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Dienstag, 12. Dezember 2017

Forschung

Investitionen in Neues

Von Lisa Schneider | 26. Januar 2017 | Ausgabe 04

Die Unternehmen geben jedes Jahr mehr Geld für Innovationen aus. Doch das System ist anfällig für Störungen und die Politik zögert einzugreifen.

Inno-Planung BU
Foto: panthermedia.net/Rawpixel

Als ressourcenarmes Land ist Deutschland auf Innovationen angewiesen, um seinen Wohlstand zu sichern.

Die deutsche Wirtschaft lässt ihn sich was kosten, den Fortschritt. 157,4 Mrd. € gab sie allein im Jahr 2015 für neue Produkte und Prozesse aus und katapultierte das Land damit maßgeblich unter die Top fünf der Länder, die weltweit am meisten für Forschung und Entwicklung ausgeben. Doch die deutsche Erfolgsgeschichte wird seit Jahren vor allem von den Großunternehmen getragen, während immer mehr kleine Unternehmen Innovationen links liegen lassen.

Die Zahlen gaben zunächst Anlass zur Freude. Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) präsentierten im Bundesforschungsministerium die aktuellen Zahlen zur Innovationstätigkeit in Deutschlandt: Das legendäre 3 %-Ziel, bei dem die europäischen Staaten bis 2020 jeweils 3 % ihres Bruttoinlandsprodukts für Forschung und Entwicklung (FuE) ausgeben wollen, wurde von Deutschland im Jahr 2015 erreicht. Allein die Wirtschaft erhöhte ihre Ausgaben um 8,8 % und trug damit zwei Drittel zur Zielerreichung bei. Neben den großen Unternehmen, die traditionell am meisten Geld für FuE ausgeben, investierten auch kleine und mittlere Unternehmen (KMU) deutlich mehr als erwartet. „Bei den KMU ist der jüngste Anstieg allerdings nicht nachhaltig“, warnt Christian Rammer, Leiter der Innovationserhebung am ZEW. Ökonomische Unsicherheiten wie die Amtsübernahme von Donald Trump, der sich bereits nachdrücklich gegen multilaterale Freihandelsabkommen ausgesprochen und zum Protektionismus bekannt hat, verunsichern die kleinen und mittleren Unternehmen ebenso wie der bevorstehende Brexit. „Gerade KMU schöpfen ihr Potenzial, neue Produkte und Ideen hervorzubringen, bei Weitem nicht aus – auch weil ihnen die nachhaltige Unterstützung dafür fehlt“, sagt Rammer.

Die Grünen prangern als Reaktion auf die jüngsten Studien die Untätigkeit der Bundesregierung an. „Bei einem handlungsfähigen Forschungsministerium würden längst alle Alarmknöpfe blinken – im Haus von Ministerin Wanka dagegen bestaunt man gebannt den Sinkflug“, poltert Kai Gehring, forschungspolitischer Sprecher der Grünen, und rät: „Durchstarten tut not – mit einem steuerlichen Forschungsbonus, mehr Wagniskapital und einer neuen Kreativitäts- und Gründerkultur.“ Gehring kann groß auftrumpfen, immerhin waren es die Grünen, die letztes Jahr einen Gesetzentwurf zur steuerlichen FuE-Förderung für KMU ins Parlament einbrachten. Er wurde schließlich trotz großer inhaltlicher Zustimmung von den übrigen Fraktionen abgelehnt.

Die Wirtschaft setzt vieles daran, den Stein mit Blick auf die kommende Legislaturperiode am Rollen zu halten. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hat dazu gemeinsam mit dem Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) eine Studie beauftragt. Ergebnis: „Im Steuerrecht liegt der Hebel für mehr Innovation. Mit steuerlichen Rahmenbedingungen, die den Unternehmen Anreize für Experimentierfreude setzen, lässt sich die Position des deutschen Innovationsstandortes im globalen Wettbewerb spürbar verbessern.“ Die Verbände fordern, eine volumenbasierte Steuergutschrift von 10 % einzuführen und steuerliche Hemmnisse für FuE abzubauen.

Andere Hindernisse wurden derweil von Seiten der Industrie abgetragen, wie ZEW-Ökonom Rammer aufzeigt. Die OECD stattet Deutschland in ihrem Ländervergleich regelmäßig mit der roten Laterne für fehlendes Wagniskapital zur Finanzierung junger Unternehmen aus. Dabei hat sich ein informeller Wagniskapitalmarkt etabliert, der abseits jeder Statistik Geld in den Markt pumpt. „Große Firmen von Siemens bis Henkel sind in die Finanzierung von Technologieunternehmen eingestiegen und haben die Finanzierungssituation für Technologieunternehmen und Start-ups, die ausschließlich FuE betreiben, deutlich verbessert.“ Rammer erkennt darin einen Trend, der sich langfristig fortsetzen könnte, „da im Moment enorm viel anlagesuchendes Kapital und wenige sichere und kalkulierbare Anlagen zu finden sind“.

Ein gesundes Miteinander, die Vernetzung von privatwirtschaftlicher und öffentlicher, groß angelegter und im Beginn begriffene Forschung – das ist eine Stärke des Innovationsstandortes Deutschland. Zahlen allein können diese Geschichte nicht erzählen.

Die neue Förderrichtlinie des BMBF im Wortlaut.

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