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Dienstag, 12. Dezember 2017

Studium

Im Hochschultrend: das Hybridmodell

Von Hermann Horstkotte | 16. Februar 2017 | Ausgabe 07

Ein Gutachten fordert die Beschränkung von „kooperativen Studiengängen“ staatlicher Hochschulen mit anderen Bildungsanbietern. Solche Hybridmodelle finden aber international wachsenden Zuspruch.

Wisenschaftsrat BU
Foto: Peter Heller/TU Clausthal

An der TU Clausthal werden die Noten von Technikerschulen auf das Ingenieurstudium angerechnet. Der Wissenschaftsrat äußert Bedenken.

So bunt war das Angebot akademischer Aus- und Weiterbildung hierzulande noch nie: Auf dem Markt konkurrieren staatliche und private Hochschulen, nationale wie internationale, mit oder ohne Studiengebühren. Manche vergeben ihre Studiengänge in Lizenz auch an andersartige Bildungsträger wie an die bundesweit tätige „Technische Akademie Wuppertal e.V.“ (TAW).

Im Fall TAW wird etwa der Bachelor-Abschluss im Maschinenbau von einer Fachhochschule verliehen. Denn grundsätzlich dürfen nur Hochschulen akademische Grade und Titel erteilen; nach einigen deutschen Landesgesetzen können das allerdings auch Berufsakademien. Hin und wieder bescheinigen Hochschulen aus dem EU-Ausland sogar deutschen Berufsfachschulen, ihre Curricula seien einem Bachelorstudium gleichwertig; eine solche „Validierung“ gilt unionsweit. Ansonsten werden oft berufliche Vorqualifikationen – mal mehr, mal weniger – angerechnet, etwa die des Industriemechanikers auf das Pensum eines Ingenieurstudiums. Die TU Clausthal übernimmt sogar die Vornoten von manchen Technikerschulen, mit denen sie kooperiert. Studienbewerber haben also die Qual der Wahl und keineswegs immer den Durchblick.

Die Kultusministerkonferenz will jetzt speziell über „kooperative Studiengänge“ von unterschiedlichen Anbietern Genaueres wissen und hat beim Wissenschaftsrat, dem höchsten Gremium zur Politikberatung, ein Gutachten bestellt. Danach geht es im Moment zwar nur um ein paar Hundert von insgesamt 20 000 Studienangeboten, doch halten die Gutachter die Entwicklung von „Franchise-, Validierungs- und Anrechnungsmodellen“ für bemerkenswert dynamisch.

Der kritische Tenor lautet in einem Satz: Wo Bachelor oder Master draufsteht, soll möglichst viel Hochschule drin sein. Staatliche Universitäten und Fachhochschulen sollen akademische Weiterbildung selbst anbieten statt sie zunehmend in gebührenfinanzierte Tochterunternehmen auszugliedern. Der Wissenschaftsrat appelliert an die Finanzminister, dafür mehr Geld bereitzustellen. Der wunde Punkt ist, dass private Hochschulen mindestens die Hälfte der Dozenten hauptberuflich anstellen müssen, während die staatlichen Tochterunternehmen mit nebenberuflichen Honorarkräften auskommen können, typischerweise Professoren aus der Mutterhochschule. „Das ist eindeutig Wettbewerbsverzerrung“, monierten die Privaten bei ihrer Anhörung für das Gutachten.

In Kooperationen der weniger anerkannte Juniorpartner zu sein, ist nicht jedermanns Sache. So haben private Verwaltungs- und Wirtschaftsakademien in Baden-Württemberg nach jahrelanger Zusammenarbeit mit Hochschulen 2014 eine eigene „VWA-Hochschule“ ins Leben gerufen. Sie bietet jetzt einen Bachelor of Engineering im Wirtschaftsingenieurwesen an. Die staatliche Anerkennung des VWA-Tochterunternehmens als eigene Hochschule war eine politische Entscheidung im Landtag.

Für Studienbewerber kommt es in erster Linie auf die Studiendauer an. Der Wissenschaftsrat hatte schon um die Jahrtausendwende empfohlen, berufliche oder schulische Vorleistungen auf höchstens die Hälfte des Studiums anzurechnen. Dabei vermisst man allerdings auch diesmal eine Auseinandersetzung mit dem amtlichen „Deutschen Qualifikationsrahmen“, der etwa Bachelor und Meister sowie Techniker für gleichwertig erklärt. Tatsächlich ist der Vorschlag eines starren Anrechnungs-Limits bis heute keineswegs überall in Landesrecht umgesetzt, etwa an Rhein und Ruhr nicht, in der dichtesten Hochschulregion Europas. Erst recht haben die Gutachter grundsätzliche und angeblich unüberwindliche Vorbehalte gegen die „Validierung“, die vollständige Anerkennung nicht hochschulischer Programme.

Alle „Beschränkungen“ für Hybridmodelle werden im Namen der Qualitätssicherung empfohlen. Als Qualitätsmaßstab gilt der Zuschnitt konventioneller Studiengänge. Insoweit erwecken die Vorschläge des Wissenschaftsrats für Harald Beschorner vom Verband der Privaten Hochschulen den Anschein von bloßen Verteidigungslinien des Hergebrachten, von „Innovationsblockern“. Dabei bleiben andere Angebote, die sich nicht „Studiengänge“ nennen und statt akademischer Grade Zertifikate vermitteln, außer Betracht. Beschorner: „Die Qualität muss gesichert bleiben. Sie muss aber für neue Bildungswege immer offen sein.“

Tatsächlich gewinnen etwa „Offene Online-Kurse“ (MOOCs) auf Hochschulniveau im internationalen Bildungsmarkt massiven Zuspruch. Dazu will der Wissenschaftsrat aber erst „bei künftiger Gelegenheit Stellung beziehen“. Aber schon jetzt beschwört Informatikprofessor Sebastian Thrun, Schrittmacher neuer Lernplattformen, das nahe Ende aller traditionellen Ausbildungs- und Hochschulformate. 

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