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Donnerstag, 14. Dezember 2017

Infrastruktur

In Zukunft durch den Tunnel

Von Fabian Kurmann | 27. Juli 2017 | Ausgabe 30

Stau, Umwege, Steigungen und raue See bremsen den Verkehr. Eine Lösung: Tunnel.

S1 Aufmacher (2)
Foto: [M] Cargo Sous Terrain AG/VDIn

Unter dem Stau hindurch: Autonome Lastfahrzeuge (grün) transportieren Waren zwischen zwei Logistikzentren durch einen Tunnel. So plant es das Schweizer Projekt Cargo Sous Terrain ab 2030.

Ein Tunnel ist kein angenehmer Ort, weiß Paul Pauli, Professor für Psychologie an der Uni Würzburg: „Die Enge und die Dunkelheit im Tunnel sind Angstauslöser.“ Trotzdem werden die Röhren in letzter Zeit immer beliebter. Denn mit wachsendem Verkehrsaufkommen steigt auch die Zahl der Staus. Der Aufenthalt dort ist generell noch weniger beliebt als der im Tunnel, denn Staus kosten Unternehmen viel Geld, und Menschen Nerven.

Das Interesse an unterirdischer Verkehrsführung wachse, bestätigt Edgar Schömig: „Eine große Nachfrage für Tunnel kommt zum einen durch neue Metrosysteme“, sagt der für Tunnelbau zuständige Vorstand des Baukonzerns Ed. Züblin. Das gelte sowohl für die Industrie als auch für Schwellenländer, so der Bauingenieur.

 Das zweite große Feld seien Hochgeschwindigkeitsverbindungen. „Die Anforderung von geringen Steigungen oder Gefällen führt schnell zu Tunnellösungen.“

Während Metro und Hochgeschwindigkeitstrassen in der Regel der Regie der öffentlichen Hand unterstehen, haben sich nun auch private Investorengemeinschaften gefunden, um unterirdische Verkehrsnetze zu entwickeln.

„Die Händler und Logistiker sehen auf bisherigen Verkehrswegen Nachteile wie Staus und wenig Elastizität im System“, sagt Marcel Winter, Geschäftsführer des Ingenieurbüros Pöyry Schweiz, das die Planung eines Projekts im Land der Berge koordiniert. Die Kernidee von Cargo Sous Terrain (CST) sei, ein Gesamtsystem für den Warenverkehr zu bauen – von der Übernahme in großen Umschlagzentren bis zur Auslieferung beim Endkunden.

An Logistikzentren sollen Waren auf autonome Lastfahrzeuge umgeladen werden (s. Kreis). Diese fahren dann mit einem Lift zu einem unterirdischen Tunnel, und mit 30 km/h langsam, aber stetig zum Ziellogistikzentrum, wo sie ein weiterer Aufzug wieder an die Oberfläche holt (s. großes Bild).

Eine Maßnahme wie CST lohne sich dann, wenn ein großer Warenumschlag auf einen verkehrsüberlasteten Ballungsraum trifft, sagt Winter. „Dann kann die Zuverlässigkeit eines alternativen Transportsystems die Investitionskosten in Tunnelsysteme rechtfertigen.“

Auch Tesla-Gründer Elon Musk hat den Tunnel entdeckt. Seine Boring Company will Städte in mehreren Ebenen untertunneln und Staus endgültig abschaffen.

Sogar die Seewege erfasst der Trend zum Tunnel. Hier will man allerdings aus Sicherheitsgründen mit dem Schiff durch den Berg. Daher plant Norwegen als Alternative zur gefährliche Route um sein Westkap den weltweit ersten Tunnel für Hochseeschiffe.Seiten 20 bis 22

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