt unterbesetzt gewesen.

Aber Großeinkauf mit dem Rad – wie soll das gehen? Fassbender sieht hier das Lastenfahrrad als schlummernden Riesen. Sie registriert, dass Logistikkonzerne wie UPS sich dafür interessieren: Mit größeren Lastenrädern würden im Rahmen neuer Konzepte Logistikhubs nahe der Lieferregionen angefahren. Von dort sollen dann in Zukunft Boten die Ware per Rad oder zu Fuß weiterverteilen. Und diese Konzerne werden selbst zu Fahrradentwicklern.

So kommen laut Fassbender neue Mitspieler in die Zweiradbranche, die mit viel mehr Geld ausgestattet sind als bisherige Protagonisten. Dabei sind die Zeiten für manchen heimischen Hersteller ohnehin schon schwierig. Aktuell kämpft die sachsen-anhaltinische Radschmiede Mifa erneut gegen die Insolvenz.

Noch ist der Druck auf den Markt nicht groß genug. So platzte Anfang Mai die geplante Fusion der großen niederländischen Fahrradbauer Pon (unter anderem Gazelle, ca. 800 000 Räder/Jahr) und Accell (ca. 1,5 Mio. Räder/Jahr). Doch die Hersteller bleiben angesichts des E-Bike-Booms optimistisch.

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